Emotions on Ice: Showauftritte als Start in die heiße Phase

Bei der Gala "Emotions on Ice" in Chemnitz genoss auch Aljona Savchenko die Begeisterung des Publikums in vollen Zügen. Die Paarläuferin blickte im Gespräch auch in ihre Zukunft.

Chemnitz.

Die Abbauarbeiten liefen bereits im vollen Gange, die anderen Mitwirkenden waren längst umgezogen, doch Aljona Savchenko stand in der Chemnitz-Arena immer noch am Rand der Eisfläche. Sie erfüllte geduldig und lächelnd jeden Wunsch der wartenden Fans, die ein Autogramm, ein gemeinsames Fotos oder einfach nur ein paar Worte mit ihr wechseln wollten. Besonders herzlich verlief auch das Wiedersehen mit Trainerlegende Jutta Müller, unter deren Fittichen sie einst in der Halle am Küchwald so manche zusätzliche Sprung-Lehrstunde absolvierte. Die 89-Jährige verfolgt dabei weiter sehr intensiv den Werdegang der gebürtigen Ukrainerin und ihres jetzigen Partners Bruno Massot, zeigte sich von den gefühlvollen und ausdrucksstarken Darbietungen des Duos beeindruckt. "Das ist schon toll, wie sie sich präsentieren", wertete Jutta Müller, die selbst auf der Tribüne von Zuschauern um Autogramme gebeten wurde.

Aljona Savchenko genoss zuvor ihre Auftritte sichtlich. Ob nach dem Flamenco im ersten Teil oder der Interpretation des Songs "Carry you", live gesungen vom Briten Nick Howard (u. a. Sieger von "The Voice of Germany"), nach der Pause - die Zuschauer feierten das Weltklassepaar euphorisch. "Es war wieder sehr schön, in Chemnitz zu laufen. Da erlebe ich immer eine besondere Wärme", schwärmte die 33-Jährige, die viele Bekannte traf. Seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag weilte sie schon in die Stadt, in der sie bis 2014 über ein Jahrzehnt lebte, trainierte und unter Anleitung von Coach Ingo Steuer mit Robin Szolkowy ihre bislang größten Erfolge - zweimal Olympiabronze, fünf WM- sowie vier EM-Titel - feierte. Sie besuchte Freunde, bummelte auch mal durch das Zentrum. "Da kommen schon Erinnerungen hoch, ich kenne ja viele Ecken. Aber es ist für mich trotzdem Vergangenheit", meinte Aljona Savchenko während des Gesprächs mit "Freie Presse".

In ihrer jetzigen Wahlheimat Oberstdorf fühlt sie sich sehr wohl. Sie ist privat glücklich und nach eigenen Worten wie "am ersten Tag" in ihren Ehemann Liam Cross, der sie auch bei allen Wettkämpfen begleitet, verliebt. Dass er gerade in Chemnitz ausnahmsweise fehlte, da er wegen einer RTL-Fernsehsendung unterwegs war, bedauerte sie deshalb. Und sportlich passt es derzeit nahezu perfekt. Die Entscheidung, nach dem Rücktritt von Robin Szolkowy 2014 mit Bruno Massot nochmals durchzustarten, bezeichnet sie als eine der besten, die sie je traf.

In der bisherigen Saison hat sich das Duo, das von Alexander König betreut wird, so stark wie noch nie gezeigt, gewann das Grand-Prix-Finale und gehört zu den Favoriten für die Winterspiele in Pyeongchang. "Klar bleibt es mein Traum, bei Olympia ganz oben zu stehen. Aber erst einmal müssen wir unsere Leistung bringen", sagte Aljona Savchenko, die keinen zusätzlichen Druck spürt. "Es ist für mich alles entspannter, ich genieße das Eislaufen mehr. Ich habe mich weiter gesteigert, kann das aber nicht erklären", fügte sie hinzu.

Nach ein paar Tagen Trainingsruhe über die Weihnachtszeit, an denen sie nur aufs Eis zum Einlaufen neuer Schlittschuhe ging, beginnt nun im Januar die heiße Phase der Vorbereitung auf das Topereignis. Die Vizewelt- und -europameister wollen dann noch weiter an Details ihrer Küren feilen, vielleicht die eine oder andere kleine Veränderung vornehmen. Die Erarbeitung eines neuen Kurzprogramms, die zwischenzeitlich mal zur Debatte stand, ist wegen Zeitmangels aber endgültig vom Tisch. Aljona Savchenko empfindet die Showauftritte - weitere folgen mit "Emotions on Ice" in Regensburg und Oberstdorf sowie zwei in der Schweiz - dabei als gute Möglichkeit, wieder ins Geschehen reinzukommen und vor allem auf die künstlerischen Komponenten noch intensiver Wert zu legen.

Auf Höchstschwierigkeiten verzichteten sie bewusst, bei der verkleinerten Eisfläche in der Arena war das Sturzrisiko einfach zu hoch. Zumal beide froh sind, dass sie ihre Verletzungen weitestgehend auskuriert haben. Bei ihr schmerzt der rechte Fuß, der ihr in der Vorsaison wegen eines Bänderanrisses große Probleme bereitete, nur noch selten. Bruno Massot hat aktuell ebenso seine Rückenprobleme ganz gut im Griff. Dabei helfen vor allem spezielle Übungen, die beide unter Anleitung des Stuttgarters Ben Burges - Personal Trainer und Physiotherapeut gleichermaßen - gezielt und regelmäßig absolvieren.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Endet eigentlich die Karriere nach der Saison? Das Eispaar, das auf alle Fälle auch die WM anvisiert, will sich Zeit lassen, hat diesbezüglich noch keine Gespräche geführt. "Es ist alles offen, ich lasse es auf mich zukommen. Aber ich fühle, dass ich noch nicht an meinen Grenzen bin", ist sich Aljona Savchenko sicher. Eine Aussage, die eigentlich nur eine Interpretation zulässt ...

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