Freiburg kämpft im Saisonfinale auch mit sich selbst

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Die Niederlage gegen Union schmerzt den SC Freiburg sehr. Nun stehen zwei Endspiele bevor - um die Königsklasse und den DFB-Pokal. Eine glänzende Saison ist es so schon, die Gemengelage aber komplex.

Freiburg.

Christian Streich war sichtlich aufgewühlt. Der Trainer des SC Freiburg haderte mit dem Schiedsrichter-Gespann, mit der Defensivleistung seiner Mannschaft und womöglich auch mit der komplexen Gemengelage.

So sorgenfrei sie bislang auch verlaufen ist, im Endspurt verlangt auch diese Saison den Badenern mental alles ab.

SC kassiert gegen Union einen Rückschlag

Obwohl sie ihr abschließendes Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin mit 1:4 (0:3) verloren, haben die Freiburger schon jetzt allen Grund stolz auf das Geleistete zu sein. International spielen sie kommende Runde schließlich auf jeden Fall. Doch wer so weit gekommen ist, will nun auch noch die letzten Schritte gehen. Würde der SC sowohl die Champions-League-Plätze der Fußball-Bundesliga als auch den Sieg im DFB-Pokal-Finale gegen RB Leipzig am 21. Mai in Berlin verpassen, wäre es immer noch eine überragende Spielzeit - das Gesamtbild aber eben getrübt. Und diese Sorge schwang durchaus mit, als sich Spieler und Fans nach der Partie am Samstag gegenseitig applaudierten.

"Es ist sehr enttäuschend. Ich muss die Jungs aufrichten", sagte Coach Streich nach dem jähen Ende der Freiburger Erfolgsserie. Nach vier Siegen und einem Unentschieden aus den vorangegangenen fünf Pflichtspielen kassierte der SC gegen extrem effiziente Köpenicker einen empfindlichen Rückschlag im Kampf um die Königsklasse. Grischa Prömel (11. Minute), Christopher Trimmel (30.) und der herausragende Sheraldo Becker (41.) hatten Union bereits zur Pause 3:0 in Führung gebracht. Nach dem Seitenwechsel trafen Lucas Höler (59.) für den SC und András Schäfer (90.) noch ein weiteres Mal für die Berliner.

Zwar fehlte den Freiburgern diesmal auch das Spielglück. Das 1:1 durch Höler (23.), das wegen eines Handspiels des Stürmers aberkannt wurde, hätte ihnen sicher Auftrieb und der Partie womöglich eine schnelle Wende gegeben. "Ich verstehe es nicht", sagte Streich über die Entscheidung der Unparteiischen um Felix Brych in dieser Szene.

Streich mit dem Defensivverhalten unzufrieden

Noch mehr auf das Gemüt schlug den Breisgauern aber ihre wiederholt schwache Defensivarbeit. Zehn Gegentore kassierten sie in den zurückliegenden drei Spielen. Zweimal - beim 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach und dem 4:3 bei der TSG Hoffenheim - ging es noch gut. Ein drittes Mal nun nicht mehr. "Wir haben schlecht verteidigt", schimpfte Streich. "Wie du die Tore kriegst, die Flanken zulässt - das geht nicht auf dem Niveau, das ist inakzeptabel." In Summe seien die Gegentreffer "einfach zu viel", sagte auch Nico Schlotterbeck.

Der Verteidiger wird im Sommer zu Borussia Dortmund wechseln. Als Nachfolger verpflichteten die Freiburger bereits den Gladbacher Matthias Ginter. Ein Transfer, der belegt, dass es beim SC vorangeht. Vor nicht allzu langer Zeit wäre der Abgang eines Leistungsträgers wie Schlotterbeck vermutlich noch mit einem jungen Perspektivspieler kompensiert worden, jetzt kommt ein gestandener Nationalspieler. Einer, dessen Wurzeln in Freiburg liegen, klar. Der aber eben auch spürt, dass die Badener weiter sind als bei seinem Abschied 2014. "Als ich es das erste Mal gehört habe, dachte ich, das kann doch nicht stimmen", verriet Streich vorige Woche über Ginters Rückkehr.

Doch so sieht die neue Freiburger Realität nun mal aus. Das neue Stadion bringt auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten mit sich - und auf Dauer vermutlich auch neue Ziele. Die bescheidenen Badener sind noch dabei, sich daran zu gewöhnen. "Wir haben nur ein Fußballspiel verloren", sagte Streich nach der Klatsche gegen Union und versuchte, sie nicht zu hoch zu hängen. Wie die Freiburger mit ihr umgehen, wird im Fernduell um die Champions-League-Plätze mit Leipzig und den Berlinern am 34. Spieltag kommendes Wochenende und im Pokal-Endspiel gegen RB eine Woche später aber spannend zu sehen sein. (dpa)