Eine alte Birnensorte kehrt nach Sachsen zurück

In Bad Muskau wurde jetzt die sächsische Obstsorte des Jahres gekürt. Sie lässt sich jetzt auch im eigenen Garten pflanzen.

Sie war mehr als 50 Jahre so gut wie verschwunden. Doch jetzt taucht die Birne namens Minister Doktor Lucius in Sachsens Baumschulen und Gärten wieder auf. Pomologen - Obstbaumfachleute - haben sie wiederentdeckt und zur sächsischen Obstsorte des Jahres gekürt. "Süß-säuerlich, saftig, schmelzend", so beschreibt der Chemnitzer Manfred Schrambke von Sachsens Pomologen-Verein den Geschmack des bis in den Oktober reifenden Obstes. Allerdings sei die gelbfleischige Frucht kein Lagerobst, sondern maximal bis Dezember haltbar.

Schrambke sieht darin einen Grund, warum die Birne in der DDR ab den 1960er Jahren nicht mehr angebaut wurde. Damals hätte man bei Äpfeln und Birnen Sorten bevorzugt, die sich lange lagern ließen. Jetzt besinnen sich die Sachsen auch wieder auf die anderen Eigenschaften der Frucht.

Sie waren nämlich die Ersten, die einst in Gruna unweit von Rötha bei Leipzig die Birnensorte aus Samen gezogen haben. Die Baumschule Späth in Berlin hat sie dann 1884 benannt und in den Handel gebracht, in Sachsen und Brandenburg. Möglicherweise war diese Verbreitung im Nachbarbundesland ausschlaggebend für die Benennung. Denn Namensgeber war kein Sachse, sondern ein preußischer Minister - Robert Lucius von Ballhausen, damals zuständig für die Landwirtschaft.

Jetzt kommt der Preuße wieder zu Ehren, denn die Birne soll bald Streuobstwiesen und Gärten Sachsens bereichern. Vergangenen Freitag wurde ein Baum anlässlich der Mitteleuropäischen Pomologentage im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau gepflanzt.

Noch gibt es die Birne an nur wenigen Stellen in Sachsen, aber acht Baumschulen bieten sie ab sofort zum Kauf an. Dazu gehört die Baumschule von Familie Schwartz in Löbau. Zwei Bäume stehen auf ihrem Grundstück. Die ersten Früchte erntet Seniorchef Klaus Schwartz in diesen Wochen. Für seine Kunden hat er Bäume veredelt. "Die eigentlich sehr großen Früchte sind allerdings wegen der Hitze und der anhaltenden Trockenheit in den vergangenen Monaten sehr klein und etwas eher reif", sagt Baumschulen-Seniorchef Schwartz.

Der Pomologe und studierte Gartenbauingenieur hat sich dem Erhalt regionaler Obstsorten verschrieben. Auf seinem Grundstück wachsen auch die anderen sächsischen Obstsorten des Jahres: Gelbe Sächsische Renette (2016), Safranapfel (2017), Maibiers Parmäne (2018) und neben der Ministerbirne auch der Kleine Herrenapfel, der als erste Obstsorte 2019 ausgewählt wurde. Insgesamt pflegt Schwartz mehr als 80 Birnen- und 500 Apfelsorten.

Die Minister-Birne stelle zwar keine Ansprüche an den Boden, würde aber auf nährstoffreicher Erde, in windgeschützen Lagen besonders gut gedeihen, sagt der Fachmann.

Die Sorte sei unempfindlich gegenüber Schädlingen. Und sie eignet sich laut Schwartz zum Rohverzehr ebenso gut wie als Kompott und Saft. Weitere Bäume finden sich bei der Oberlausitz-Stiftung in Ostritz. Die Stiftung unter Leitung von Michael Schlitt widmet sich seit 13 Jahren dem Erhalt alter Obstsorten. Auf einigen Hektar stehen dort etwa 600 Bäume von 400 verschiedenen Obstsorten. Früchte würde seine Lucius-Birne allerdings noch nicht tragen. Der Baum der alten Birnensorte findet sich auch in der Pillnitzer Genbank-Sammlung des Julius-Kühn-Instituts. "Bei uns", so Sprecherin Stefanie Hahn, "werden Eigenschaften wie Krankheitsresistenz erforscht. Allerdings sind die Bäume dort nur am jährlichen Pillnitzer Apfeltag öffentlich zugänglich. Der nächste ist am 12. Oktober.


Hier gibt es die Lucius-Birne 

Baumschule Alexander Klein, Halsbrücke, OT Hetzdorf;

Baumschule Winkler, Priestewitz, Porschützer Weg 1;

J. Laube Rosen- und Baumschule Dresden, Ockerwitzer Dorfstraße 3;

Baumschule Frank Neumann, Rosenbach, OT Bischdorf, Siedlung 19;

Baumschule Schwartz GbR, Löbau, Richard-Müller-Straße 80a;

Baumschule Tamme, Meißen, Radeburger Straße 7;

Baum- und Rosenschule Müller und Sohn, Oschatz, Berufsschulstraße 7;

Baumschule Georg Frank, Markranstädt, Lützner Straße 88.

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