PrüstelGP: Familienfest am Sachsenring

Der sächsische Rennstall Prüstel GP will beim deutschen Motorrad-Grand-Prix hoch hinaus. Mit den Fahrern Marco Bezzecchi und Jakub Kornfeil werden Podestplätze anvisiert.

Chemnitz.

Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm. Doch bei Florian Prüstel, dem Teammanager, und allen anderen Mitgliedern des sächsischen Rennstalls PrüstelGP drehen sich schon seit Tagen alle Gedanken um den deutschen Motorrad-Grand-Prix am Wochenende auf dem Sachsenring. Das hat nicht nur damit etwas zu tun, dass sich der "Wohnsitz" des Teams unmittelbar am Traditionskurs befindet, sondern auch mit den bisherigen Leistungen seiner Fahrer in der Moto3-Weltmeisterschaft 2018. Denn das gab es noch nie, dass mit Marco Bezzecchi als Zweitem und Jakub Kornfeil als Achtem zwei Piloten, die unter sächsischer Flagge starten, unter den besten zehn ihrer Klasse zum Heim-Grand-Prix kommen.

"Wir sind alle extrem motiviert und wollen das Sachsenringrennen für unser Team und alle Fans, die uns die Daumen drücken, zu einem Erfolgserlebnis machen", sagte Florian Prüstel am Montag im Gespräch mit der "Freien Presse". Aus seinen Zielen und Absichten macht er keinen Hehl: "Ganz klar, wir wollen mit Marco Bezzecchi die WM-Führung in der Moto3 wieder zurückholen. Ein Podestplatz wäre großartig. Ein Sieg würde alle Fesseln sprengen", fügte er hinzu.

Stichwort Bezzecchi. Die Verpflichtung des 19 Jahre alten Italieners hat sich für das Prüstel-Team als Glücksfall erwiesen. Spätestens, als er beim Großen Preis von Argentinien seinen ersten Sieg in der Moto3 eingefahren hatte. Die Sachsen hatten schon eine geraume Zeit einen Blick auf das 19 Jahre alte Talent aus der VR46-Academy von Valentino Rossi geworfen. "Letztlich gaben unsere professionelle Arbeit und die familiäre Atmosphäre den Ausschlag, dass er sich für uns und nicht für einen italienischen Rennstall entschied", erinnert sich der Teammanager. Hinzu kam, dass PrüstelGP von Mahindra auf KTM wechselte. Der 55 PS starke Viertakter mit seinem aggressiven Fahrverhalten entsprach genau der Philosophie von Marco Bezzecchi.

Das sieht auch Dirk Reißmann so. Der 42-jährige Hohenstein-Ernstthaler, der viele Jahre erfolgreich das Leistungszentrum des sächsischen ADAC geleitet hatte, betreut seit dieser Saison die Fahrer des PrüstelTeams als Sportdirektor. Auch ihn hat der kleine Italiener schon manche schlaflose Nacht bereitet. "Marcos Fahrstil ist extrem aggressiv. Er will immer einhundert Prozent. Dadurch ist er manchmal etwas zu stürmisch und hat schon einige Top-Platzierungen zunichtegemacht", meint Reißmann. Mittlerweile hat sich die Sturm-und-Drang-Phase etwas gelegt. "Wir haben Marco gesagt, er muss nicht immer gewinnen. Wenn er Weltmeister werden will, genügt manchmal auch ein Postplatz. Siege kommen dann von alleine", fügt der Sportdirektor hinzu. Im sächsischen Rennstall weiß man aber auch, dass die Erfolge des Talents aus dem italienischen Rimini eine Kehrseite haben. Angenommen, Bezzecchi wird Weltmeister, dürfte er trotz eines Zweijahresvertrages nur schwer bei den Sachsen zu halten sein. Dann würden die Begehrlichkeiten zunehmen, Bezzecchi in die Moto2-Klasse zu holen und die Sachsen müssten dann einen neuen Fahrer verpflichten.

Nichtsdestotrotz wollen sich Florian Prüstel und seine Mitstreiter auch künftig im Grand-Prix-Zirkus engagieren. Auch, wenn am Sachsenring die Lichter ausgehen sollten. "Das wäre sehr bedauerlich, weil zahlreiche Sponsoren, die uns mit viel Herzblut unterstützen, aus der Region kommen", stellt der Teammanager klar. Doch erst einmal konzentrieren sich alle auf den Heim-Grand-Prix, der für die Sachsen zu einem großen Familienfest werden soll.

Autogramme am Donnerstag

Grand-Prix-Piloten zum Anfassen gibt es am Donnerstag ab 14 Uhr im Mercedes-Autohaus Lueg am Sachsenring. Dort nehmen sich die beiden Fahrer des sächsischen Teams PrüstelGP, Marco Bezzechi aus Italien und der Tscheche Jakub Kornfeil, bei einer Autogrammstunde Zeit für ihre Fans.

Beim Sachsenring-Grand-Prix 2017 erreichten Bezzeccchi und Kornfeil, damals noch auf einer Mahindra, im Rennen der Moto3 die Ränge 15 und 18. Ein Jahr zuvor hatte der 25 Jahre alte Tscheche als Vierter einen Podestplatz nur knapp verfehlt.

In der WM-Wertung der Moto3 führt nach acht Rennen der Spanier Jorge Martin (Honda) mit 105 Punkten vor Bezzecchi (103). Kornfeil rangiert mit 52 Zählern auf Position acht. (sg)

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...