Osaka gewinnt die US Open - Williams verliert die Nerven

Naomi Osaka hat die US Open in New York gewonnen, ihr historischer Titel wurde jedoch überschattet von einem unwürdigen Auftritt der 23-maligen Grand-Slam-Siegerin Serena Williams. Die 36 Jahre alte US-Amerikanerin verlor in in der aufgehitzten Atmosphäre im Arthur-Ashe-Stadium völlig die Nerven, schrie Schiedsrichter Carlos Ramos an und stand nach drei Verwarnungen kurz vor der Disqualifikation.

Osaka ließ sich vom Theater der Favoritin nicht beeindrucken und verwandelte nach 79 Minuten ihren zweiten Matchball zum 6:2, 6:4. Die 20-Jährige gewann damit als erste Japanerin in der Tennisgeschichte ein Grand-Slam-Turnier, und das im Finale gegen eine Spielerin, die sie im Vorfeld als ihr großes Idol bezeichnet hatte. "Ich weiß, dass alle für sie waren. Es tut mir leid, dass es so enden musste", sagte Osaka unter Tränen.

Auch Williams weinte bei der Siegerehrung, immerhin schaffte sie es, die Zuschauer etwas zu beruhigen. "Es ist ihr erster Grand-Slam-Titel. Lasst uns den Moment zu ihrem besten machen und nicht mehr buhen", sagte Williams.

Zuvor hatte sie sich jedoch wenig vorbildlich verhalten. Nachdem Ramos sie wegen unerlaubten Coachings zu Beginn des zweiten Satzes verwarnt hatte, fauchte Williams ihn an: "Ich betrüge nicht, um zu gewinnen. Da verliere ich lieber." Wenig später zerstörte sie aus Frust ihren Schläger, kassierte ihre zweite Verwarnung und damit einen Punktabzug. "Du schuldest mir eine Entschuldigung", brüllte sie Ramos entgegen: "Ich habe eine Tochter, ich betrüge nicht!"

Doch das Drama ging weiter, Williams wollte sich einfach nicht beruhigen. Beim Stand von 3:4 aus ihrer Sicht bezeichnete sie Ramos während eines Seitenwechsels als Dieb: "Du hast mir einen Punkt gestohlen." Dem Portugiesen blieb keine andere Wahl, als Williams ein Spiel abzuziehen. Die sechsmalige Turniersiegerin brach in Tränen aus und stotterte: "Das ist nicht fair, das ist nicht fair. Nur, weil ich eine Frau bin."

Williams verpasste durch ihren skandalösen Auftritt den historischen 24. Grand-Slam-Titel, mit dem sie den Rekord der Australierin Margaret Court egalisieren würde. Schon Mitte Juli in Wimbledon hatte sie im Finale gegen Angelique Kerber (Kiel) verloren. Erst vor einem Jahr hatte Williams ihre Tochter Olympia zur Welt gebracht und war im März auf die Tour zurückgekommen.

Im Duell der Generationen - Osaka war 1999 bei Williams' erstem Titel in Flushing Meadows ein Jahr alt gewesen - wirkte Williams schon zu Beginn nervös. Im ersten Satz unterliefen ihr vier Doppelfehler, der im Turnierverlauf so starke Aufschlag fand zu selten den Weg ins Feld. Osaka ließ sich nicht von der Kulisse beeindrucken und konterte Williams' Power nahezu spielend.

Die Favoritin versuchte, das Tempo zu steigern, allerdings ging nur der Lautstärkepegel in die Höhe. Während Osaka mit stoischer Ruhe die Punkte bestritt, untermalte Williams beinahe jeden Schlag mit einem markerschütternden Schrei, lautstark angefeuert von den Zuschauern. All das half Williams jedoch nicht. Als Osaka ihr den Aufschlag zum 2:3 im zweiten Satz abnahm, brannten Williams die Sicherungen durch.

Schon zweimal hatte sich Williams in New York danebenbenommen. Im Halbfinale 2009 gegen die Belgierin Kim Clijsters drohte sie einer Linienrichterin: "Wenn ich könnte, würde ich verdammt noch mal diesen verdammten Ball in deine verdammte Gurgel stecken und dich umbringen. Hörst du das?" Auch 2011 bei der Finalniederlage gegen Samantha Stosur aus Australien, verlor sie die Nerven und stand kurz vor der Disqualifikation.

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