Anders als am Dienstag angekündigt bestiegen wir am Mittwoch aufgrund von Sturmwarnungen nicht den Pico, dafür hatte ich gestern das erste Mal Kontakt mit Meerwasser und konnte in einer kleinen Bucht ca. anderthalb Stunden schwimmen. Dabei konnte ich sogar einigen Fischen beim Schwimmen zusehen und hatten ausreichend Gelegenheit zu tauchen. Dass wir dabei Spaß hatten versteht sich von selbst.

Dieser Tauchgang bildete etwas Abwechslung an einem arbeitsreichen Tag, an dem ich in der Gruppe Klima und Geographie tätig war und gemeinsam mit vier weiteren Teammitgliedern Messwerte betreffs der Windgeschwindigkeit, Temperatur, des Luftdrucks und der Höhe über Normalnull, sowie der Bewölkung aber auch der Geologie in einem bestimmten Küstenstreifen und über den gesamten Tag genommen habe. Dabei haben wir stündlich Höhe ü. NN (in m), Luftdruck (in hPa), Windgeschwindigkeit (in km/h) und Temperatur (in °C) bestimmt und hatten so am Abend die Möglichkeit eine Aussage über die Wetterentwicklung des Tages zu treffen. Dabei haben wir mit den Messungen an einem kleinen Küstenstreifen begonnen, der nur aus erkalteter Lava bestand, die dort mitunter bizarre Strukturen hinterlassen hat und auch in verschiedenen Schwarz-, Rot- und Brauntönen vorhanden war. Dort konnten wir dann das Wesen der Lava, Lufteinschlüsse, Metallablagerungen und Fließstrukturen studieren.

Besonders aufgefallen war uns dabei eine Spur in der erkalteten Lava, die so aussah, als wäre durch die flüssige Lava ein Wagen gefahren und hätte dort seine Rad- bzw. Reifenspur hinterlassen. Von einem Einheimischen haben wir uns erklären lassen, dass diese Spur für einen Wagen als Führungsschiene dort hineingeschlagen worden war. Nach der Mittagspause und dem erfrischenden Tauchgang haben wir dann den Standort gewechselt und sind "in die Berge" (auf Pico gibt es nur eine lange Erhebung) gefahren. Dort waren wir dann an einem Bergsee und haben Wasserproben entnommen und auf verschiedene Inhaltsstoffe (z.B. Eisen) getestet. Als wir das Wasser untersucht hatten, begaben wir uns noch in das Gebiet der Geologie und versuchten, noch etwas über unsere Gesteine, die wir am Vormittag mitgenommen hatten, herauszufinden. Allerdings war zum einen nicht genug Zeit und zum anderen lösten sich die Gesteine äußerst schwer in Wasser.

Als wir wieder in der Jugendherberge angekommen waren, ging es sofort ans Berichte- und Präsentationen erstellen, damit wir möglichst bald fertig wären. Trotzdem konnten wir im Endeffekt erst um 12 Uhr ins Bett.

Heute wurde die Ankündigung vom Dienstag, dass wir den Pico besteigen würden, in die Tat umgesetzt und ich machte mich also mit 14 anderen erneut als Vertreter der Klima-Gruppe um sechs Uhr morgens auf zum Fuße des mit 2351 m höchsten Berges Portugals. Der Plan für heute war grundlegend der gleiche wie gestern, allerdings hatten wir uns dazu entschieden, dass wir auch nach allen 100 Höhenmetern Messwerte ermitteln und so mussten wir während des gesamten Aufstieges von 1270 m (Basisstation) bis zu 2351 m (jüngster Ausbruchskegel) immer wieder anhalten, um Messungen durchzuführen. Da wir dies auch während des Abstieges machten, hatten wir am Ende so viele Daten, als dass wir es heute nicht geschafft haben die Daten in einem Bericht auszuwerten. Wir haben diese Arbeit kurzerhand auf morgen vertagt.


Für den gesamten Auf- und Abstieg benötigten wir ungefähr sieben Stunden und waren danach sichtlich erschöpft, da einige wieder, wie schon auf der Hinfahrt, einschliefen. Gelohnt hatte sich die Anstrengung und das frühe Aufstehen aber allemal, da uns auf der gesamten Route ständig alte erkaltete Lavaströme und andere Formationen (unter anderem auch einige Schlote) begegneten. Als wir auf dem Gipfel angekommen waren und uns gesetzt hatten und auch schon begonnen hatten unser Lunchpaket zu verzehren, bemerkten einige, dass es erstaunlich feucht und warm wäre, da wo sie saßen. Daraufhin sahen dann wieder andere, dass an manchen Stellen Wasserdampf aufstieg und deshalb suchten wir dann nach kleinen Öffnungen im Gipfel, aus denen dieser Wasserdampf ausstieg. Wir wurden auch schnell fündig und hielten natürlich, von der Neugier getrieben, unsere Hände in die Öffnungen, zogen sie aber genauso schnell wieder heraus, da der Dampf wirklich heiß war. Wir haben die Temperatur des Dampfes dann auch einmal gemessen und kamen manchmal sogar auf über 60° Celsius. Daraus entstand die Idee, auszuprobieren, ob man Würstchen, die wir in Konservendosen mitgenommen hatten, nicht erwärmen könnte und sie so etwas schmackhafter zu machen. 

Nachdem wir sie zehn Minuten in eine der Öffnungen gestellt hatten, konnten wir tatsächlich warme Würstchen genießen. In den Genuss einer schönen und vor allem weiten Aussicht kamen wir allerdings nicht, da trotz strahlender Sonne, Wolken Richtung Südwesten drängten und dadurch einen großen Teil der Insel bedeckten (wir befanden uns ca. 1100m über den Wolken). Wir konnten nur im Südwesten ein Meer aus Wasser und im Nordosten ein Meer aus Wolken sehen. Spektakulär war es aber trotz fehlender Aussicht und deshalb freue ich mich schon auf den morgigen Tag, an dem es für mich zum ersten Mal um den Kern der Forschungsexpedition gehen soll: Delfine und Wale.

Ich werde mich morgen in einem Boot hinaus in den Atlantik begeben und dort nach Walen und Delfinen Ausschau halten und mit ein bisschen Glück wird es mir vielleicht sogar möglich sein, auch mit Delfinen zu schwimmen.

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