Sexspielzeug-Entwicklern aus Sachsen geht das Geld aus

Mit einem geräuschlosen Vibrator wollte das Dresdner Start-up Laviu den Markt revolutionieren. Die Entwicklung, die von privaten Geldgebern finanziert worden war, schaffte es nicht in den Handel.

Dresden.

Nach vier Jahren Entwicklungsarbeit hat Geschäftsführerin Julia Lüpfert Insolvenz angemeldet. Laviu wird abgewickelt. "Das ist ein schmerzlicher Schritt. Alles, woran ich geglaubt habe, wofür ich die letzten vier Jahre gekämpft habe, ist zerplatzt", sagte die gebürtige Freibergerin.

Trotz großer Unterstützung war es nicht gelungen, das Produkt zu ausreichender Marktreife zu bringen. Ohne die geplante Weiterführung sei das Unternehmen jedoch zahlungsunfähig.

Im Oktober 2015 als Unternehmen gestartet, wollte Laviu mit einem geräuschlosen Vibrator den Markt für Sexspielzeug revolutionieren. Das handelsübliche ist größtenteils störend laut, kritisierten Kundinnen und Kunden bei einer Umfrage. Die studierte Materialwirtschaftlerin Lüpfert und der Designer Martin Cirillo-Schmidt nutzten eine Technik aus der Luft- und Raumfahrt. Die Idee dazu hatten die beiden Gründer bei einem Studienprojekt des Fraunhofer-Instituts.

Das Sexspielzeug besteht im Inneren aus sogenannten intelligenten Werkstoffen. Sie sind steuerbar und besitzen außergewöhnliche mechanische Eigenschaften. Bei Laviu funktioniert das so: Die Elektronik gibt einen Impuls an das Material ab, das zu schwingen beginnt. 2016 belegte das Produkt beim sächsischen Gründerwettbewerb Future Sax den dritten Platz. Das motivierte die Gründer.

Ziel war es, eine ganze Markenwelt aufzubauen. Fördergelder gab es damals in dieser wichtigen Phase allerdings nicht: "Falsche Branche, wurde uns gesagt", meinte Cirillo-Schmidt. Zunächst investierten beide eigenes Geld. Mit den ersten Prototypen wurden Investoren gewonnen. Weiteres Geld spülte eine Crowdfunding-Kampagne ein. Bei der sogenannten Schwarmfinanzierung wurden die gewünschten 20.000 Euro innerhalb kurzer Zeit eingeworben. Im Gegenzug sollten die Teilnehmer den ersten Vibrator zu Sonderkonditionen erhalten. Mit den eingeworbenen Geldern sollte das Produkt bis zur Serienreife entwickelt werden und als Laviu One im Frühjahr 2017 - zunächst nur online - in den Handel kommen.

Doch das ist nicht gelungen. Das Produkt ist nach Ansicht der Gründer mit den entwickelten Verfahren und Werkzeugen an sich herstellbar. Es entspricht jedoch nicht den Ansprüchen an ein markttaugliches Produkt. "Eine Verbesserung ist kurzfristig und ohne weitere finanzielle Mittel nicht möglich", teilten sie mit. Mittlerweile ist das Geld der Investoren verbraucht. Intensive Verhandlungen für weiteres Kapital scheiterten.

Der Insolvenzverwalter entscheidet nun unter anderem auch darüber, ob und wie die Geldgeber beim Crowdfunding entschädigt werden können. "Ich hoffe trotzdem, dass immer wieder an die Ideen von jungen Menschen geglaubt wird, denn sie können die Welt verändern", wünscht sich Lüpfert. Derzeit ist sie vollständig in das Insolvenzverfahren eingebunden und hat noch keine neuen Pläne. Ihr Gründerherz schlägt aber weiter: "In den Jahren bei Laviu habe ich unendlich viel lernen können. Diese Erfahrungen möchte ich mit weiteren Gründern teilen."

So wie Julia Lüpfert und Martin Cirillo-Schmidt geht es vielen Unternehmensgründern. Experten schätzen, dass nur eines von zehn Start-ups erfolgreich wird. Mehr als 80 Prozent scheitern innerhalb von drei Jahren, einige Zahlen gehen auch von 90 Prozent aus. Laut Deutschem Start-up-Monitor ist ein Drittel der Gründer zuvor schon einmal gescheitert. Doch zwei von dreien würden sich erneut dieser Herausforderung stellen.

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