Ostdeutsche Textilindustrie warnt vor weiteren Belastungen

Hinter der ostdeutschen Textilbranche liegt kein gutes Jahr. Andere Dinge machen ihr aber noch mehr Sorgen.

Chemnitz.

Erstmals seit 2015 ist der Umsatz der ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie im vergangenen Jahr gesunken - und zwar nach vorläufigen Berechnungen des Branchenverbandes vti um ungefähr 70 Millionen Euro auf rund 1,8 Milliarden Euro. Ursächlich dafür sind laut vti-Hauptgeschäftsführer eine geringere Nachfrage nach technischen Textilien für die Autoindustrie und die Handelsbeschränkungen im Russlandgeschäft. Dennoch ist Jenz Otto nicht unzufrieden. "Das Gesamtergebnis von Textil und Bekleidung für 2019 kann sich trotz der Probleme sehen lassen", sagte er am Freitag in Chemnitz. Vor allem im Bekleidungssektor, der seinen Umsatz laut vti um rund fünf Prozent steigern konnte, und bei den Schutz-, Gesundheits- und Vliestextilien gebe es auch viel Licht.

In das laufende Jahr gehen die Unternehmen mit Zuversicht. Der Grund: der ifo-Geschäftsklimaindex für die letzten drei Monate 2019. Es hat keine Rezession gegeben. "Die positive Stimmung wird auf unsere Industrie übertragen", sagte Otto.

Dennoch warnt der Verband, der 180 der 350 Betriebe in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vertritt, vor weiteren Belastungen. Mit einem Anteil von 45 Prozent am Gesamtumsatz seien die Unternehmen sehr export- abhängig und den Turbulenzen auf dem Weltmarkt ausgesetzt. "Jegliche politischen Maßnahmen oder bürokratischen Regulierungen, die ihnen zusätzlich das Leben schwer machen, beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit und sind daher fehl am Platze", sagte Otto. Vor allem die CO2-Gesetzgebung treffe die energieintensive mittelständisch geprägte Textilindustrie schwer.

Für die Firma Thorey Gera Textilveredlung hat Geschäftsführer Andreas Ludwig die Mehrbelastung bereits ausgerechnet. Bei einem Preis von 25 Euro pro Tonne Co2-Ausstoß kommen demnach 2021 Mehrkosten von 41.000 Euro auf das Unternehmen zu. Bei der Treuener Firma Vowalon Beschichtung sind es laut vti zunächst 50.000 Euro und mit den sukzessiven Preissteigerungen für den CO2-Ausstoß in den Folgejahren ab 2026 geschätzt 300.000 Euro pro Jahr. "Mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik ist das sicher nicht", sagte Ludwig. "Die CO2-Steuer trifft ja nur uns und nicht die Mitbewerber. Dadurch fährt ja kein einziges Schiff weniger von Asien nach Europa."

Zudem plagen Personalsorgen die Branche. Die Chemnitzer Firma Premium Bodywear, die ihren Umsatz nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren um jeweils vier Prozent steigern konnte, sucht händeringend vor allem technische Fachkräfte wie Schneider oder Näher. Ob man Personal bekomme, sei dem Zufall überlassen, sagte Vorstand Frank Markert. "Wir können nicht so viel ausbilden, wie wir wollen." Die Norafin Industries Deutschland aus Mildenau im Erzgebirge greift auch auf Quereinsteiger zurück. "Heute nehmen wir, was wir kriegen können", sagte Geschäftsführer André Lang.

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