Unister-Absturz: Fehlendes Wrackteil gefunden

Hinweise auf Fremdeinwirkung - Langwierige Ermittlung erwartet

Leipzig/Ljubljana.

In Slowenien ist das Heckruder des Kleinflugzeugs gefunden worden, bei dessen Absturz am 14. Juli die Gründer des Leipziger Internetkonzerns Unister, Thomas Wagner und Oliver Schilling, ein weiterer Geschäftsmann und der Pilot tödlich verunglückt sind. Das berichtete das slowenische Internetportal "Sio1net" am vergangenen Mittwoch. Nach dem Bericht hatten etwa 100 Angehörige der slowenischen Zivilverteidigung, der Feuerwehr und der Bergrettung am zweiten Wochenende im Oktober ein Waldstück durchsucht, in dem das Höhenruder schließlich entdeckt wurde.

Die Inspektion des Wrackteils soll Erkenntnisse über die Absturzursache liefern, die nach drei Monaten noch immer ungeklärt ist. Das Höhenruder soll beschädigt sein, berichtete am Montag die "Leipziger Volkszeitung". Es gebe Hinweise auf Fremdeinwirkung durch einen anderen Gegenstand. Der Ermittler Toni Stojèevski vom Luftfahrtministerium in Ljubljana rechnet laut "Sio1net" mit ein- bis zweijährigen Untersuchungen. Die Federführung der Untersuchung liegt bei den slowenischen Behörden. Die Eltern von Thomas Wagner hatten Anzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt gestellt.

Wagner und Schilling waren Mitte Juli in einer gecharterten Piper 32 nach Venedig gereist. Dort fiel Wagner offenbar einem Betrug zum Opfer, den er selbst bei der venezianischen Polizei anzeigte. Bei der Rückkehr nach Deutschland am Vormittag des 14. Juli 2016, um 10.51 Uhr in 3200 Metern Höhe, verschwand die Piper vom Radar. Sie zerschellte in einem Waldgebiet und hat nach dem Aufprall offenbar gebrannt. Die Leichen Wagners und Schillings waren von slowenischen Gerichtsmedizinern nur anhand ihrer DNA zu identifizieren.

An der Absturzstelle wurde ein unversehrter Rucksack mit Dokumenten und 10.000 Schweizer Franken in bar gefunden. Das jetzt aufgefundene Heckruder lag 700 Meter von den übrigen Wrackteilen entfernt. Vorläufig wurde eine Vereisung der Tragflächen als mutmaßliche Absturzursache angenommen.

Keine 96 Stunden nach dem Absturz meldeten die ersten Unister-Firmen Insolvenz an. Werthaltige Teile des Konzerns sollen derzeit an Investoren verkauft werden. (ros)

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