Gefährliche Keime in Lebensmitteln

Lebensmittelkontrolleure stellten zuletzt 120.000 Verstöße fest. Besonders betroffen sind Geflügel, Leber und Frischmilch.

Bei den Lebensmittelkontrollen im vergangenem Jahr fiel die Hähnchenmast negativ auf. In drei von vier Proben an der Halshaut des Schlachtgeflügels fanden die Prüfer den Krankheitserreger Campylobacter. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. "Campylobacter ist der Erreger der mittlerweile häufigsten Durchfallerkrankung in Deutschland", sagte Prädident Helmut Tschiersky. In jeder vierten Probe war die Zahl der Keime sogar höher, als nach einer ab 2018 geltenden europäischen Regelung erlaubt ist.

Dagegen ist der Salmonellenbefall der Hähnchen noch weiter gesunken, auf weniger als fünf Prozent der entnommenen Proben. "Beide Erreger sind nicht hitzeresistent", rät das BVL, "Verbraucher sollten Hähnchenfleisch deshalb nur gut durchgegart verzehren." Einen auffallenden Befund ermittelten die Kontrolleure bei der Suche nach antibiotikaresistenten Keimen im Geflügel. Hier schnitten die Ökobetriebe deutlich besser ab als die konventionellen Züchter. Das Amt vermutet, dass die Biobauern ihre Tiere weniger mit Arzneien behandeln.

Überraschend fielen den Kontrolleuren auch Leberprodukte auf. Leberwurst, -pastete oder gar eine Scheibe gebratene Leber enthalten so viel Vitamin A, dass der Tagesbedarf schon mit geringen Mengen weitgehend gedeckt ist. Wird davon zu viel gegessen, können Leberschäden oder Fehlbildungen bei Embryos die Folge sein, warnt das BVL. Auch Kleinkinder sollten leberhaltige Produkte nur zurückhaltend konsumieren. Untersucht hat das BVL auch den Dioxingehalt der tierischen Leber. Insbesondere bei Schafen wurden die Lebensmittelkontrolleure zum wiederholten Male fündig. Daher rät das BVL vom Verzehr von Schafsleber generell ab.

Probleme mit der Lebensmittelsicherheit gibt es auch in anderen Bereichen. So beobachten die Kontrolleure der Länder den Trend zum Kauf von Rohmilch direkt beim Bauern. "Die Milchpreise sind unter Druck", berichtet Stephan Koch, Vorsitzender der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz. "Deshalb versuchen die Landwirte, neue Erlöse zu generieren". In Hofläden finden sich Milchtankstellen, an denen sich die Konsumenten Rohmilch direkt abfüllen können. Das Problem: Jede fünfte Probe der staatlichen Prüfer brachte eine zu hohe Keimbelastung an den Tag. In einigen Fällen enthielt die Rohmilch Krankheitserreger wie Listerien. Deshalb muss an den Milchtankstellen auch der Hinweis angebracht werden, dass die Milch vor dem Verzehr abgekocht werden soll. Dadurch lässt sich das Risiko einer Erkrankung laut BVL minimieren.

Zu den Aufgaben der Behörde gehört auch die Kontrolle von Gegenständen, mit denen Menschen in Berührung kommen, etwa Spielzeug. Auch hier sind die Ämter im vergangenen Jahr wieder fündig geworden. Metallspielzeug gibt in vielen Fällen zu viel Nickel ab. Jede fünfte Probe lag über dem Grenzwert. Bei einem Modellbaukasten wurde sogar ein Nickelanteil gemessen, der den Grenzwert um das 200-fache überschritt. Nickel kann allergische Reaktionen auslösen und bei empfindlichen Menschen zu Juckreiz, Hautrötungen und Ausschlag führen. Davon sind nach Angaben des Bundesamts etwa zehn Prozent aller Kinder betroffen.

Die Zahl der Lebensmittelkontrollen ist im vergangenen Jahr stabil geblieben. Von den 1,2 Millionen Betrieben der Branche wurden knapp 520.000 kontrolliert. Rund 120.000 Mal stellten Prüfer Verstöße fest, meist gegen hygienische Vorgaben oder die Kennzeichnung. (mit dpa)

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