Flächendeckende Einführung intelligenter Stromzähler startet

Stromkunden mit hohem Jahresverbrauch erhalten jetzt einen neuen intelligenten Zähler. Die kosten mehr - auch in Sachsen.

Chemnitz.

An diesem Montag beginnt im Netzgebiet von Mitnetz Strom in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg der Pflichteinbau von intelligenten Messsystemen. Wer mehr als 6000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, wird damit ausgestattet. Für den Betrieb und den Einbau dieser Geräte dürfen den Kunden verbrauchsabhängig zwischen 100 und 200 Euro pro Jahr berechnet werden. Das ist gesetzlich so festgelegt.

Die intelligenten Messsysteme bestehen aus einem digitalen Zähler und einem Gerät, das Daten senden und Signale empfangen kann. Sie erfassen die Verbrauchswerte - und übertragen sie einmal täglich über eine streng gesicherte Verbindung an den Netzbetreiber. Das geschieht verschlüsselt. Die Kunden können am Folgetag ihre Verbrauchswerte online einsehen. Ein Besuch zum Ablesen ist nicht mehr erforderlich.

Im April will Mitnetz Strom in Südwestsachsen mit dem Austausch beginnen. Dabei liege ein Schwerpunkt zunächst auch auf Mittweida, Limbach-Oberfrohna, Röhrsdorf.

Hintergrund ist das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende aus dem Jahr 2016. Es schreibt den Austausch der alten Zähler bis zum Jahr 2032 in Deutschland für alle Stromkunden vor. Dabei wird jedoch nach Verbrauch unterschieden: Nur für Kunden mit mehr als 6000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ist die Messeinrichtung mit Kommunikationsmodul verpflichtend. Dazu zählen viele Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Betroffen davon sind nach Unternehmensangaben im Mitnetz-Strom-Gebiet zunächst 80.000 der rund 1,5 Millionen Kunden.

Weitere rund 120.000 Mitnetz-Kunden werden zu einem späteren Zeitpunkt mit diesem intelligenten Zähler ausgestattet. Dabei handelt es sich zum einen um Anlagenbetreiber, die Ökostrom und Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen. Die Einbaupflicht greift hier ab sieben Kilowatt installierter Leistung. Zum anderen trifft das aber auch Kunden, die Wärmepumpen und -speicher oder Elektroladesäulen betreiben. Wann genau sie die fernauslesbaren Messeinrichtungen erhalten, stehe aber noch nicht fest, sagt Adolf Schweer, technischer Geschäftsführer bei Mitnetz Strom.

In welchem Umfang das Entgelt für den Einbau und den Betrieb der intelligenten Zähler an die Kunden weitergegeben wird, hängt vom jeweiligen Stromlieferanten ab. Der ostdeutsche Stromversorger Envia M zum Beispiel will sie in voller Höhe weiterreichen. Dass sei mit den energieintensiveren Gewerbekunden in der Regel auch so vertraglich vereinbart, sagt Envia-M-Pressesprecher Stefan Buscher.Laut der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sind die intelligenten Messsysteme ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Durch sie sollen Stromnetze besser genutzt, der Energieverbrauch gesenkt und stromfressende Geräte identifiziert werden. "Zudem können die Kunden künftig von zeit- und lastvariablen Stromtarifen profitieren", sagt Schweer. Perspektivisch solle der Verbraucher in das Preissystem eingebunden werden - indem er ein entsprechendes Signal erhält. "Wenn wir gerade ganz viel Wind oder Sonnenschein haben, könnte der Strom zum Beispiel günstiger werden - und umgekehrt." Es könnte aber auch der Stromfluss aus einer Solaranlage mithilfe des intelligenten Messsystems so gesteuert werden, dass ein Elektroauto zu einem günstigen Zeitpunkt geladen wird. "Das will man weiterentwickeln", sagt Schweer.

Wer weniger Strom als 6000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, erhält hingegen bis spätestens 2032 nur eine moderne Messeinrichtung. Die kann zwar ebenfalls den Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresverbrauch digital für die letzten 24 Monate anzeigen. Im Gegensatz zum intelligenten Messsystem können diese Geräte aber keine Daten senden. Dort erfolgt die Ablesung wie bisher einmal im Jahr vor Ort.

Für Otto-Normal-Haushalte läuft der Einbau der modernen Zähler bereits. Mitnetz hat nach eigenen Angaben seit April 2017 schon rund 250.000 dieser Geräte in seinem Netzgebiet installiert. Laut Bundesnetzagentur liegen dafür die Betriebs- und Einbaukosten bei maximal 20 Euro jährlich.

