Sachsens erster veganer Landwirt

Vegane Lebensmittel sind heute in jedem Bio-Laden zu finden. Landwirte, die auf Tiere und deren Produkte verzichten, gibt es aber nur wenige. Einer von ihnen ist Daniel Hausmann.

Rochlitz.

Die Begrüßung ist tierisch gut: Wenn man auf den Hof der Hausmanns in Rochlitz rollt, lässt Seppl nicht lange auf sich warten. Bellend kommt der Golden-Retriever-Hund angestürmt und beschnuppert den Gast. Seppl ist das einzige Haustier auf dem Bio-Bauernhof. Der Kuhstall steht seit Jahren leer, und auch Schweine, Hühner oder Schafe sucht man vergeblich. Daniel Hausmann steht dazu. Der 25-Jährige bewirtschaftet den Hof vegan. Dazu zählt nicht nur der Verzicht auf die Tierhaltung. Es werden auch keinerlei tierische Produkte wie Mist sowie Hornmehl- oder Haarpellets als Dünger eingesetzt. Als Bio-Betrieb bringt Hausmann natürlich auch keine chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf die Felder.

Hausmann dürfte der erste Landwirt in Sachsen sein, der auf bio-veganen Landbau setzt. Eine Statistik gibt es nicht. Das Biologisch-vegane Netzwerk (BVN) verzeichnet bislang sieben Betriebe in Deutschland. Angesichts von bundesweit 24.300 Öko-Bauernhöfen ist das kaum der Rede wert. Doch BVN-Mann Daniel Mettke ist überzeugt, dass die Zahl steigen wird. "Vegane Erzeugnisse ab Feld haben noch einmal eine andere Qualität, die vor allem bei Leuten ankommt, die sich aus ethischen Gründen vegan ernähren." Einst war der Hausmann-Hof ein konventionell geführter Agrarbetrieb. Vor der Wende gehörten die gut 20 Hektar Fläche zur LPG, danach übernahm der Großvater als Wiedereinrichter den Hof, baute Getreide an und hielt ein Dutzend Kühe. Später rückte mit Daniels Vater die nächste Generation nach. Als der vor vier Jahren starb, musste er selbst ran. Der junge Mann hatte gerade sein Öko-Landbau-Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde begonnen.

"Wir haben deswegen die Kühe abgeschafft", erzählt er. Den Acker ließen sie von einem Dienstleister bewirtschaften. Doch 2014 war damit Schluss. Die Familie begann, auf Öko-Landbau umzustellen. Die Zwischenphase, in der zwar öko gearbeitet wird, die Produkte aber noch kein Bio-Siegel tragen dürfen, endet im Mai. Alles, was Hausmann dann aussät, kann er als "bio" verkaufen.

Ursprünglich wollte er nach dem Studium wieder Kühe anschaffen. "Ich bin ja damit groß geworden." Doch es kam anders. In Eberswalde begann er, sich mehr und mehr mit Tierethik und Veganismus zu beschäftigen. Anfangs kaufte er nur Tierisches aus Bio-Erzeugung, später verzichtete er ganz darauf. Das sei an der Hochschule auch kein Problem gewesen: "In der Mensa gibt es immer ein veganes Gericht", sagt er.

Danach war klar, dass er die neue Lebenseinstellung zu Hause in Einklang mit der Hofbewirtschaftung bringen musste. "Man baut ja auch zu den Kühen eine Beziehung auf. Man kümmert sich das ganze Jahr um sie. Und dann soll man die Tiere zum Schlachthof schicken? Einfach so?" Das könne er heute nicht mehr.

Das Problem ist nur: Im Öko-Landbau spielen Tiere eine große Rolle. Tierischer Dünger wird hier gebraucht, um die Böden mit Nährstoffen zu versorgen. Bei Demeter, dem Anbauverband mit den strengsten Regeln, sind Tiere sogar vorgeschrieben - um einen geschlossenen Kreislauf zu haben. Fragt man in der Branche nach dem veganen Weg, ist Skepsis zu hören. Für Joyce Moewius vom Verband BÖLW ist dieser "nur eine Randerscheinung". Funktionieren werde das zudem nur dort, wo die Böden besonders gut sind.

Doch Hausmann ist guten Mutes. 2016 will er richtig loslegen. Auf einem halben Hektar wird er Gemüse anbauen. Teils unter Folie, teils auf dem Feld. Schon heute verkauft er das einmal pro Woche in Chemnitz. Künftig wird er noch Gemüsekisten nach Leipzig liefern. Daneben will er diverse Getreidearten anbauen sowie Hülsenfrüchte und Kleegras. Letztere zwei sind wichtig für die Bodenfruchtbarkeit. Denn das ist die Herausforderung für Veganer: Wie düngt man auf pflanzlicher Basis, bringt man Stickstoff, Phosphor und Kalium in den Boden? "Es gibt Höfe, die arbeiten schon seit über 30 Jahren vegan. Das zeigt, dass es möglich ist", sagt Hausmann. Er hat sich in seiner Bachelorarbeit mit dem Thema beschäftigt und untersucht, wie sich Kleegras, das viel Stickstoff bindet, als Biomasse verwerten lässt. Am besten sei es, so lautet sein Ergebnis, wenn man das Kleegras in die Biogasanlage steckt oder es schneidet und auf andere Flächen aufträgt. Um Phosphor und Kalium in den Boden zurückzuführen, setzt Hausmann auf Kompost, den er aus Grünlandschnitten gewinnen wird. Ein weiteres Mittel ist für ihn Ackerbohnenschrot, den er zukaufen will. "Ich hoffe, dass es funktioniert", sagt Hausmann. Wolfgang Heer vom Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der TU München ist sich dessen sicher. "Das geht schon", sagt er. Der Weg sei jedoch aufwendiger. Denn der Bauer müsse auf anderem Weg erledigen, was Kuh und Schwein mit ihrem Verdauungssystem schaffen: Die Nährstoffe müssen aufgeschlossen werden, damit sie vom Boden aufgenommen werden können. Das könne auch eine Biogasanlage übernehmen. Denn der Pansen einer Kuh sei letztlich nichts anderes. Gegen die "Mitarbeit" von Wildtieren auf dem Feld haben Vegan-Bauern wie Hausmann übrigens nichts einzuwenden, im Gegenteil. Wildtiere sind für sie Basis eines lebendigen Bodens. Sie helfen, dass sich das Ökosystem selbst reguliert. "Man muss Refugien für sie schaffen", sagt Hausmann. Er hat bereits einiges getan. Neben einem Feld hat er etwa Erlen gepflanzt. Hintergedanke: Die Erle ist das Ziel der Erlen-Blattlaus. Die wiederum zieht Marienkäfer an, die sich von Läusen ernähren. Falls eine Feldkultur dann von Läusen befallen werden sollte, seien die Marienkäfer zur Stelle.

Bis zu 1,2 Millionen Veganer

Der moderne Veganismus entstand 1944, als sich in England die "Vegan Society" gründete. Genaue Zahlen, wie viele der 81 Millionen Bundesbürger sich vegan ernähren, gibt es nicht. Die Schätzungen reichen von 850.000 bis 1,2 Millionen.

Neben den bekennenden bio-veganen Betrieben gibt es noch eine ganze Reihe viehlos arbeitender Betriebe im Öko-Landbau. Diese haben sich aber aus zumeist betrieblichen oder ökonomischen Gründen dafür entschieden. Viehlos bedeutet auch nicht, dass nicht doch tierische Stoffe in den Ackerbau einfließen.

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