Starkes Team voller Hoffnungen

Bei den Deutschen Turnmeisterschaften am Wochenende in Leipzig sind neun Starter aus Chemnitz dabei. Es gibt jedoch Unsicherheiten.

Chemnitz.

Das hatten sich die vier Auswahlakteure aus Chemnitz langfristig anders vorgestellt. Bei den nationalen Titelkämpfen der Turner am Wochenende in Leipzig, also vor fast heimischer Kulisse, wollten Pauline Schäfer, Sophie Scheder, Andreas Bretschneider und Ivan Rittschik möglichst das Ticket für die WM, die Ende Oktober in Doha stattfindet, buchen - und sowohl im Mehrkampf als auch an den Geräten in die jeweiligen Medaillenkämpfe eingreifen. Die vier Asse, seit Jahren Stützen der Nationalmannschaften, besitzen dieses Potenzial. Doch die aktuellen Vorzeichen dämpfen leider den Optimismus.

Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer hatte sich eigentlich einen sehr guten Stand erarbeitet. Bei der ersten Qualifikation vor zwei Wochen in Stuttgart zeigte sie an ihrem Paradegerät sowie am Stufenbarren starke Leistungen, ehe sie nach einem gestreckten Doppelsalto am Boden unglücklich landete und sich am linken Fuß verletzte. Daraufhin verzichtete sie auf ihren Sprung. Eine MRT-Untersuchung brachte soweit Entwarnung, dass mit den Bändern und Sehnen alles in Ordnung ist. "Ich kann meinen Fuß aber noch nicht voll belasten, trainierte zuletzt nur am Barren", berichtete die 21-Jährige im "Freie Presse"-Gespräch und fügte hinzu: "Ich muss nun die Vor- und Nachteile genau abwägen, werde kurzfristig entscheiden, was ich turne, aber kein Risiko eingehen." Von Bundestrainerin Ulla Koch, die natürlich die Weltmeisterin im Team braucht, bekam sie Rückendeckung, dass eine endgültige WM-Entscheidung nach einem Länderkampf Mitte Oktober fällt. Pauline Schäfer besitzt bereits sieben Meistertitel an den Geräten (3x Balken, je 2x Boden, Sprung), würde zu gern nach drei Podestplätzen (2x Silber, 1x Bronze) auch einmal im Mehrkampf triumphieren. Doch diese Hoffnung rückte im Vergleich zu den gesundheitlichen Problemen erst einmal in den Hintergrund.

Sophie Scheder, Vereinsgefährtin beim TuS Altendorf, hatte 2016 als erste Chemnitzerin diesen Titel geholt. Im Vorjahr fehlte die Olympiadritte am Stufenbarren, da sie damals noch ihre Knieoperation auskurierte. Auch bei der ersten Qualifikation gehörte sie nicht zum Starterfeld. Denn nach dem gelungenen Wettkampfcomeback Ende Juni zu Hause erlitt sie erneut einen Rückschlag. Sie verletzte sich am Ringfinger, musste sich erneut einem medizinischen Eingriff unterziehen. "Neun Wochen war ich danach komplett vom Barren weg, habe mich aber Stück für Stück an allen Geräten wieder herangekämpft", erzählte die 21-Jährige. Unterbrechungen gab es dennoch - wegen einer Erkältung oder einer Überreizung des nicht operierten Knies. Zur sicheren Abklärung unterzog sie sich gestern deshalb einer MRT-Untersuchung. "Ich habe hart gearbeitet, doch optimal ist was anderes. Trotzdem freue ich mich, dass ich mich wieder zeigen kann", meinte Sophie Scheder, die ebenso noch ein Ticket für den Saisonhöhepunkt buchen möchte. Für die EM hatte sie es auf Anhieb in der Tasche, schaute aber dann wehmütig aus der Ferne zu.

Andreas Bretschneider stellte sich indes vor zwei Wochen schon in ansprechender Form vor, belegte im Mehrkampf mit nur einem Fehler (Sprung) den dritten Platz. Doch seither konnte auch er nicht wie geplant trainieren und weiter an seinen Übungen feilen. Er plagt sich mit Rückenproblemen herum, zog sich eine hartnäckige Blockierung zu. "Ich war mehrfach beim Arzt, habe sehr viel Physiotherapie erhalten", beschrieb der 29-Jährige sein Hauptprogramm der vergangenen Tage, das ihn alles andere als befriedigte. Doch wie von ihm gewohnt, wird er bis zuletzt alles versuchen, um sich am Sonnabend ins Teilnehmerfeld einzureihen. Und bei seiner nunmehr 13. DM möchte er sich endlich auch seinen Titeltraum erfüllen. Obwohl er am Reck bei EM und WM schon im Finale stand sowie mehrfacher Weltcupsieger ist, gewann er auf nationaler Ebene an seinem Paradegerät bisher keine Medaille. Zweimal Silber am Barren und an den Ringen stehen zu Buche.

Ivan Rittschik, mit dem er gemeinsam beim KTV trainiert, besitzt indes schon zwei Titel (2015; 2017) am Pauschenpferd. Da bestimmt er das Niveau in Deutschland, turnt das schwierigste Repertoire. "Ich fühle mich fit, meinen Titel zu verteidigen", blickte der 26-Jährige selbstbewusst voraus. Da er sich im Januar einer Schulter-OP unterzog und so noch Defizite besitzt, sind seine WM-Chancen aber sehr gering. Florian Lindner gehört zwar nicht mehr dem Kader an. Doch an seinem Spezialgerät Ringe visiert der 26-Jährige nach Bronze 2016 und Silber 2017 - ganz knapp hinter Gold - erneut Edelmetall an.


Service zur Meisterschaft 

Starter aus der Region:

Damen: Pauline Schäfer (21 Jahre), Sophie Scheder (21), Lisa Schöniger (16, alle TuS Chemnitz-Altendorf).

Herren: Andreas Bretschneider (29), Ivan Rittschik (26), Florian Lindner (26), Tobias Radoi (18); Maurice-Etienne Praetorius (18; alle KTV Chemnitz); Nick Klessing (20; Rodewisch, startet für SV Halle), Julius Rabenstein (Monheim, trainiert in Chemnitz).

Zeitplan:

Sonnabend, 13.30 Uhr: Mehrkampf (Damen), 18 Uhr: Mehrkampf (Herren); Sonntag: 12 Uhr: Gerätefinals (Damen: Sprung, Stufenbarren; Herren: Boden, Pauschenpferd, Ringe), 14.30 Uhr: Gerätefinals (Damen: Schwebebalken, Boden; Herren: Sprung, Barren, Reck).

Tickets: Restkarten an Tageskasse

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