VW fordert von Zulieferern in Sachsen mehr Flexibilität

Der Umbau des größten Autoherstellers zu einem Anbieter von Elektrofahrzeugen verunsichert viele Lieferanten. Der Konzern versucht, die Gemüter zu beruhigen.

Chemnitz.

In Zwickau liegt der Umbau des Fahrzeugwerks von Volkswagen Sachsen zum größten Produktionsstandort für E-Mobilität in Europa voll im Zeitplan. Ende 2019 sollen die ersten Serienfahrzeuge des ID.3 vom Band rollen. Rechnet man die Pläne von VW, BMW und Porsche im Autoland Sachsen zusammen, werden ab 2025 rund 850.000 Autos pro Jahr im Freistaat produziert, 40 bis 45 Prozent davon werden Elektroautos sein.

"Wir stehen stark da als Automobilland", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer am Mittwoch vor rund 150 Vertretern der Zulieferbranche in Chemnitz. Der CDU-Politiker hatte Stefan Sommer, den Vorstand von VW für Beschaffung, eingeladen, um gemeinsam mit ihm über die Zukunft der Zulieferindustrie in Sachsen zu diskutieren. Denn bei der Transformation zum E-Auto wird es Verlierer, aber auch Gewinner geben. "Wir wollen, dass die regionalen Lieferanten unseren Weg mitgehen, wir wollen uns nicht in aller Welt versorgen", versicherte Sommer und versprach einen "offenen Dialog" über die Transformation der Automobilindustrie, um trotz der Nöte im Tagesgeschäft weiter in die Zukunft zu schauen.

Sommer, der noch 2017 selbst an der Spitze eines Zulieferers, des Getriebehersellers ZF Friedrichshafen AG, gestanden hatte, warnte die Lieferanten davor, dass es künftig wegen der Komplexität der Märkte stärkere Auftragsschwankungen geben werde. "Die Zulieferer müssen flexibler werden. Wir müssen bei Volumenschwankungen besser zusammen reagieren", sagte der VW-Vorstand vor dem Hintergrund, dass es zuletzt wegen fehlender Motorenkomponenten zu Produktionsausfällen in einigen VW-Werken gekommen war. "Wir versuchen, die Volatilität zu dämpfen, können die Schwankungen aber nicht vermeiden", sagte Sommer.

Er empfahl den Zulieferern stärker über neue Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeitkonten und andere Maßnahmen nachzudenken, um die Produktionskapazität flexibel zu gestalten. "Wir schaffen es nur, wenn wir zusammen die beste Produkte, verbunden mit Kostenexzellenz, an den Kunden bringen", sagte der VW-Vorstand.

Der 56-jährige Manager arbeitet seit September 2018 als oberster Einkäufer des Volkswagen-Konzerns. Zu Sommers Vorstandsressort gehört auch die neue Konzernsparte Komponente, die weltweit die 61 internen Zulieferwerke des Konzerns mit rund 80.000 Mitarbeitern bündelt. Mit einem Geschäftsvolumen von rund 35 Milliarden Euro zählt die Komponentensparte nach Angaben von Volkswagen zu den Top 5 unter den international aufgestellten Zulieferunternehmen. Auch die am Dienstag von VW angekündigte Batteriezellenfertigung in Salzgitter wird zu Sommers Sparte gehören.

Ministerpräsident Kretschmer sprach im Anschluss der Diskussion mit den Zulieferern von einem "offenen Dialog auf Augenhöhe". Die Vermeidung von Kohlendioxid auch mit Hilfe der Elektromobilität sei ein globaler Trend, dessen Chancen auch die sächsischen Zulieferer erkennen und wahrnehmen müssten, meint er. Gleichzeitig kritisierte Kretschmer die Praxis in der Automobilindustrie, Eintrittsgelder für Aufträge einzufordern. "Diese Praxis ist eine Gefahr für unseren Mittelstand, während chinesische Staatsunternehmen das leicht verkraften können, um in den Markt einzudringen", sagte der sächsische Ministerpräsident.

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