Angst vor Corona: Börsen und Ölpreis abgestürzt

Was Unternehmer, Verbraucher und Anleger jetzt wissen sollten - Heizöl und Tanken günstiger - Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld

Chemnitz.

Das Coronavirus und der Ölpreis-Crash lösen Panik an den Aktienmärkten aus. Die "Freie Presse" erklärt, wie Unternehmen jetzt geholfen werden soll und ob es an der Zapfsäule nun günstiger wird.

Warum ist der Ölpreis abgestürzt?

Die Verhandlungen über eine Drosselung der Fördermengen zwischen der Organisation der Erdöl exportierenden Staaten (Opec) und ihren Partnern sind am Wochenende gescheitert. Vor allem Russland sperrt sich. Daraufhin büßten am Montagmorgen die Preise für Rohöl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA jeweils mehr als ein Viertel ein. Zudem belastet die Coronavirus-Krise die Wirtschaft immer stärker. Derzeit werden zahlreiche Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft nach unten revidiert, was auch zu einer geringeren Nachfrage nach Rohöl führen dürfte.

Was bedeutet das für die Autofahrer und Haushalte?

An den Tankstellen könnten die Preise für Benzin und Diesel durchaus sinken. Der Mineralölwirtschaftsverband wollte zwar keine Prognose abgeben, verwies jedoch auf frühere Entwicklungen. Demnach ging der Benzinpreis seit Jahresbeginn um acht Cent auf 1,35 Euro pro Liter zurück, Diesel wurde zwölf Cent günstiger und kostete zuletzt weniger als 1,20 Euro pro Liter. Die weitere Entwicklung sei nun unter anderem davon abhängig, ob sich die Opec mit weiteren Ölförderländern in nächster Zeit auf eine Förderbremse einigen könne.

Wie sieht es beim Heizöl aus?

Dort macht der Rohstoffpreis einen höheren Anteil der Gesamtkosten aus, deshalb könnten beim Endverbraucher prozentual höhere Preissenkungen ankommen. Nur noch 54 Cent inklusive Mehrwertsteuer kostete im Bundesdurchschnitt der Liter Heizöl am Montag. Das sind zehn Prozent weniger als am vergangenen Freitag und über 20 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.

Wie reagieren die Börsen?

Panikartig sind die Anleger am Montag wegen wachsender Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges in sicherere Häfen geflüchtet. Der deutsche Leitindex Dax hatte zwischenzeitlich fast 1000 Punkte eingebüßt und schloss 7,94 Prozent tiefer bei 10.625,02 Punkten. Dies ist auf Schlusskursbasis gerechnet der größte prozentuale Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit fast weg. Auch europaweit gerieten die Aktienmärkte - wie zuvor bereits in Asien - stark unter Druck. In den USA startete der Dow Jones Industrial mit einem Minus von mehr als 6 Prozent, bevor er kurze Zeit später vom Handel ausgesetzt wurde.

Wohin flüchten die Anleger?

Vor allem Staatsanleihen sind gefragt. Dabei wird hingenommen, dass sichere Staatspapiere keine Rendite mehr abwerfen. Die besonders sicheren Bundesanleihen werden sogar mit negativen Renditen gehandelt. Das heißt: Die Nachfrage nach deutschen Staatstiteln ist so stark, dass sogar eine Art Gebühr in Kauf genommen wird, wenn Anleger der Bundesrepublik Geld leihen. Ähnlich stark gefragt sind auch Staatspapiere aus der Schweiz und aus Japan, wobei auch die Währungen dieser beiden Länder als sichere Anlage geschätzt werden.

Wer profitiert noch?

Der Goldpreis. Er stieg seit Ende Februar bis an die Marke von 1700 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). Allerdings kam es auch mehrmals zu plötzlichen Rückschlägen: Viele Investoren mussten Gold verkaufen, um an Geld für den Ausgleich von Verlusten an anderer Stelle zu kommen.

Droht jetzt eine neue Rezession?

