Gold und andere Schätze

Auch die dritte und letzte Premiere des Sommers auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen hat das Publikum begeistert. "Die Schatzinsel" verlangt dem Ensemble alles ab - und erzählt eine Geschichte in der Geschichte.

Ehrenfriedersdorf.

Die malerische Kulisse der Freilichtbühne an den Greifensteinen mit einem minimalistischen, aber wirkungsvollen Bühnenbild von Tilo Staudte funktioniert auch als perfekter Ort für ein Piratenspektakel: das Musical "Die Schatzinsel" nach dem gleichnamigen Abenteuerklassiker von Robert Louis Stevenson mit Musik von Dennis Martin erlebte am Sonntag in der Inszenierung des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg-Buchholz Premiere. Und das Publikum applaudierte am Ende nicht nur lang anhaltend, es jubelte vor Begeisterung.

Die Handlung erzählt nicht einfach den Roman von Robert Louis Stevenson nach, sondern beginnt mit dessen Entstehung 1862 in Edinburgh, wo der junge Stevenson - gespielt von dem brillanten Nick Körber - davon träumt, Schriftsteller zu werden. Doch sein Vater - gespielt von Jason-Nandor Tomory - plant für seinen Sohn eine Anwaltskarriere. Der junge Mann verlässt das Elternhaus und reist in eine französische Künstlerkolonie, wo er mit Malern und Literaten ein Leben in Freiheit und Kreativität feiert. Dort lernt er die amerikanische Malerin Fanny Osbourne und ihren zwölfjährigen Sohn Lloyd kennen. Diese Rollen sind mit der erfahrenen Schauspielerin und Sängerin Kerstin Maus, mit der Nick Körber schon mehrfach Musicalerfolge im heimischen Theater feiern konnte, und dem neunjährigen Tim Bluthner besetzt. Der jüngste der drei sich in der Rolle abwechselnden Laiendarsteller, die eigens für die Inszenierung gecastet worden waren, hat schon etwas Bühnenerfahrung und spielt überzeugend - sowohl die Rolle des Lloyd als auch die des Jim Hawkins: des Jungen, der sich im Besitz der Schatzkarte befindet.

Stevenson verliebt sich in Fanny und freundet sich mit Lloyd an. Beide ermutigen ihn, seinen Traum zu verwirklichen. Inspiriert davon, beginnt er, eine Piratengeschichte zu schreiben, die einmal die Welt erobern soll: Das Abenteuer beginnt in einer englischen Hafenkneipe. Für die "Hispaniola" wird eine Mannschaft unter Leitung Long John Silvers angeheuert. Die Rolle des berüchtigten Piratenchefs spielt der gebürtige Hamburger Maximilian Nowka, der umfassende Musical-Erfahrung vorweisen kann und mehrere Jahre fest zum Ensemble des Theaters Plauen-Zwickau gehörte.

Es beginnt eine Reise, die die Zuschauer begeistert und den Darstellern manchen Szenenapplaus einbringt - auch dank der Meisterschaft des Chores und des von Sigrun Kressmann choreografierten Extraballetts des Theaters. Von Fanny und Lloyd verlassen, begibt sich Stevenson tief betrübt ebenfalls auf eine Schiffsreise. Unterdessen wartet auf der Schatzinsel seit 13 Jahren der totgeglaubte Ben Gunn auf die Stunde der Vergeltung. Nick Körber schlüpft auch in diese Rolle.

Die Piraten erreichen nach ihrer Meuterei auf der "Hispaniola" zusammen mit ihren Geiseln die Insel und finden den Schatz. Doch der gierige Richter Trelawney versinkt mit dem Gold in der Lava. Long John Silver lässt sich im Austausch für das Leben seiner Mitpiraten gefangen nehmen. Das Schiff verlässt die Insel ohne das Gold. Stevenson besteigt in Amerika ein Schiff zusammen mit Fanny und Lloyd, die sich nach einigen Reibereien doch zu ihm bekennen, in Richtung Edinburgh. Seinen Roman hat er fertig geschrieben. Doch Lloyd bittet um ein gutes Ende. So wird Long John Silver ebenfalls die Freiheit geschenkt.

"Die Schatzinsel" wird ein Welterfolg, und der Autor soll von seiner Heimatstadt geehrt werden. Jedoch missbilligen die prüden Bürger seine Beziehung zu der älteren und noch verheirateten Fanny. Stevenson schlägt die Ehrung aus, versöhnt sich jedoch mit seinem Vater und sticht dann mit seiner neuen Familie in See. Er hat einen Schatz gefunden, der mehr wert ist als alles Gold der Welt: die Freiheit der Gedanken.

Unter der Regie von Tamara Korber ist eine Musicalinszenierung besonderer Klasse entstanden. Die musikalische Leitung hat Dieter Klug inne. Die Kostüme, denen durch häufigen Wechsel während der Vorstellung viel Bedeutung zukommt, hat Annabel von Berlichingen entworfen. Die Dramaturgie liegt in den Händen von Annelen Hasselwander. Da die Aufführung ohne Pause über die Bühne geht, leisten die Akteure Schwerstarbeit, zumal viele von ihnen in mehreren Rollen agieren. Das Publikum honorierte die Leistung mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus, mit dem auch das Theaterkind Tim Bluthner verdient geehrt wurde. Das Ensemble wiederum bedankte sich für die Wertschätzung mit einer Zugabe - einem Piratensong.

Weitere Vorstellungen: der "Schatzinsel" auf der Freilichtbühne Greifensteine am 21. August, 17 Uhr; 25. und 28. August, 15 Uhr; 3. September, 15 Uhr und 7. September, 19 Uhr.

www.winterstein-theater.de

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