G2s LoL-Trainer GrabbZ: «Wir wollen immer auf Platz Eins»

Bei der LoL-WM reichte es für das beste Team Europas in diesem Jahr nur für das Halbfinale. Bei G2 Esports gibt es eine besondere Dynamik zwischen dem lockeren Team und dem ernsten deutschen Trainer. Doch im Training ist das anders, erzählt GrabbZ im Interview.

Berlin (dpa) - Bei der League-of-Legends-Weltmeisterschaft spielte sich G2 Esports bis ins Halbfinale, verpasste den Titel am Ende aber erneut. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Coach Fabian «GrabbZ» Lohmann über die Lehren aus dem Turnier und den lockeren Ruf seines Teams.

Frage: Ihr seid bei der WM im Halbfinale an Damwon gescheitert. Was würdest du rückblickend anders machen?

Antwort: Ich glaube, ich werde meinen Spielern weiter vermitteln, dass sie ruhiger sein müssen. Wir haben viele uncharakteristische Fehler gemacht, und Spiele auch sehr früh verloren, vor allem in Spiel 3 und 4 hatten wir schon in den ersten fünf Minuten sehr viele Fehler gemacht. Aber auch einfach, weil der Druck da war - wir wissen, wie stark Damwon ist und die Spieler wollten einfach das Maximum rausholen. Wie dumm es auch immer klingt: Damwon kocht auch nur mit Wasser. Das sind keine Götter, keine unschlagbaren Gegner.

Frage: Europa hat sich zumindest als drittbeste Region etabliert, aber der Titel fehlt immer noch. Wo müssen sich G2 und EU als Ganzes für den Titel noch weiter verbessern?

Antwort: Letztendlich sind die Worlds ein Turnier, zu dem jede Region ihre besten Teams schickt. Es stimmt zwar, dass über das Jahr China und Korea das bessere Training haben, weil die tatsächlich auch untereinander scrimmen (trainieren) können. Wir haben Fnatic, und danach vielleicht mal Rogue und MAD Lions. Danach ist die Qualität schon deutlich schwächer.

Das ist jetzt nichts, was auf die Teams selbst zurückführt, sondern vor allem die Infrastruktur der Region. Europa macht schon einen guten Schritt mit den regionalen Ligen, die werden besser und besser. Das wird ein großer Schritt sein, um dann auch die ganze Region anzuheben, und auch den Titel zu stemmen.

Frage: Ihr habt im letzten Sommer der LEC ja eher langsam angefangen. Müsst ihr euch zur nächsten Saison wieder reintasten, oder bleibt Platz Eins von Beginn an das Ziel?

Antwort: Wir wollen immer auf Platz Eins, das wird sich nicht ändern. Obwohl das natürlich von außen sehr eng aussah, haben wir einen guten Schritt gemacht. 2019 haben wir gemerkt, wie uns zum Ende des Jahres die Luft ausging. Wir haben versucht, in der regulären Season alles zu gewinnen, wir haben MSI gewonnen, und gegen Ende hin war es dann sehr schwer. Wenn man dauernd reist und dann noch trainieren muss, ist es eben nicht die beste Umgebung, um Leistung zu zeigen.

Deswegen haben wir dieses Jahr bewusst ein bisschen den Fuß vom Gas genommen. Im Sommer war es knapper, als es hätte sein sollen. Aber dennoch werden wir so etwas ähnliches angehen, weil wir gemerkt haben, dass dieses Jahr deutlich besser lief. Wir hatten mehr Kraft und Konzentration, wenn es darum ging, bei den Worlds zu performen.

Fragen: Ihr seid ja auch zumindest von außen als Team bekannt, das alles ein bisschen lockerer nimmt. Stört dich das als Coach manchmal oder nimmst du das eher auf die leichte Schulter?

Antwort: Ich bin vollkommen okay damit, weil das ja auch bewusst entsteht. Wir als Team haben viele Meetings darüber, wie wir uns verhalten wollen, und wie «ernst» wir das ganze nehmen wollen. Das ist alles sehr d'accord mit dem, auf das wir uns einigen. Klar, wir flachsen gerne öffentlich rum, aber tatsächlich im Trainingsbetrieb gibt es keine Zweifel, dass wir gewinnen wollen. Ich habe davon gelernt in diesem Jahr, dass es tatsächlich auch hilft, wenn sie eben Freiheiten hatten. Dementsprechend wird das auch weiter so bleiben.

Frage: Du bist ja eher ein sehr ernster Typ. Wie ist die Stimmung, wenn ihr tatsächlich im Training seid?

Antwort: Die Spieler haben sich im zweiten Jahr auf meine Art eingestellt und arbeiten sehr konzentriert - zum größten Teil. Es gibt immer Spiele wo dann das Lachen anfängt, und dann hast du auf einmal 50 Kills in zehn Minuten. Dann haben sie ihren Spaß, aber wir einigen uns darauf, dass sie wirklich den größten Teil ihrer Arbeit gewissenhaft machen.

Je näher wir zu den wichtigen Spielen kommen, desto mehr ändert sich natürlich ihre Art, wie sie trainieren. Inzwischen sind wir sehr gut eingespielt, was das angeht, und ich mache mir auch keine Sorgen, dass wir lasch werden, eher im Gegenteil. Wir hatten gute Strukturen, wo Spieler auch selbst die Verantwortung übernehmen müssen. Diese werden wir beibehalten für nächstes Jahr.

Zur Person: Fabian «GrabbZ» Lohmann ist seit 2018 Head Coach von G2 Esports. Das LoL-Team führte er zu vier LEC-Titeln und 2019 ins Finale der Weltmeisterschaft.

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.