Steher-DM: Chemnitzer rechneten vorher überhaupt nicht mit Bronze

Die Chemnitzer Robert Retschke und Holger Ehnert überraschten bei den Deutschen Meisterschaften der Steher mit Rang drei. Ohne Wind wäre sogar noch mehr möglich gewesen.

Chemnitz.

Ein bisschen zwiespältig beschrieb Robert Retschke am Montag seine Gefühle, als er die Deutschen Meisterschaften in Bielefeld noch einmal Revue passieren ließ. Aber letztlich überwogen eindeutig die positiven Dinge. "Dass es so gut läuft, hätte ich vorher nie gedacht", resümierte der 38-Jährige. Sein Schrittmacher Holger Ehnert schlug in die gleiche Kerbe: "Ich habe nicht einmal geträumt, dass wir in diesem starken Feld überhaupt eine Chance auf einen Podestplatz besitzen." Und das Duo war sich einig: Diese Bronzemedaille ist die bisher wertvollste, die sie gemeinsam bei nationalen Steher-Titelkämpfen errangen. Seit 2012 sind sie nunmehr auf den Bahnen in Deutschland und Europa unterwegs. Viermal starteten sie bereits bei einer EM, das sechste Edelmetall bei einer DM gab es nun in Nordrhein-Westfalen.

Im Finale über eine Stunde lag das Team vom RSV Chemnitz zeitweise sogar auf Titelkurs. "Doch etwa eine Viertelstunde vor Schluss kam richtiger Sturm auf, mich hat mehrfach eine Windböe erwischt, sodass ich völlig aus dem Rhythmus und von der Rolle kam", schilderte Robert Retschke die entscheidenden Szenen. "Bis ich ihn wieder eingefangen hatte, dauerte es natürlich eine Weile. Es war ein unheimlicher Kraftakt von Robert", erklärte sein Partner, um voller Bewunderung hinzuzufügen: "Er zeigte eine super- starke Leistung. Dass er so lange so schnell fahren konnte, war nicht zu erwarten. Wir hatten nix zu verlieren, haben mit einem hohen Gang alles riskiert." Im Endklassement mussten sich die Sachsen nur den aktuellen Vizeeuropameistern Christoph Schweizer (Aachen) und André Dippel, der als Bielefelder von seinem Heimvorteil enorm profitierte, sowie den zweifachen Siegern des kontinentalen Championats, Franz Schiewer (Cottbus) und Gerhard Gessler (Erfurt), geschlagen geben. Indes verwiesen sie die zweifachen EM-Dritten Daniel Harnisch und Peter Bäuerlein (Leipzig, Nürnberg) klar auf Rang vier.

Das Resultat der Chemnitzer ist deshalb so bemerkenswert, weil die Saison mit einem herben Rückschlag begann. Robert Retschke stürzte zu Ostern beim Sachsenringrennen so schwer, dass er sich das Schultereckgelenk brach. Nach Operation und intensiven physiotherapeutischer Maßnahmen, die zum Glück seine Schwester als Fachfrau übernahm, kehrte er vergleichsweise schnell wieder aufs Rad zurück. Natürlich dosiert und zunächst nur den Weg von Chemnitz zur Arbeitsstelle nach Niederfrohna und zurück. Stück für Stück steigerte er dann sein Pensum beim Straßentraining, das er allein absolvieren musste. An eigentlich geplanten Rennen mit seinen Gefährten vom Thüringer Continentalteam P&S Metalltechnik, bei denen er sich normalerweise die Wettkampfhärte holt, konnte er wegen der Verletzung nicht teilnehmen. "Es war hart, doch ich habe nie den Mut verloren. Und ich bin unheimlich froh, dass Ehni das so mit durchgezogen hat, mich mit viel Gefühl und Geduld wieder auf dieses Niveau brachte. Dafür bin ich ihm sehr dankbar", meinte Robert Retschke, der seinen rechten Arm noch immer nicht hundertprozentig belasten kann. Ehrgeizig wird er weiterkämpfen - und im nächsten Jahr greift das Duo erneut an.

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