Eine feuchtfröhliche Party der deutschen Speerwerfer

Die deutschen Speerwerfer wissen nach Gold und Silber zu feiern, aber auch, wo die Erfolge herkommen. Besonders Thomas Röhler dankt seinem Trainer, der eine schwere Zeit hinter sich hat.

Berlin.

Als Thomas Röhler und Andreas Hofmann die Magnumflaschen Sekt überreicht bekamen, gingen einige der Gäste, die der kleinen Bühne im deutschen EM-Klub am nächsten standen, vorsichtshalber in Deckung. Den beiden glücklichen Speerwurfrecken war an diesem Abend alles zuzutrauen. Am Ende blieben die Flaschen aber zu, gefeiert wurde Gold und Silber trotzdem feuchtfröhlich: "Der Teamarzt hat uns gesagt, dass wir auf die Elek- trolyte achten sollen", hat Thomas Röhler bereits kurz nach dem famosen Wettkampf grinsend gesagt.

Der 26-Jährige aus Jena, der vor Freude über seinen Sieg spontan ein Bad im Wassergraben der Hindernisstrecke nahm, und sein gleichaltriger Freund und Konkurrent aus Mannheim hatten allen Grund zum Feiern. Der Thüringer stand nach dem Olympiasieg 2016 in Rio de Janeiro bei einem internationalen Championat wieder ganz oben. Im Vorjahr bei der WM in London musste er noch mit Platz vier vorliebnehmen. Vergleichen wollte Thomas Röhler seine beiden größten Erfolge nicht, sagte aber: "Das ist wahrscheinlich die emotionalste Europameisterschaft, die ich in meiner Karriere erleben werde. Deshalb lehne ich diese Medaille sehr nahe an den Olympiasieg an."

Der Techniker und Perfektionist unter den deutschen Speerwerfern, der im Training schon mal Drohnen als Hilfsmittel einsetzt, arbeitet seit vielen Jahren mit Trainer Harro Schwuchow zusammen. Und daran, dass der Hobbyangler seinen langjährigen Coach schätzt und ihm vertraut, ließ er keinen Zweifel. "Wir beide können gut einschätzen, was wir letztes Jahr durchgemacht und zu was wir es gebracht haben. Deshalb möchte ich meinem Trainer einen Riesendank aussprechen. Er hat einen Plan", sagte Thomas Röhler, der sich dabei nicht nur auf den EM- Titel bezog. Bei Harro Schwuchow wurde nach Olympia 2016 Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Inzwischen befindet sich der 59-Jährige nach mehreren Operationen und Bestrahlungen jedoch auf dem Weg der Besserung.

Ein Wettkampf wie am Donnerstagabend im Olympiastadion dürfte dem Wohlbefinden des Trainers auf alle Fälle zuträglich gewesen sein. Auf starke 89,47 Meter warf Thomas Röhler den Speer und meinte: "Heute habe ich gewonnen, weil ich fokussiert geblieben bin. Ich wollte einfach nur technisch korrekt und präzise werfen, und so sind die Speere auch geflogen." Andreas Hofmann, mit 1,95 Meter und 95 Kilogramm eher der athletische Typ, kam ihm mit 87,60 Metern am nächsten. London-Weltmeister Johannes Vetter (Offenburg) konnte diesmal nicht ganz mithalten. Leicht gehandicapt durch eine Bänderverletzung, kam der gebürtige Dresdner mit 83,27 Metern auf Rang fünf ein und haderte etwas mit sich.

Währenddessen lagen sich die beiden Sportstudenten Thomas Röhler und Andreas Hofmann glücklich in den Armen. "Endlich eine Medaille bei einem internationalen Großereignis. Es ist ein Traum", sagte der Zweitplatzierte und verdrückte ein paar Freudentränen. Dieses Edelmetall hatte ihm als einzigen aus dem Trio noch gefehlt. Und man darf jetzt schon gespannt sein, wer von den "drei Musketieren" bei der WM 2019 in Doha auf dem Treppchen stehen wird. Freiwillig wird keiner verzichten.

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