Ähnlich und doch nicht gleich

Neben Schwibbögen leuchten im Advent in vielen Wohnungen und auf Balkonen auch Sterne. Zwei werden sogar im Landkreis hergestellt und treten von hier aus den Weg in die Welt an.

Hartenstein/Wilkau-Haßlau.

In zwei kleinen Firmen im Landkreis ist das ganze Jahr über Weihnachten. Am Hartensteiner Markt und am Haßlauer Alten Grenzweg werden in Handarbeit Adventssterne hergestellt, die vor allem in den Tagen vor dem Fest ein Renner sind. "Freie Presse" hat beide Familienbetriebe besucht und sich die patentrechtlich geschützten Sterne sowie ihre Historie einmal genauer betrachtet.

Die längere Tradition hat der Hartensteiner Stern. Den ersten baute Buchbindermeister Oswald Härtel, der 1908 Laden und Werkstatt in Hartenstein eröffnete, für seine eigene Stube. Er verschwand in den Kriegsjahren. Nur ein Foto ist vom Stern geblieben. Das nahm Sohn Martin, ebenfalls Buchbindermeister, als Vorlage, als er den Stern weiterentwickelte. Er war nun auch zum Auseinandernehmen. Die Spitzen werden auf den Grundkörper aufgesteckt. 1948 fuhr Martin Härtel mit diesem Exemplar zur Messe. Der Hartensteiner Advents- und Weihnachtsstern war geboren. Seit 1960 stellt die Buchbinderei Härtel ausschließlich solche Sterne her. Bis 2004 wurde sie von Peter Härtel geführt. Dann zogen Werkstatt und Laden von der Zwickauer Straße auf den Markt um, übernahm Tochter Beate Heyn in vierter Buchbindergeneration das Unternehmen. Sie berichtet, dass es den Stern in 14 Farbkombinationen gibt. Gold/Rot sei der Klassiker. "Zurzeit wird auch oft der in Kupfer/Weiß gekauft", sagt sie. Gearbeitet werde nach wie vor mit den Maschinen vom Großvater. Kindergarten- und Schulkinder kommen gern zu ihr, um die Herstellung des Sterns zu beobachten. "Aber wir haben auch unsere Geheimnisse. Das Abkanten beispielsweise zeige ich nicht", sagt sie. Beate Heyn freut sich, dass die Nachfrage in ganz Deutschland ungebrochen ist. Auch in anderen Ländern hängt der Hartensteiner Stern. "Ich habe schon mal einen auf die Philippinen geschickt", sagt sie.

Weil es im Handel kaum Weihnachtssterne gab, hatte sich Mat- thias Wild 1985 selbst einen gebastelt. "Dann wurden nebenberuflich weitere Exemplare hergestellt und mit Genehmigung der Behörden über Kunstgewerbeläden verkauft", sagt der gelernte Elektriker. "Als ich 1989 einen Gewerbeschein hatte und die Produktion hauptberuflich betreiben konnte, folgte kurz darauf die Wende. Da wollten sich die meisten Leute erst einmal andere Wünsche erfüllen." Der Haßlauer gab das Gewerbe wieder auf. 1996 überarbeitete der Mann seinen Stern und wagte einen Neuanfang. Mit Erfolg. Die Farbe wird mit einer Spritzpistole aufgesprüht, die fertigen Spitzen mit einem Klick in den Körper eingedreht. Auch dieser Stern ist in den Farben Rot, Weiß und Gold der Klassiker. Allerdings laufen die Spitzen im Gegensatz zum "Hartensteiner" weiß aus. Der Innenstern wird in elf Farbvarianten angeboten. "In der Seiffener Region ist der in Minttürkis/Gold besonders beliebt", berichtet Matthias Wild, dessen Firma seit 2004 auch selbst entwickelte Außensterne fertigt und anbietet, die einen Durchmesser von 60 oder 75Zentimetern haben. Diese gibt es in 15 verschiedenen Farben. Auch die Haßlauer Sterne werden in alle Teile Deutschlands geliefert. "Sogar nach Australien und Amerika sind schon welche verschickt worden", sagt Wild.

Sollte an den Sternen mal was kaputtgehen: Beide Firmen bieten auch Ersatzteile an.


Zur Historie

Der leuchtende Stern zum Weihnachtsfest hat eine lange Tradition, die auf den Stern von Bethlehem zurückgeht (nachzulesen in der Bibel; Matthäus-Evangelium).

Den Weisen aus dem Morgenland wurde durch das Erscheinen eines besonders hellen Sterns am Himmel die Geburt von Jesus Christus als Retter angekündigt. Der Stern wies ihnen den Weg nach Bethlehem.

So erinnert an jedem Weihnachtsfest der Stern an das Kommen Jesu Christi in die Welt.

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