«Wichtiges Signal»: Bombardier-Testcenter in Bautzen

Bombardier will den ostsächsischen Standort mit Millioneninvestitionen weltweit zum Aushängeschild für Industrie 4.0 machen. Deutschlandchef Fohrer äußert sich auch zur Frage, ob es neue Sparpläne gebe.

Bautzen (dpa) - Der kanadische Schienenfahrzeugbauer Bombardier hat am Standort Bautzen nach gut anderthalb Jahren Bauzeit ein digitales Testcenter für rund 16,7 Millionen Euro in Betrieb genommen. Ausgestattet mit innovativer Technologie sei Bautzen nun der modernste Standort von Bombardier weltweit, sagte Deutschlandchef Michael Fohrer am Mittwoch bei der Eröffnung. «Was wir hier haben, setzt Maßstabe für die Bahnindustrie und für Bombardier.»

In dem neuen Testcenter sollen künftig 50 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb Regional- und Fernverkehrszüge sowie S- und U-Bahnen prüfen. Dafür werden die Wagen auf Herz und Nieren getestet. Dies soll künftig schneller und flexibler als bisher geschehen, so Werkleiter Olaf Schmiedel. Unter anderem werden die Wagen in einer automatischen Berieselungsanlage, die aussieht wie eine übergroße Waschstraße, auf ihre Dichtheit untersucht. Das Testcenter ist auch mit einem System zur Gewichtsanalyse und einem Prüfgleis ausgestattet.

Der Bautzener Landtagsabgeordnete Marko Schiemann (CDU) sprach von einem «wichtigen Signal» für die Region und vor allem für junge Menschen, die bei dem größten Arbeitgeber der Region Aussichten auf einen Job hätten.

Insgesamt investiert Bombardier eigenen Angaben zufolge rund 30 Millionen Euro in die digitale Industrieproduktion in Bautzen. Neben dem Testcenter ist das Geld auch in eine neue Produktionshalle geflossen. Rund 1100 Beschäftigte arbeiten derzeit bei Bombardier in Bautzen. Deutschlandchef Fohrer gab sich für die Zukunft optimistisch. 2020 sollen rund 600 Wagen gebaut werden, unter anderem für die Dresdner Verkehrsbetriebe und die Deutsche Bahn.

Wenn neue Aufträge hinzukommen, könnten zusätzlich Mitarbeiter eingestellt werden, stellte Fohrer in Aussicht. Bombardier will dann vor allem Mitarbeitern aus dem Görlitzer Werk eine Chance geben. Dessen Zukunft stand vor drei Jahren auf der Kippe, als der kanadische Konzern Umstrukturierungen mit der Streichung von weltweit 7500 Stellen ankündigte. Bombardier bekenne sich zum Görlitzer Werk, betonte Fohrer am Mittwoch. Der ostsächsische Standort soll zum Wagenkastenzentrum für Aluminium und Stahl ausgebaut werden.

In diesem Jahr hat Bombardier eine Million Euro in Görlitz investiert, fünf Millionen Euro sollen es 2020 sein. Ursprünglich war allerdings von acht Millionen Euro die Rede. Laut Fohrer will Bombardier an der 2018 zwar angekündigten Standardisierung und Spezialisierung der deutschen Werke festhalten. «Es gibt aber keine weiteren Sparpläne», sagte Fohrer.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobte das Engagement für die Region - und mahnte zugleich: «Wir wünschen uns, dass die 170-jährige Tradition fortgeht.» Zugleich forderte er den Bund auf, für einen schnellen Ausbau von Straßen und Bahn zu sorgen. Ohne Unterstützung sei der Strukturwandel durch den Kohleausstieg nicht zu schaffen, so Kretschmer.

Das Bautzener Bombardier-Werk, an dem das rund 6600 Quadratmeter große Testcenter angesiedelt ist, wird derzeit zu einem Kompetenzzentrum für den Innenausbau von Fernverkehrs- und Regionalzügen sowie von S-, U- und Straßenbahnen ausgebaut. Der größte deutsche Bombardier-Standort liegt in Hennigsdorf bei Berlin.

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