Turnerinnen aus Chemnitz: Endlich wieder Wettkampffeeling

Beim sogenannten "Turn-Team-Battle", einem virtuellen Vergleich, belegte der Chemnitzer Stützpunkt Rang zwei. Das Ergebnis war eher Nebensache.

Chemnitz.

Wäre alles wie ursprünglich geplant verlaufen, hätten am Montagmorgen möglicherweise zwei Auswahlturnerinnen vor dem Training Blumen und Glückwünsche erhalten. Denn am vergangenen Wochenende sollte nach den abschließenden Qualifikationen das deutsche Olympiateam für die Sommerspiele in Tokio 2020 benannt werden. Wegen der Coronakrise ist bekanntlich alles anders - und die ambitionierten Gerätkünstlerinnen absolvierten in der Chemnitzer Halle ganz normal ihre Übungseinheiten. Einen etwas anderen Gesprächsstoff hatten sie in den Verschnaufpausen dennoch.

Am Abend zuvor nahmen fünf Olympiakandidatinnen am ersten Wettbewerb nach der Coronapause teil. Beim sogenannten "Turn- Team-Battle" mussten insgesamt sieben verschiedene Elemente - teilweise nicht unbedingt turnspezifisch - absolviert werden. Dieses virtuelle Fernduell mit den zwei Stützpunkten in Bergisch Gladbach und Stuttgart wurde aufgenommen und Internet live übertragen.

"Es war eine coole und witzige Aktion, die Spaß machte und sicher auch Potenzial hat", befand Sophie Scheder, die zudem tolle Reaktionen bekam. "Meine Fangemeinschaft war begeistert", fügte die Olympiadritte von 2016 am Stufenbarren hinzu. Nachdem die 23-Jährige die Zwangspause nutzte, um sich einige Wochen wegen ihrer Knieprobleme einem intensivem Rehaprogramm zu widmen, steigert sie seit vergangener Woche wieder peu à peu ihr spezifisches Pensum. Da kam auch der Teamplayerin diese Abwechslung gerade recht. Und zum Abschluss meisterte sie gemeinsam mit Lisa Zimmermann eine ungewohnte Aufgabe mit Bravour. "Das war schon eine besondere Herausforderung", meinte sie zum Balanceakt mit einem Stück Magnesia. Diese Idee kam übrigens von Gewichtheber Max Lang, der das Angebot im Vorfeld annahm, über Instagram Vorschläge für die Sportkolleginnen zu unterbreiten.

Weltmeisterin Pauline Schäfer brillierte indes an ihrem Paradegerät. 18 freie Räder am Schwebebalken in einer Minute - da konnte ihr niemand Paroli bieten. "Es gab schon einen Anreiz, auch wenn man es nicht so vergleichen kann. Wichtig war, dass die Fans uns wieder mal gesehen haben", meinte die 23-Jährige, die wegen ihrer Probleme mit dem Handgelenk noch Vorsicht walten ließ. Volle Power konnte indes Jasmin Haase, mit 15 Lenzen eine der Jüngsten, beispielsweise am Trampolin zeigen. Auch ihr gefiel es, endlich wieder so etwas wie Wettkampffeeling zu spüren. "Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich dabei so aufgeregt bin", erzählte die Schülerin, die zudem von der tollen Atmosphäre untereinander schwärmte.

Am Rande des Experimentes gab es darüber hinaus die frohe Kunde, dass im November die Deutschen Meisterschaften - als erstes gewohnte Kräftemessen - geplant sind.

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