Philharmonisches Konzert in Annaberg-Buchholz: Zwischen Solidität und Exzentrik

Das 4. Philharmonische Konzert im Theater Annaberg-Buchholz stimmte nicht nur auf Weihnachten ein. Ein Musiker war dort auch erstmals in neuer Funktion zu erleben.

Annaberg-Buchholz.

Wohin schlägt das Pendel bei Michael Schmidt aus, dem jungen, seine zweite Saison als Konzertmeister der Erzgebirgischen Philharmonie Aue erlebenden Geiger? Ist er in erster Linie ein souverän auftrumpfender Virtuose, sucht er vor allem den schönen, gesanglichen Ton oder scheint das Schultern besonderer gestalterischer Herausforderungen seine starke Seite zu sein? Es blieb offen beim 4. Philharmonischen Konzert, das zu Wochenbeginn zweimal im jeweils fast ausverkauften Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz über die Bühne ging. Der 1991 in Chemnitz geborene Schmidt, der bei Matthias Wollong an der Weimarer Musikhochschule "Franz Liszt" studierte, war bei seinem Debüt als Solist, für das er sich Wolfgang Amadeus Mozarts A-Dur Violinkonzert KV 219 ausgesucht hatte, auf den drei genannten Feldern eine gleichermaßen sichere Bank.

Im ersten Satz demonstrierte Schmidt seine solide Technik, als er immer wieder gekonnt aus melodisch geprägten Passagen in rasante, sauber ausgeführte und wohltuend schnell bleibende Läufe fand. Dass mancher Forte-Akzent ein wenig zu forsch ausfiel, spricht wohl für den Ehrgeiz des Musikers, möglichst scharfe Kontraste zu setzen. Im Adagio war ein gelöstes, geschmeidiges, großen Atem verratendes Spiel zu bewundern, während der dritte Satz wiederum einen anderen Blickwinkel eröffnete. Was schon die zuvor absolvierten üppigen Kadenzen ahnen ließen, wurde in dem kleinteilig angelegten, harmonisch gern falsche Fährten legenden Rondo, das schließlich in ein deftiges Menuett alla turca mündet, zur Gewissheit: Schmidt versteht sich auch aufs Humorvolle, Doppelbödige, ans Exzentrische Grenzende in der Musik. Das wurde unterstrichen durch die Zugabe, die das begeistert applaudierende Publikum geboten bekam: die vor geigerischen Kabinettstücken strotzenden Variationen Niccolò Paganinis auf das neapolitanische "O cara mamma mia."

Die unter dem erfahrenen Ersten Kapellmeister Dieter Klug sicher begleitende Philharmonie hatte an den Abenden noch weiter reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Dabei war stets ein zupackendes, aktives, dynamisch fein austariertes Musizieren zu beobachten. So machte eine vor Spannung vibrierende, rhythmisch musterhaft durchgezeichnete Ouvertüren-Suite in D-Dur des Barockmeisters Johann Friedrich Fasch den Anfang. Das war keine gediegene Pflichtübung in Sachen Alte Musik; hier zeigte sich eine über Jahre organisch gewachsene, die einzelnen Register sich frei entfalten lassende Interpretationskultur. Nach der Pause wurde man dann dem Anspruch eines weihnachtlichen Konzerts voll und ganz gerecht und sprang zudem für möglicherweise zu Unrecht vergessene Komponisten in die Bresche. Da war unter anderem - mit dem einfühlsam gestaltenden "hauseigenen" Bariton Jason-Nandor Tomory als Solisten - eine Arie aus Joseph Leopold Eyblers angenehm ins Ohr gehendem Weihnachtsoratorium zu hören. Von Joachim Raff wurden unter einem subtil leitenden Klug zwei an Poesie und innerer Bewegung reiche Sätze der Sinfonie Nr. 11 "Der Winter" aufgeführt. Otto Nicolais bei aller Klangfülle innige Weihnachtsouvertüre, die am Ende "Vom Himmel hoch, da komm ich her" aufstrahlen lässt, leitete dann zum Finale über, in dem das Publikum selbst aktiv werden durfte. Bei von Dieter Klug wirkungsvoll arrangierten Weihnachtsliedern, so auch dem erzgebirgischen "Wenn's im Winter schneie tut", wurde kräftig mitgesungen.

Das Sinfoniekonzert ist noch einmal am 26. Dezember, 19.30 Uhr in der Auer St. Nicolaikirche zu hören. Tickethotline 03771 23761. www.winterstein-theater.de

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