Robin Szolkowy zieht es in die USA

Der einstige Weltklassepaarläufer aus Chemnitz beginnt im Frühjahr als Trainer in Los Angeles zu arbeiten. Der Zeitraum ist nicht genau abgesteckt.

Zürich/Chemnitz.

Das Jahr bringt große Veränderungen für den fünffachen Paarlauf-Weltmeister: Im Frühjahr plant Robin Szolkowy, der nach den Olympischen Spielen 2014 seine Karriere beendet hatte, mit der Familie einen Umzug in die USA, um dort künftig als Trainer tätig zu sein. Neuer Standort soll Irvine im Großraum Los Angeles werden. "Wir arbeiten dort mit amerikanischen, aber natürlich auch internationalen Athleten, vorrangig im Bereich Paarlauf," berichtete Robin Szolkowy, der über 21 Jahre in Chemnitz trainierte und mit Aljona Savchenko ein Jahrzehnt die Weltspitze bestimmt hatte. "Ich bin jetzt 39, habe vier Jahre in das Trainergeschäft reingeschnuppert. Nun reizt es mich, neue Teams aufzubauen. Auch denke ich, dass ich sowohl Kids als auch älteren Läufern etwas beibringen kann", fügte der zweifache Olympiadritte hinzu.

Der gebürtige Greifswalder war im Sommer 2014 ins Metier eingestiegen. Ausgerechnet Nina Moser, die Trainerin der russischen Hauptkonkurrenten Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow, die in Sotschi 2014 Gold gewannen, hatte den Deutschen engagiert. Sie wollte seine Expertise nutzen, sagte Moser damals. Robin Szolkowy arbeitete in Moskau vorwiegend mit dem Duo Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow zusammen, führte das Paar u. a. zu zwei EM-Titeln und WM-Silber. Kurioserweise coachte er so wiederum die Konkurrenten seiner Ex-Partnerin Aljona Savchenko, die 2018 mit Bruno Massot ihre Karriere mit Olympia- und ihrem sechsten WM-Gold krönte.

"Seit fast eineinhalb Jahren besteht, ausgehend von der Zusammenarbeit mit dem Moser-Team, ein relativ enger Kontakt zu den Amerikanern," erzählte Robin Szolkowy. Der US-Verband, der den Paarlauf fördern will, warf ein Auge auf den Jungtrainer. Für ihn war jedoch klar, dass er bis März 2018 zur russischen Mannschaft gehört. Jewgenija Tarassowa und Wladimir Morosow wählten dann Maxim Trankow als neuen Head-Coach. "Das war völlig nachvollziehbar", meinte der Ex-Chemnitzer, der mit Ehefrau Romy und dem dreijährigen Sohn Henry derzeit in Zürich lebt und dort arbeitet. Als Coach ist er zudem bei Lehrgängen und Seminaren in Deutschland tätig, veranstaltet Camps. In Moskau weilte er zeitweise als Assistenztrainer, eine permanente Betreuung war nicht vorgesehen. "Deswegen habe ich gesagt, ich könnte mir neue Sachen vorstellen."

Während der Winterspiele und der WM 2018 gab es dann konkrete Gespräche mit dem amerikanischen Verband. Während einer Reise im Sommer 2018 besuchten die Szolkowys mehrere Paarlauf-Trainingszentren in den USA. Aus wirtschaftlichen, beruflichen und privaten Erwägungen fiel die Entscheidung letztendlich auf Los Angeles, wo das Ehepaar das größte Potenzial sieht. Mit ausschlaggebend war ein Rundgang durch das neu entstehende Zentrum in Irvine. "Dort habe ich als Trainer die Möglichkeit, von der ersten Stunde an dabei zu sein, meine Ideen einzubringen", nannte Robin Szolkowy einen wichtigen Aspekt.

Gemeinsam mit Jenni Meno und Todd Sand, einst ebenfalls im Paarlauf erfolgreich und schon als Trainer erfahren, soll von Grund auf etwas Neues aufgebaut werden. Derzeit trainieren dort bereits die aktuellen US-Meister Alexa Scimeca Knierim/Chris Knierim. Robin Szolkowy möchte aber international aufgestellt bleiben und nicht nur mit Amerikanern arbeiten. "Es soll eine gesunde Konkurrenz zu anderen Standorten sein. Wir wollen eine Option für Paare sein, die sich neu orientieren wollen. Meiner Meinung nach ist es von Vorteil, dass man Input aus verschiedenen kulturellen Kreisen mit einfließen lässt," betonte er.

Dabei will Robin Szolkowy seine Verbindungen nach Deutschland und in die Schweiz definitiv aufrechterhalten. Geplant sind weiter Camps in Europa, zugleich Möglichkeiten, dass Läufer zu ihnen in die USA kommen. Das Projekt ist langfristig angelegt, mindestens bis zu den Olympischen Spielen 2022. "Romy und ich können uns das Leben in den USA auch langfristig vorstellen", wollte sich Robin Szolkowy, der ehrenamtlich Vereinschef des Chemnitzer EC ist, mit Blick auf die Zukunft nicht festlegen.

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