Ein Arbeiter, ein Künstler

Er war einer der bedeutendsten sächsischen Bildhauer der Gegenwart. Am Dienstag ist Fritz Böhme im Alter von 65 Jahren gestorben.

Hohndorf.

Seine wichtigste Werkgruppe heißt ganz schlicht "Lebenszyklus" - Dutzende, meist überlebensgroße Figuren aus dem Holz geschlagen, Figuren im Sein, im Werden, in all den Situationen, die das Leben ausmachen: Siege, Niederlagen, Einsamkeit und Zweisamkeit, gewonnene und verlorene Kämpfe. Fritz Böhme war ein Arbeiter, hunderte Figuren füllen den Skulpturengarten, Scheune und Atelier in Hohndorf. Und er war ein Künstler - mit aller Konsequenz. "Man misst sich ja unwillkürlich immer mit Michelangelo", hat er einmal gesagt und damit seinen künstlerischen Anspruch beschrieben. Einen Anspruch, den er sich hart erarbeitete.

Geboren 1948 in Glauchau, Lehre als Steinmetz und Steinbildhauer, bildete er sich autodidaktisch zum Bildhauer aus. 1975 trat er in den Verband Bildender Künstler ein, 1990 wieder aus, seit 1976 war er freischaffend tätig. Nach einigen Experimenten auch mit modernen Spielarten der Plastik fand Fritz Böhme seine eigene Bilder-Sprache, angelehnt an Ernst Barlach und Käthe Kollwitz: große, monumentale und doch sehr menschlich zerbrechlich wirkende Figuren, nur leicht abstrahiert, denen alles Leid und alle Freude des Jahrhunderts in die Körper geschrieben war. Der "Lebenszyklus" erregte einige Aufmerksamkeit: 1987 erhielt Fritz Böhme den Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau, 1996 den Ernst-Rietschel-Kunstpreis.

Fritz Böhmes Figuren sind nicht schön wie die Figuren in einer Casting-Show, sie genügen nicht den Anforderungen der Werbeindustrie. Ihre Schönheit ist von der Art, wie sie das Leben macht. Eine Schönheit, die aus der Kraft rührt, die man für dieses Leben braucht, für das man manchmal ganz schön tapfer sein muss - eine Schönheit, die aus der Fähigkeit des Erlebens kommt. Eine Fähigkeit, die weniger verbreitet ist, seit die Medien ihrem Publikum das eigene Erleben abzunehmen versuchen. Der schöne, Effekte haschende Schein war Fritz Böhme fremd, die Missachtung der Vergangenheit konnte ihn ungehalten machen, was ihm nicht nur Freunde eintrug. Dabei war er selbst ein wunderbarer Freund, der aufmerksam die künstlerischen Leistungen anderer verfolgte.

Fritz Böhmes neuere Figuren - die scheinbar ergebnislos nachdenkenden sind meist Männer, die etwas erlebenden, erfühlenden sind meist Frauen. Sie suchen hingebungsvoll den Kontakt zur Erde, sie schauen oft fragend, sie sind eins mit ihrem Körper. Es sind Menschen von heute, die uns in diesen Figuren begegnen, Menschen mit der heutigen Geschichte, die von einigen Hoffnungen, aber von noch mehr Ängsten um die Zukunft geprägt ist. Sie werden an Fritz Böhme erinnern, denn wir leben weiter, so lange jemand an uns denkt.

Die Beisetzung findet am kommenden Montag, 13 Uhr, auf dem Friedhof Hohndorf statt.

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