WM-Tagebuch: In Mösern daheim

Dank eines umsichtigen Kollegen, der schon anderthalb Jahre zuvor ein für WM-Verhältnisse preiswertes Quartier gebucht hat, verschlug es mich in diesen Tagen nach Mösern. Das liegt rund drei Kilometer entfernt vom Seefelder WM-Trubel. Dabei darf man ohne die sehr limitierten Parkscheine nur vor 8.00 und nach 18.00 Uhr mit dem Auto in den WM-Ort fahren.

Mösern dürfte vielen Sachsen bekannt sein. Meine Haus-Wirtin redet von zahlreichen Stammgästen aus dem Erzgebirge und Vogtland. Aber warum ist Mösern eine Reise wert? Im Winter besticht freilich das riesige Loipennetz, das mit den beiden WM-Runden noch Zuwachs erhalten hat. Aber auch ohne Ski lässt es sich hier aushalten, beim Wandern, erst recht bei solchem Wetter mit Weitblick wie derzeit.

Ich besuche einen bekannten Menschen des Ortes, in dem gefühlt jeder zweite Neuner heißt. Alfons Neuner, 70 Jahre, trägt einen grauen Bart. Im Dorf nennt ihn jeder nur "der Schmied". Denn der Mann übt seinen aussterbenden Beruf noch aus. Er hat die meisten Straßenlampen im Ort gefertigt. Er spricht mich gleich mit Du an. "Du kannst bestenfalls bis in die Berge der Schweiz nach Samnaun schauen", erzählt der Künstler. Schon der Blick ins Inntal begeistert. Auch der Möserer See, von Quellwasser gespeist, sei beliebt bei Urlaubern und einer der wärmsten Badeseen Tirols auf 1292 Metern Höhe. "Hechte und Karpfen sind drin", antwortet Alfons dem Hobbyangler. Eher laut geht es am Wahrzeichen des Ortes zu, zumindest einmal am Tag. Die größte freihängende Glocke des Alpenraumes läutet punkt 17 Uhr, wenn es keinen Defekt am Gestell gibt wie in diesen Tagen. Die Glocke symbolisiert die gelebte Verständigung unter den verschiedenen Alpenvölkern, Kulturen und Religionen. Einzigartig sind in Mösern auch einige Holzzäune, die ohne Nägel mittels stark erhitzten Fichtenzweigen gefertigt wurden. "Das geht nur mit Handschuhen. Die Zweige müssen kurz vorm Anbrennen sein, dann sind sie am biegsamsten. Die Feuerwehr darf aber nicht zuschauen dabei", erzählt Alfons und lacht.

Während der WM bin ich übrigens nicht der einzige Sachse in Mösern. Peter Lange, ein Sprungskibauer aus dem Vogtland, unterstützt Polens Asse um Kamil Stoch, gastiert mit dem Team im Inntaler Hof. Dort waren vor der Wende auch die DDR-Nationalmannschaften beherbergt. Seitdem hat sich aber - wie Peter Lange meint -einiges verändert "im einstigen Hauptquartier".

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