Was Gründer beherzigen sollten

Bookingkit ist bereits die siebente Firma, die ein 29-Jähriger gegründet hat. Sein Rat an alle in der Region, die ihr eigener Chef werden wollen: "Geht einfach raus und macht."

Chemnitz.

Während andere Teenager ihren 18. Geburtstag herbeisehnen, weil sie dann bis nach 24 Uhr ausgehen dürfen, wollte Lukas Hempel nur eines: endlich eine eigene Firma gründen. Noch am selben Tag ging er zum Gewerbeamt.

Einige Vorkenntnisse brachte er mit. Programmieren hatte er sich selbst beigebracht, in seinem Dresdner Gymnasium hatte er sich bei einer Schülerfirma engagiert. Seine erste eigene Firma war dann ein Hosting-Service - Kunden konnten bei ihm Speicherplatz auf Servern für ihre Internetaktivitäten mieten. Die Idee dazu hatte Hempel, weil er sich als passionierter Gamer über hohe Servernutzungspreise geärgert hatte. Seine Faustformel für Gründer lautet daher: "Würde ich das, was ich anbieten will, auch selber von mir kaufen oder kann ich ein Problem lösen, das andere auch haben?" Wenn Ja, "geht einfach raus und macht", sagt er. Um sein eigenes sogar weltweites Business aufzuziehen, reichen heute schon ein Laptop und ein bisschen Englisch. Dabei gelte: Lieber mal eine Spur zu schnell sein, als eine Chance verpassen. "Und wenn das schnell scheitert, egal. Scheitern gehört zum Gründen dazu. Dann kann man die nächste Idee ausprobieren. Macht das aber am besten noch als Student, denn dann wird man ja nicht gleich arbeitslos." Aus seiner zweiten Firmengründung - der Produktion und dem Verkauf von Touchscreen-fähigen Winterhandschuhen, die es in den USA schon gab, aber nicht in Europa - leitet Hempel eine weitere Regel ab: "Finde ohne großen Aufwand heraus, ob Deine Idee funktioniert." Damals investierte er gemeinsam mit einem Partner 2000 Euro in diese Handschuhe, bot sie auf Amazon an und schaute, was passiert. "Man braucht also am Anfang nicht mal viel Geld", sagt er. "Wenn es einen Markt für dein Produkt gibt, kannst du es später immer noch in deinem eigenen Webstore verkaufen."

Die nächsten Firmengründungen lehrten Hempel zudem: "Ich würde das niemals wieder alleine machen, sondern ich würde mir ein Team mit Kompetenzen suchen, die meine ergänzen."

Seine heutige Berliner Firma Bookingkit hat Hempel nach BWL-Studium in Münster und Masterprogramm Finance an der TU Chemnitz 2014 gemeinsam mit einem Partner gegründet. Ihre Idee: Angebote für Freizeitaktivitäten aller Art genauso wie Flüge und Übernachtungen für jeden online buchbar und leicht verwaltbar machen. 100 Mitarbeiter und mehr als 5000 Kunden hat die Firma inzwischen. Mit knapp zehn Millionen Euro haben sich Investoren schon an ihr beteiligt.

"Auf dem Weg dorthin habe ich aber auch Dinge richtig schön in den Sand gesetzt", sagt Hempel. So habe ihm das Finanzamt zum Beispiel erst das Prinzip der Umsatzsteuer erklären müssen. Auch wenn er bei Investoren frisches Geld einwerben müsse, gerate er jedes Mal erneut ins Schwitzen. "Wenn Du da kein neues Kapital kriegst, bist Du schnell in der Insolvenz - und 100 Mitarbeiter sind arbeitslos. Aber ich habe durch diese Achterbahnfahrten auch viel schneller dazugelernt."

Tom Petzold, einer der Gründer der Boulderlounge, teilt diese Erfahrung. Er und seine Mitstreiter wurden 2010 aus Freude am Klettern zu Unternehmern, weil es damals in Chemnitz dafür noch keine Halle gab. Eigentlich hatten sie nur für sich einen Trainingsort schaffen wollen, aber dann rannten ihnen die Kunden die Türen ein. Damit stiegen aber auch die Ansprüche, sodass sie lernten, Wände und Elemente zu modellieren. Das sprach sich herum. Inzwischen sind sie nicht nur an Hallen in Frankfurt am Main oder in Australien beteiligt. Sie haben auch weitere Indoor-Paradiese gebaut, sind zu einem der weltweit führenden Produzenten und Anbieter von Volumenelementen, Griffen und Boulderwänden aufgestiegen und haben in Chemnitz eine neue Boulderlounge erschaffen.

Petzold würde alle Tipps Hempels sofort unterschreiben. Boulderlounge-Finanzchef Kevin Tost rät aber zudem: "Besorge dir Geld, wenn du es - noch - nicht brauchst. Und nutze all die externe Unterstützung, die du nur finden kannst."

Unterstützung bietet das Gründernetzwerk Saxeed. www.saxeed.net

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