Protest von Kohle-Gegnern: Leag ruft zu Gewaltfreiheit auf

Hunderte Kohle-Gegner wollen am Wochenende an Tagebauen und Kraftwerken in der Lausitz einen Sofort-Ausstieg aus der Braunkohleverstromung durchsetzen. Der Tagebaubetreiber Leag befürchtet gewalttätige Proteste und setzt auf Deeskalation.

Cottbus (dpa) - Vor den geplanten umstrittenen Aktionen des Bündnisses «Ende Gelände» in der Lausitz am kommenden Wochenende hat der Tagebaubetreiber Leag zu Gewaltfreiheit aufgerufen. «Belassen sie es bei einem friedlichen Protest und Meinungsstreit! (...)», appellierte Leag-Personalvorstand Jörg Waniek am Montag an die Kohle-Gegner. «Unsere grundsätzliche Strategie ist, dass wir deeskalieren wollen», fügte Leag-Kommunikationschef Wolfgang Rolland hinzu.

Mit Blick auf die gewaltsamen Proteste im Jahr 2016 befürchtet der Tagebaubetreiber nun ähnliche Aktionen. Damals hatten tausende Kohlegegner unter anderem Geräte im Tagebau Welzow besetzt, Kohlebahngleise blockiert und das Kraftwerk Schwarze Pumpe gestürmt. Eine Sprecherin von «Ende Gelände» hatte dem «Tagesspiegel» am Freitag gesagt, es sei Konsens, dass sich die Teilnehmer der Aktionen «ruhig und besonnen verhalten» und keine Menschen gefährdet werden.

Leag-Personalchef Waniek verwies am Montag auf Gefahren wie die hohe elektrische Spannung an Fahrleitungsanlagen oder Böschungen, die ins Rutschen kommen könnten. Demonstrierende sollten die gekennzeichneten Grenzen des Betriebsgeländes respektieren und sich nicht selbst oder andere durch Herumklettern an Betriebsanlagen in Gefahr bringen. Nach Angaben der Leag wurden bereits im Vorfeld einige Schilder, die das Betriebsgelände kennzeichnen, von Unbekannten entfernt.

Konzernbetriebsratschef Uwe Teubner beschrieb die Stimmung unter den Mitarbeitern als «sehr angespannt». Auch 2016 seien friedliche Proteste angekündigt worden, die eskaliert seien. Es gebe Unverständnis und Wut unter den Kollegen. «Ende Gelände» fordere den Sofort-Ausstieg aus der Braunkohle, das greife jeden einzelnen Job an, sagte Teubner.

Das Bündnis «Ende Gelände» hatte in den vergangenen Wochen dazu aufgerufen, sich vom 29. November bis zum 1. Dezember an der Besetzung und Blockade von Anlagen des Tagebau- und Kraftwerkbetreibers zu beteiligen. Hunderte Demonstranten werden dazu im Braunkohlerevier in der Lausitz erwartet.

Mit einem Familienfest will das regionale Bündnis «Wir sind laut für unsere Lausitz» am kommenden Freitag vor dem Kraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg ein Zeichen gegen Gewalt setzen.

Die Polizei wird nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot vor Ort im Einsatz sein - unterstützt von anderen Bundesländern, darunter Thüringen, Baden Württemberg und Berlin. Eine konkrete Zahl der Einsatzkräfte nannte der Sprecher des Polizeipräsidiums Potsdam, Torsten Herbst, nicht. Über 20 Mahnwachen und Versammlungen sind seinen Angaben zufolge für das kommende Wochenende angemeldet. «Was völlig klar ist: Blockaden und gewalttätige Aktionen werden wir nicht hinnehmen. Da schreiten wir konsequent ein.»

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