Sachsens Verkehrsflughäfen fliegen Millionenverlust ein

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Wegen der Coronakrise sind den Flughäfen Einnahmen in Milliardenhöhe weggebrochen. Der Bund will aber nur die größeren unterstützen: Dresden und Leipzig/Halle sind dabei.

Chemnitz.

Der Dresdner Flughafen ist so gut wie verwaist. Im Januar wurden dort laut Betreiber nur noch 2500 Passagiere abgefertigt - 97 Prozent weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Aktuell fliegt dort nur noch die Lufthansa fünf- bis sechsmal pro Woche nach Frankfurt und zurück. Vom Flughafen Leipzig/Halle starten momentan sogar überhaupt keine planmäßigen Flüge im Linien- und Touristikverkehr mehr. Der letzte reguläre Passagierflieger hob dort am 9. Dezember ab. Dabei lag der Passagierverkehr auf diesen beiden Airports auch 2020 schon am Boden: Nur insgesamt rund 920.000 Fluggäste wurden dort gezählt - ein Minus von fast 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zumindest das Frachtgeschäft brummt aber in Leipzig/Halle. 2020 hat Deutschlands zweitgrößtes Luftfrachtdrehkreuz laut Betreiber fast zwölf Prozent mehr umgeschlagen als im Jahr zuvor. Im vergangenen Monat waren es sogar 25 Prozent mehr.

Unter dem Strich dürfte die Mitteldeutsche Flughafen AG, die Leipzig/Halle und Dresden International betreibt, derzeit aber wohl Verluste einfahren. Konkrete Zahlen nennt sie auf Anfrage der "Freien Presse" zwar nicht. Sprecher Thomas Reinhold sagt aber: "Die durch die Pandemie bedingten Umsatzeinbußen werden sich im Ergebnis des Jahres 2020 deutlich niederschlagen."

Auch bundesweit ist der Himmel derzeit nahezu leer. Im Januar hat die Deutsche Flugsicherung so wenig Flugzeuge überwachen müssen wie noch in keinem Monat zuvor in ihrer Geschichte. Der Flughafenverband ADV warnt deshalb vor möglichen Pleiten: Jeder vierte der rund 180.000 direkten Arbeitsplätze an den Flughäfen sei bedroht. Den kumulierten Verlust aus diesem und dem vergangenen Jahr beziffert der Verband auf drei Milliarden Euro, die Einnahmen gingen voraussichtlich sogar um 6,2 Milliarden Euro zurück. Schon lange fordert der ADV deshalb Staatshilfen.

Bund und Länder sind sich inzwischen einig, den Flughäfen Soforthilfen zu zahlen. Der Bund will die Zahlungen aber auf die 15 größeren Airports konzentrieren. Darunter sind auch die Standorte Leipzig/Halle und Dresden. Das geht aus einem Kompromisspapier hervor, auf das sich Fachministerien und Regierungsfraktionen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag geeinigt haben.

Demnach will der Bund zwölf größere Flughäfen von verkehrspolitisch hoher Bedeutung, bei denen er nicht Eigentümer ist, mit 200 Millionen Euro bezuschussen. Konkret geht es dabei um die Erstattung von Kosten, die für das Offenhalten der Flughäfen zu Beginn der Coronapandemie entstanden sind. Voraussetzungen für die Unterstützung des Bundes ist, dass die jeweiligen Länder einen Zuschuss in gleicher Höhe leisten, für das Jahr 2020 keine Dividenden ausgeschüttet und an Geschäftsführer und Vorstände der Betreibergesellschaften keine Boni gezahlt werden. Die Länder hatten zuvor ihre generelle Bereitschaft für ein 50:50-Modell erklärt, das Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorgeschlagen hatte.

Grundsätzlich sei die Unterstützung des Bundes zu begrüßen, teilte das sächsische Finanzministerium am Freitag auf Anfrage der "Freien Presse" dazu mit. Konkrete Summen nannte die Sprecherin zwar nicht. Leipzig/Halle und Dresden International erfüllten aber alle drei Kriterien, die an diesen Bundeszuschuss geknüpft seien. "Auch die Voraussetzung, als Land ebenfalls einen Zuschuss zu zahlen, haben wir bereits erfüllt", sagte sie. Die weiteren Details seien nun zu klären. Der Freistaat ist mit mehr als 77 Prozent an den beiden Flughäfen beteiligt. Sachsen hatte bereits im Dezember rund 15 Millionen Euro an die Mitteldeutsche Flughafen AG als Zuschuss zum Ausgleich von coronabedingten Verlusten gezahlt.mit dpa

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    TWe
    14.02.2021

    Ich stelle mir seit nunmehr 20 Jahren die Frage, warum um alles in der Welt Sachsen zwei Passagierflughäfen in weniger als 150 km Entfernung braucht.

    Aufgrund der wenig weitsichtigen Ansiedlung von Unternehmen an den Flughafenstandorten ist das mit einer evtl. Schließung von einem der beiden leider auch nicht ganz so einfach. In Leipzig befindet sich das DHL-Drehkreuz und in Dresden der Standort der Elbe-Flugzeugwerke (EFW). Dummerweise haben diese mit der Frachterumrüstung trotz allgemeiner Luftfahrtkrise auch noch ganz gut zu tun.

    Die Kosten der Flughäfen resultieren ganz maßgeblich aus dem notwendigen Aufrechterhalten der Betriebsfähigkeit (z. B. für Feuerwehr, Bodenverkehrsdienste, Flugsicherung...). Zu allem Unglück lassen sich diese Kosten weder durch DHL noch EFW allein decken.

    Ich befürchte, dass uns diese beiden Millionengräber noch lange erhalten bleiben.

  • 8
    1
    Mike1969
    14.02.2021

    Die erhöhten Ausgaben spart unsere Landesregierung sicherlich an einer anderen Stelle ein. Die finden da gewiss etwas - wahrscheinlich in der Region Südwestsachsen. Die ist weit weg und nicht in den Herzen unserer Landespolitik. ... Wie wäre es stattdessen mit der Schließung des Flughafen Dresden? Diese Landesregierung bekommt doch dafür auch keine Bundesmittel mehr. Wir brauchen aber auch keine 2 Flughäfen in diesem kleinen Sachsen. Das Geld ist woanders besser investiert! Bei den Menschen!