Landesjugendspiele: Nicht nur das Ergebnis zählt

Sachsens Talente trotzten bei den Landesjugendspielen in Dresden der Hitze. Manch Teilnehmer wusste noch nicht, in welcher Sportart sein größtes Talent schlummert.

Dresden.

Die Zuschauer, die sich am Samstag in der Ballsport-Arena Dresden eingefunden hatten, um bei den Landesjugendspielen 2019 die Handballspiele zu verfolgen, glaubten zunächst, dass bei den Begegnungen der Bezirksauswahlmannschaften aus Chemnitz, Leipzig, Sachsen-Mitte und Ostsachsen die Regeln nicht richtig eingehalten wurden. Nach Toren ging es statt mit Anwurf in der Spielfeldmitte sofort mit Abwurf des Torwarts weiter. Zudem bildeten die sechs Feldspieler einer jeden Mannschaft je zur Hälfte eine Abwehr - und eine Angriffsformation. Doch Landestrainer Jakob Dietrich versicherte auf Anfrage, dass alles seine Richtigkeit habe. "Durch diese Spielform sind auf dem Feld mehr Räume vorhanden. Dadurch können wir die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Akteure besser beurteilen", sagte Dietrich. Denn die Landesjugendspiele dienten im Handball nicht nur dazu, die besten Mannschaften zu ermitteln. Es wurden vielmehr auch Talente für eine künftige Landesauswahl gesichtet. Wie der Landestrainer verriet, werde der Jahrgang 2007 insgesamt dreimal unter die Lupe genommen, die Landesjugendspiele stellten den Auftakt dar.

Dass die Chemnitzer Jungs, die unter anderem aus Aue, Chemnitz und Limbach-Oberfrohna stammen, nach Siegen gegen Ostsachsen (26:23), Leipzig (37:15) sowie einem Remis gegen Sachsen-Mitte (21:21) in der Endabrechnung die Nase vorn hatten, fand Trainer Tyll Schmidtke gut, war aber nicht das Hauptziel des Tages. "Mir ging es heute vorrangig darum, die individuelle Ausbildung der Jungs voranzutreiben. Der Turnierplatz war mir eigentlich gar nicht wichtig", sagte der 23-jährige Inhaber einer C-Trainerlizenz. Dabei weiß Schmidtke, wovon er spricht. Bei der SG Nickelhütte Aue ist er als Koordinator für den Kinderbereich zuständig, beim EHV Aue II steht der gebürtige Dresdner zudem zwischen den Pfosten. "Nach dem Aufstieg spielen wir in der kommenden Serie, die meine dritte Saison in Aue sein wird, in der Mitteldeutschen Oberliga", sagte der Bezirksauswahltrainer. Den Kader für die Mannschaft, die in Dresden auflief, hatte er in zwei Sichtungen mit Hilfe des Niederwiesaers Martin Herwick aufgestellt.

Im Tor der weiblichen Bezirksauswahl Chemnitz stand mit Sophie Brunel eine junge Sportlerin vom BSV Sachsen Zwickau. Die 11-Jährige hatte schon im vergangen Jahr bei der Bestenermittlung der E-Jugend auf sich aufmerksam gemacht und sich in den Fokus der Sichter gespielt. Eigentlich, so verriet ihr Vater, habe er sie zum Handball geschickt, um sich überhaupt sportlich zu betätigen. Doch jetzt könnte es durchaus passieren, dass die Schülerin perspektivisch eine Berufung in die sächsische Landesauswahl bekommt. Ihre Teamkollegin Reni Schmökel hat seit zwei Jahren beim HV Chemnitz den Handball regelmäßig in der Hand, ist aber sonst vielseitig sportlich interessiert. "Ich gehe auch Reiten und spiele Fußball", erklärte die 12-Jährige. Ihre Bezirksauswahltrainerin Sarah Pfau sieht in ihr auf jeden Fall ein Handballtalent schlummern. "Reni hat richtig gute Anlagen", versicherte die Übungsleiterin, die aus Limbach-Oberfrohna stammt und seit sechs Jahren im Spielbezirk Chemnitz eine Auswahl betreut. Allerdings konnten die Mädels des Chemnitzer Spielbezirks nicht ganz vorn mitmischen und holten sich nach einem Sieg gegen Sachsen-Mitte (24:16) sowie Niederlagen gegen Leipzig (22:27) und Ostsachsen (15:29) Bronze.

Namen, wer für die Landesauswahl in Frage kommen könnte, wollte Jakob Dietrich nach Turnierende nicht nennen. Die nächste Sichtung findet im November statt. Doch als sicher gilt, dass sich alle beteiligten Handballerinnen und Handballer zu den Landesjugendspielen in der Landeshauptstadt mächtig ins Zeug gelegt haben.


Dreisprung-Ass Kristin Gierisch als Motivatorin im Einsatz 

An den Landesjugendspielen des Landesportbundes Sachsen nahmen rund 5600 Aktive in 54 Sportarten teil. Die Wettbewerbe fanden insbesondere auf oder in den Sportstätten im Sportpark Ostra in Dresden statt.

Die dreifache Deutsche Meisterin und Halleneuropameisterin im Dreisprung, Kristin Gierisch, agierte in diesem Jahr als Botschafterin der Landesjugendspiele. "Ich war 2004 bei den Spielen dabei, ging damals noch als Weitspringerin an den Start", sagte die Chemnitzerin. Sie hatte für die Starterinnen und Starter noch einen guten Tipp: "Ihr dürft in keiner Situation den Mut verlieren und niemals aufgeben", sagte die deutsche Dreisprung-Rekordhalterin. Insbesondere schaute sie sich die Leichtathletik-Wettbewerbe an: "Ich freue mich, wenn ich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Motivation sein kann, ihre eigene sportliche Laufbahn voranzutreiben."

Die Boxer hatten in der Halle im Ostragehege keine Hitzeprobleme. Rund 50 Kämpfer aus 21 Vereinen bewarben sich um die Medaillen. Aus der Region konnten sich die Faustkämpfer aus Schwarzenberg, Chemnitz und Zwickau sowie vom Boxclub Vogtland gut ins Szene setzen.

Die WSG Schwarzenberg-Wildenau nahm am Samstag mit neun Aktiven an den Leichtathletik-Wettkämpfen teil, die im Heinz-Steyer-Stadion ausgetragen wurden. Darunter befand sich mit dem 17-jährigen Kevin Reim auch ein Kugelstoßer mit großen Medaillenambitionen. In den Staffeln bildete die WSG mit dem LV 90 Thum eine Startgemeinschaft.

Beim Classic-Kegeln wurde eine interessante Wettkampfform gewählt. Denn der Wettbewerbe wurde im Tandem-Mix ausgetragen. "Das bedeutet, dass jeweils ein Junge und ein Mädchen zusammen ein Team bilden. Insgesamt waren 16 Paare am Start", sagte Landestrainer Frank Schuster aus Chemnitz. So wurden Jasmin Otto/Jonas Illgen vom SV Krumhennersdorf Neunte, Celine-Michelle Kröner und Oliver Tilch (ATSV Freiberg) belegten den 12. Platz. kbe

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