Wenn der Traktor künftig von alleine fährt

Der Freistaat Sachsen schafft ein neues Netzwerk, um digitale Lösungen in der Landwirtschaft voranzutreiben. Was steckt dahinter?

Dresden.

Selbstfahrende Großmaschinen. Ein Roboter, der Obstbäume mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Diesen Visionen der digitalen Landwirtschaft will Sachsen künftig eine Heimat bieten. Aktuelle Forschungen auf dem Gebiet sollen im Freistaat in den nächsten Jahren erprobt und erarbeitet werden. Ein entsprechendes Netzwerk hat am Dienstag in Dresden seine Arbeit aufgenommen. Neben der Technischen Universität Dresden und verschiedenen Fraunhofer Instituten wird sich auch die Industrie daran beteiligen. Mit dem Unternehmen John Deere ist sogar der Weltmarktführer im Bereich Landtechnik vertreten.

Das Unternehmen habe festgestellt, dass Sachsen eine Region sei, die die digitale Landwirtschaft wirklich versuchen wolle, sagt Peter Pickel, stellvertretender Direktor des deutschen John-Deere-Zweigs: "Das macht die Sache für uns hochgradig attraktiv." Und auch Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) findet lobende Worte: Man wolle mit Hilfe des Netzwerkes "den Wandel des ländlichen Raums aktiv mitgestalten".

Dass Sachsen dabei auch auf die Digitalisierung setzt, ist nachvollziehbar. Der Einsatz digitaler Technik ist in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Neue Landmaschinen erheben, falls gewünscht, bei ihrer Arbeit einen Großteil an Daten. Sie werden auf einen Server hochgeladen, damit sie der Landwirt später analysieren kann. Auch bei der Feldarbeit kann die Technik helfen. Nicht mehr der Traktorfahrer muss dann kontrollieren, wie viel Saatgut pro Quadratmeter ausgebracht wird. Stattdessen kann dies die Maschine selbstständig während der Fahrt steuern. Und in der Tierhaltung unterstützen Computer die Bauern, indem sie in Ställen automatisch die Gesundheitsdaten der einzelnen Tiere erfassen.

Die Branche verschließt sich dem Wandel nicht. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) fand bei einer Studie vor zwei Jahren heraus, dass bereits 39 Prozent der Landwirte oder von ihnen genutzter Dienstleister mit Landmaschinen arbeiten, bei denen die Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenpflege und Ernte digital erfolgen. Mehr als jeder zweite Landwirt nutzt generell digitale Lösungen.

Rund 8,6 Millionen Euro investiert Sachsen 2019 und 2020 in das neue Netzwerk. Neben der digitalen Landwirtschaft sollen die Mittel unter anderem neuen Umwelttechnologien und Lösungen im Bereich des Natur- und Klimaschutzes zugute kommen. Zudem soll das Netzwerk mit dem künftigen Mobilfunkstandard 5G experimentieren. Gerade bei der Digitalisierung der Landmaschinen spiele der neue Standard eine große Rolle, sagt John-Deere-Vertreter Peter Pickel. Die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte dagegen behauptet, dass 5G nicht "an jeder Milchkanne" notwendig sei. Sachsen will nun quasi den Gegenbeweis antreten.

Die ersten Projekte, die in Sachsen erprobt werden sollen, sind bereits angelaufen. Staatsbetriebe wie das landeseigene Versuchsgut Köllitsch (Landkreis Nordsachsen) und das Landwirtschafts- und Umweltzentrum in Nossen sollen einbezogen werden. Zudem bindet das Netzwerk die Obstland Dürrweitzschen AG, den Weinbau in Meißen und die Region Lommatzscher Pflege, die sich selbst als "Kornkammer Sachsens" vermarktet, ein. Seine Vision sei, sagt Minister Schmidt, dass es in einigen Jahren in allen sächsischen Regionen digitale und innovative Modellprojekte gebe.

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