Die Coronavirus-Krise kam für die deutsche Wirtschaft zur Unzeit. Kaum zeigten sich in der zuletzt angeschlagenen deutschen Industrie Anzeichen einer Erholung, wird die konjunkturelle Entwicklung erneut ausgebremst. Mittlerweile wollen Ökonomen eine leichte Rezession in der ersten Jahreshälfte nicht mehr ausschließen. Allerdings wirkt der jüngste Verfall der Ölpreise auch als eine Art Konjunkturprogramm. Sinkende Kosten für Energie entlastet Unternehmen. Dies kann Folgen der Virus-Krise für die Wirtschaft ein Stück weit abmildern.

Wie sieht das Hilfspaket aus, das die Groko beschlossen hat?

Ab April sollen Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld gelten - damit Unternehmen, die in eine angespannte Lage geraten, ihre Stammbelegschaften halten und Kündigungen vermieden werden können. Beim Kurzarbeitergeld übernimmt die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns, wenn ein Unternehmen Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt. Nun sollen den Arbeitgebern auch die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet werden - und zwar voll und nicht nur wie bereits Ende Januar von der Koalition beschlossen zu 50 Prozent. Betriebe sollen zudem Kurzarbeitergeld schon nutzen können, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten statt wie bisher ein Drittel vom Arbeitsausfall betroffen sind. Die Regierung soll die Regelungen per Verordnungsermächtigungen in Kraft setzen können, befristet bis Ende 2021. Die Neuerungen sollen an diesem Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden.

Gibt es auch Liquiditätshilfen?

Die Regierung kündigt Vorschläge für Liquiditätshilfen und ein Gespräch mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft und den Gewerkschaften dazu an. Auch die Auflage eines Konjunkturprogramms wird in der Koalition erwogen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte "maßgeschneiderte" Lösungen für Firmen in Not an. Die Frage ist, wie teuer es wird, bestehende Kreditprogramme aufzustocken, wenn Firmen wegen Liefer- und Produktionsengpässen infolge der Coronavirus-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Das könnte mehrere Milliarden Euro kosten. Besonders Messebauer, Hotels und Gaststätten sowie die Tourismusbranche leiden unter Umsatzrückgängen. Auch in der Luftverkehrswirtschaft ist die Lage angespannt.

Was macht der Bund noch?

Die Koalition will nun die Investitionen des Bundes in den Jahren 2021 bis 2024 um jeweils 3,1 Milliarden Euro verstärken, das macht insgesamt 12,4 Milliarden Euro. Investiert werden soll vor allem in neue Verkehrswege. In Kommunen sollen Brachflächen reaktiviert werden, damit bezahlbare Wohnungen gebaut werden können. Das Ziel ist laut Koalition, in den kommenden Jahren zusätzliche 140 Milliarden Euro bereitzustellen. Das soll dazu dienen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Gibt es auch Unterstützung aus Sachsen?

Die Finanzämter im Freistaat können den Firmen steuerliche Hilfsangebote unterbreiten. Dabei gehe es zum Beispiel darum, dass laufende Vorauszahlungen zur Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer herabgesetzt oder ausgesetzt werden, teilte das Finanzministerium am Montag mit. Auch könnten fällige Steuerzahlungen gestundet und Säumniszuschläge erlassen sowie auf Vollstreckungsmaßnahmen vorübergehend verzichtet werden. Betroffenen Unternehmen wird empfohlen, frühzeitig Kontakt mit dem zuständigen Finanzamt aufzunehmen, so Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU). (fp/dpa)


Zwickauer Messe verschoben 

Die Baufachmesse Zwickau 2020 wird verschoben. Aussteller würden sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter sorgen und hätten Bedenken bezüglich der erwartenden geringeren Besucherzahl, hieß es am Montag vonseiten des Veranstalters. Aufgrund dieser Bedenken und aus wirtschaftlichen Gründen habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Der Ersatztermin steht schon fest. Die Messe soll nun vom 25. bis 27. September stattfinden. (fp)


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