Allerdings kann der für den Zählerwechsel zuständige Messstellenbetreiber auch bei diesen Kunden ein intelligentes Messsystem installieren. Bei diesem optionalen Einbau sind laut Bundesnetzagentur dann 23 bis 60 Euro pro Jahr fällig. Laut Mitnetz mussten seine Kunden bisher weniger als 10 Euro pro Jahr für den Zählerbetrieb zahlen. Bundesweit liegt der Preis bislang zwischen neun bis 14 Euro. Mitnetz Strom betont, dass in seinem Netzgebiet der Austausch der Zähler kostenlos erfolgt.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Umrüstung dennoch kritisch. Grund sei, dass Kunden durch mögliche zusätzliche Kosten für den Umbau des Zählerschranks belastet werden könnten, sagt VZBV-Experte Thomas Engelke.


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9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    kartracer
    26.02.2020

    @Steuerzahler, ich bin schon etwas irritiert von Ihrer Wahrnehmung, sorry.
    Wenn von Ihnen explizit jemand etwas wissen will, dann holt er sich diese Informationen, über eine nicht geringe Anzahl von Wegen, die Sie oftmals nicht mal erahnen.
    Wenn das nicht der Fall ist verschwinden Ihre Daten wie ein Tropfen Wasser im Meer, das werden weder Sie noch ich beeinflussen!
    So ist sie nun mal, die Digitalisierung, bleiben Sie einfach gelassen.

  • 6
    4
    Steuerzahler
    26.02.2020

    @kartracer: Ja, genau aus den von mir genannten Gründen habe ich Alexa nicht in meine Familie aufgenommen. Und ich habe generell etwas gegen digitale Schnüffler, die ich nicht durch persönliche Einstellungen bremsen kann. Wenn dieser Zähler Ihren täglichen Verbrauch registriert, dann weiß er auch, wann Sie ortsabwesend sind und wann Sie den Spitzenverbrauch haben. Die Diskrepanz liegt darin, was man Konzernen ( und durch die Hintertür dem Staat) erlaubt und wie man den einzelnen Bürger gängelt, wie beim Klassenfoto.

  • 1
    5
    kartracer
    26.02.2020

    @Steuerzahler, es geht nicht um das Lächerliche, sondern darum, daß sich das "Perpetuum mobile", der neuen modernen Welt, oder auch die digitale "Supernova",
    diese Entwicklung angeeignet hat.
    DARUM, wer Alexa vertraut sollte völlig tiefenentspannt, durch die virtuelle, digitale Welt gehen.
    Wer bitte möchte sein Smartphone gerne wieder gegen ein kabelgebundenes Tasten- oder Wählscheiben Telefon eintauschen? Die roten Daumen??

  • 8
    2
    Steuerzahler
    26.02.2020

    @Pixelghost: Da sind sie ja groß raus! Da können Sie sich ja noch aussuchen, wer die Daten erhebt! Kommen wird der digitale Zähler sowieso. Wenn man die Augen schließt, braucht man sich mit unliebsamen Problemen nicht beschäftigen. Man kann sie auch ins Lächerliche ziehen. Das ist einfach und bequem, aber das Problem ist damit nicht aus der Welt.

  • 3
    5
    Pixelghost
    25.02.2020

    Isch chabe gar kein Mitnetz.

  • 11
    5
    kartracer
    25.02.2020

    Im Zweifelsfall, "ALEXA" fragen!

  • 7
    13
    an33dy
    25.02.2020

    Jetzt haben die Leute schon Angst das der Zähler sie "überwacht". Die meisten Menschen geben ihre Daten und ihr Privatleben freiwillig an andere weiter. Auch wenns keinen interessiert.
    Ein Zähler der nicht nur Verbrauch, sondern auch Einspeisung messen kann ist ne super Sache.

  • 21
    13
    Pixelghost
    24.02.2020

    Ja Steuerzahler, es ist schlimm - wirklich schlimm.

    Jeden Tag bekomme ich im TV Parship-Werbung, obwohl die doch nun meine Lebensverhältnisse kennen müßten - bei dieser flächendeckenden Überwachung.

    Aber irgendwas scheint da nicht zu funktionieren...

  • 27
    11
    Steuerzahler
    24.02.2020

    Die flächendeckende Überwachung schreitet voran. Durch die Datenübermittlung wird es möglich, dass der Versorger feststellt, wann sie nachts das Licht ausmachen oder andere Lebensgewohnheiten nachverfolgen. Selbst Beginn und Ende des Urlaubs oder des Leerstehens der Wohnung ist nachvollziehbar. Und was ist mit dLan? Das endet eigentlich am Zähler. Wird das im Bedarfsfall abgegriffen? Hauptsache der Datenschutz wird gewahrt, wenn jemand ein Klassenfoto macht. Von der finanziellen Abzocke dieser einmaligen Installation über Jahre gar nicht zu reden.