Neue Pipeline soll 110 Kilometer durch Sachsen führen

Eine weitere deutsch-russische Erdgastrasse soll ab 2018 auch durchs Erzgebirge und Mittelsachsen gebaut werden. Dabei ist noch völlig unklar, ob Moskau überhaupt mehr Gas liefern darf.

Chemnitz.

Nach der Erdgasleitung Opal will das Unternehmen Gascade eine weitere Pipeline von der Ostsee bis nach Tschechien bauen. Das Raumordnungsverfahren für die Europäische Gas-Anbindungsleitung Eugal beginnt in Sachsen voraussichtlich in diesem Monat. "Wir prüfen eine Vorzugstrasse und mögliche groß- und kleinräumige Varianten", sagte Projektleiter Ludger Hümbs. Vor allem müssten die Auswirkungen der Trassen auf Mensch, Natur und Umwelt bewertet werden, hieß es.

Die rund 110 Kilometer lange Strecke durch Sachsen soll bis ins mittelsächsische Voigtsdorf parallel zur Opal-Pipeline verlaufen und dann auf einer neuen Trasse bis nach Deutschneudorf. Auf weiten Teilen des sächsischen Abschnitts wird die neue Leitung aus nur einem Strang bestehen. Auf einen ursprünglich geplanten zweiten Strang soll verzichtet werden, weil Kapazitäten eines bereits bestehenden anderen Netzes genutzt werden können. Mitte 2018 will Gascade mit dem Bau beginnen. Zuvor können die Anwohner noch ihre Einwände geltend machen. "Ende 2019 soll Gas fließen", so Hümbs.

Laut Gascade ist die neue Leitung notwendig, um "erhebliche Lücken" beim Erdgas-Bedarf in Tschechien und Polen, aber auch in Österreich zu schließen. Weitertransportieren soll sie jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas, das Russland liefern will. Doch gegen den dafür erforderlichen Neubau einer weiteren Ostsee-Pipeline, der Nord Stream 2, laufen Staaten in Mittel- und Osteuropa Sturm. Polen und die Ukraine fürchten um ihre bisherigen Durchleitungseinnahmen, das EU-Parlament sorgt sich, dass der Energieriese Gazprom dann den Markt dominieren könnte. Gazprom deckt bereits ein Drittel des europäischen Gasverbrauchs. Andere sehen in einem Baustopp ein wirksames Mittel, Russland wegen seiner Ukraine- und Syrienpolitik zu sanktionieren. Dazu zählt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU).

Die Bundesregierung stützt indes Nord Stream 2. Sie spricht der EU das Recht ab, dieses Projekt zu torpedieren. Das sächsische Wirtschaftsministerium geht ebenfalls von einem steigenden Gasbedarf aus. Deshalb sei diese Pipeline sinnvoll, so ein Sprecher. Zudem stehe Nord Stream 2 im Einklang mit den Zielen der EU-Energiepolitik.

Trotz des Gezerres zwischen Moskau, Brüssel und Berlin hält auch Gascade, eine Tochter von Gazprom und einem BASF-Ableger, an seinen Plänen fest. Nord Stream 2 spiele beim eigenen Bauvorhaben zwar eine Rolle, sagt Firmensprecherin Tatjana Bernert, aber keine vornehmliche. "Durch die neue Leitung kann russisches, aber auch norwegisches oder frei gehandeltes Gas fließen."

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