Vom Bibelkreis zur eigenen Softwarefirma

Im neuen Chemnitzer Gründerzentrum Q-Hub haben die ersten Start-ups mit ihrer Arbeit begonnen. Das Team von "encore.io" hat sich für dieses Jahr schon einige Ziele gesetzt.

Chemnitz.

Bei einem evangelischen Bibelkreis, in dem junge Leute das Verhältnis von Christentum und Wissenschaften diskutierten, wurde die Grundlage für das Chemnitzer Start-up "encore.io" gelegt. "Dort haben wir uns kennengelernt und später entschlossen, ein Unternehmen zu gründen", erzählt der Leipziger Willi Linke, der an der Technischen Universität Chemnitz sein Masterstudium in Wirtschaftsinformatik absolviert hat.

Zusammen mit dem Diplom-Informatiker Tobias Wenzel und Martin Stolz, Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik, arbeitet der 29-Jährige mit Hochdruck an der Entwicklung unterschiedlicher Apps und Software, mit denen Unternehmen und ihren Mitarbeitern der Zugriff auf ihre Datenbasis erleichtert werden soll. "Wir wollen eine geeignete Infrastruktur für datengetriebene Unternehmen aufbauen", erklärt Linke das Ziel der Entwicklungsarbeit. Über die intelligente Softwarelösung soll es möglichst einfach sein, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und zu analysieren sowie die Datenqualität zu beurteilen. Noch gibt es keinen explizit ausgemachten Zielmarkt für ihre Produkte, doch Linke sieht gute Chancen in den Bereichen Logistik, E-Commerce und anderen Start-up-Unternehmen.

Das Encore-Team hat sich sorgfältig auf das Start-up-Vorhaben vorbereitet. So haben sie im vergangenen Jahr ein US-Ausbildungsprogramm für Start-ups in San Francisco absolviert und sich im Silicon Valley coachen lassen. Auch die Finanzierung ihrer Entwicklungsarbeit ist über einen EU-Existenzgründerfonds und Fördermittel des Freistaates Sachsen bis zum Jahresende gesichert. Im Sommer sollen über ein Fundraising-Projekt weitere Mittel eingeworben werden. Ziel ist es, noch zwei, drei Leute mehr für die Programmierarbeit bei "encore.io" zu gewinnen. "Im Sommer wollen wir dann auch eine GmbH gründen", sagt Linke.

Das Encore-Team gehört zu den ersten Start-ups, die sich im Gründerzentrum Q-Hub angesiedelt haben. Über das Gründernetzwerk der TU Chemnitz "Saxeed" hatten die drei Frank Theeg kennengelernt, der zusammen mit dem Chemnitzer Juniorprofessor Mario Geißler das Q-Hub im Juni vergangenen Jahres aus der Taufe gehoben hatte. Inzwischen arbeiten im Q-Hub vier Start-up-Teams und drei Freelancer an ihren innovativen Geschäftsideen. "Der Austausch mit anderen Start-ups mit ähnlichen Problemen gehört zu den Vorteilen des Q-Hub", meint Linke.

Das Q-Hub soll aber nicht nur dafür da sein, jungen Gründern mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten eine gut ausgestattete Arbeitsumgebung zu ermöglichen; es soll auch ein Ort sein, an dem Start-ups und etablierte Unternehmen zusammentreffen. "Für Unternehmen bietet das Q-Hub gute Möglichkeiten, eine Projektgruppe mal außerhalb der eigenen Firma in einer kreativen Umgebung arbeiten zu lassen", erklärt Mario Geißler das Konzept des Q-Hub.

Erste Anfragen von Unternehmen gebe es bereits. Zudem sollen durch regelmäßige Veranstaltungen und Workshops immer wieder etablierte Unternehmer aus der mittelständischen Industrie und junge Gründer zusammengebracht werden. "Gerade in der Zeit der Digitalisierung ist es wichtig, neue Methoden in den Mittelstand einzubringen", sagt der Juniorprofesssor und Q-Hub-Geschäftsführer.

Geißler ist Inhaber des Lehrstuhls "Entrepeneurship in Gründung und Nachfolge" an der TU Chemnitz. Nach einer Studie über das Start-up-Ökosystem in Sachsen 2017, bei der deutlich wurde, dass Chemnitz bei der Gründerszene hinter Leipzig und Dresden hinterherhinkt, hatte er nach einem Weg gesucht, das zu ändern. Zusammen mit Frank Theeg, Geschäftsführer der E-dox GmbH, hatte Geißler dann das Gründerzentrum aufgebaut. Theeg, der selbst als sogenannter Business Angel Start-ups unterstützt, nutzt sein internationales Netzwerk, um die Start-up-Szene in Chemnitz aufzubauen.

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