Formel 1 nur noch im Hinterkopf, den GT-Masters-Titel im Visier

Marvin Kirchhöfer startet ab Mittwoch beim ADAC-GT-Masters-Wochenende auf dem Sachsenring. Der Leipziger rechnet sich noch Chancen auf die Meisterschaft aus. Kritisch sieht er Elektrofahrzeuge im Motorsport.

Hohenstein-Ernstthal.

Kein sächsischer Motorsportler war in der jüngeren Vergangenheit näher an der Formel 1 dran als Marvin Kirchhöfer. 2015 wurde der Leipziger in der Nachwuchsserie GP3 am Ende des Jahres Dritter, es folgte der Aufstieg in die GP2 - die letzte Stufe im Formelsport vor der Königsklasse. Doch genau diese konnte Kirchhöfer nicht nehmen. "Natürlich lebt der Traum immer noch, aber nur noch in der hintersten Ecke des Hinterkopfes", sagt der 24-Jährige. Wehmut klingt er dabei nicht. "Ich glaube kaum, dass ich mich noch mit der Formel 1 beschäftigen brauche. Ich fokussiere mich voll und ganz auf den GT-Sport."

Kirchhöfer beweist, dass er auch in Tourenwagen schnell ist. In seinem zweiten Jahr bei den ADAC-GT-Masters kämpft er um den Titel. Er teilt sich mit dem Badenser Daniel Keilwitz das Cockpit einer Corvette im Callaway-Competition-Team. Das Duo belegt Rang drei mit 19 Zählern Rückstand auf die Spitzenreiter. Vier Rennen sind in dieser Saison noch zu fahren, zwei davon am Wochenende auf dem Sachsenring. "Wir wollen uns in eine gute Position für das Finale auf dem Hockenheimring bringen. Wir wissen aber überhaupt nicht, ob wir eine Chance haben. Ich bin gespannt, wie die Corvette auf dem Sachsenring funktioniert. Das ist ein großes Fragezeichen für uns", rätselt Kirchhöfer.

Dennoch freut er sich auf sein Heimrennen. "Ich bin schon in so vielen Serien hier gefahren und habe auch gewonnen. Es ist vom Layout her die speziellste Strecke im Kalender - und für mich der Höhepunkt", erklärt er. "Besonders die letzte Kurve gefällt mir. Es geht bergauf, sodass man das Auto viel schneller dort reinwerfen kann, als man denkt." Vergangenes Jahr wurde er auf dem Traditionskurs nahe Hohenstein-Ernsttal im Mercedes Dritter im ersten Rennen, eine Kollision im zweiten Lauf beendete das Wochenende für den Leipziger vorzeitig. Nun muss es möglichst zweimal auf das Podest gehen, damit in zwei Wochen auf dem Hockenheimring der Titel in Reichweite ist.

Mit dem Meisterschaftserfolg würde sich das einst größte deutsche Talent im Formelsport endgültig im Tourenwagensport durchsetzen. Einen Abstieg sieht Kirchhöfer darin ohnehin nicht. "Bei den GT-Masters ist das Niveau der Fahrer in den vergangenen zwei, drei Jahren enorm gestiegen. Sie gehören momentan zu den stärksten GT-Meisterschaften", meint der Blondschopf. Er geht aber nicht nur in dieser Serie an den Start, sondern auch in Langstreckenrennen. Sein größter Erfolg ist der Sieg in der Pro-AM-Wertung beim 24-Stundenrennen auf dem Grand-Prix-Kurs in Spa-Franchochamps. "Diese Mischung aus den sehr kurzen, anspruchsvollen Sprints und den sehr langen Rennen macht mir extrem viel Spaß", sagt er.

Wo er in Zukunft seine Runden dreht? Kirchhöfer will sich gar nicht festlegen. Nur mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen kann er sich als Rennfahrer nicht so recht anfreunden, obwohl die Automobilhersteller auch im Motorsport vermehrt in diesen Bereich investieren. "Als Fahrer kannst du ein Angebot aus der Formel E sicher nicht ablehnen", meint er. "Die Serie ist ja auch nicht langweilig - aber: In puncto Emotionalität hat es nichts mehr mit Motorsport zu tun. Es gibt keinen Sound, keinen Geruch an der Strecke - das macht doch die Faszination am Motorsports aus." An diesem Wochenende auf dem Sachsenring kommt dies nicht zu kurz, wenn Kirchhöfer und Co. mit ihren 600 PS starken Boliden über die Strecke heizen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...