Helfer, Hitze und viel Heiterkeit

Der Motorrad-Grand- Prix am Sachsenring 2019 ist Geschichte. Die 200.000-Besucher-Marke ist geknackt. Auch hinter den Kulissen waren Tausende am Erfolg der Superparty beteiligt.

Oberlungwitz.

Der Ausnahmezustand mit heißen Reifen, Party, Feuerwerk und Show rund um Sachsens Traditionsrennstrecke ist vorbei. 201.162 Motorsportfans können nicht irren. Sie haben den WM-Lauf einmal mehr zur größten deutschen Sportveranstaltung des Jahres gemacht.

Ein Jubelsturm begleitete am Sonntag den ungekrönten König vom Sachsenring, Marc Marquez, der schon am Samstag im Qualifying den Rundenrekord pulverisiert hatte, auf seiner Ehrenrunde. Seine Sachsenring-Bilanz: zehn Starts in zehn Jahren, zehnmal Pole, zehn Siege. Und alle Jahre wieder: Marquez bekam von OB Lars Kluge erneut den goldenen Sachsenring für die schnellste Rennrunde (1:21,228 Minuten) - es ist der fünfte. Im sächsischen Redox-Team, wo die Fahrer bei ihrem Heim-Grand-Prix fast vom Betriebsgelände des Teamchefs Ingo Prüstel aus auf die Strecke einbiegen können, wurden kleinere Brötchen gebacken. Das Ziel (zwei Top-10-Plätze) funktionierte nicht. Aber: Jacub Kornfeil wurde Zehnter, sein 16-jähriger Teamkollege Filip Salac sah auf Rang 13 die Zielflagge.


Ein Rollstuhlfahrer machtesich auf, die 3761 Meter lange Rennpiste zu umrunden, noch bevor die GP-Stars am Gasgriff drehten. Seit sieben Jahren kommt Thomas Kresnicka aus Greiz zum Sachsenring. Der 39-Jährige ist seit der Kindheit durch einen Gendefekt an den Rollstuhl gefesselt. "Einmal um den Sachsenring fahren, das stand schon lange auf meiner To-Do-Liste. Der Charitylauf bot mir diese einmalige Chance. Und mit den 25 Euro Startgebühr konnte ich dabei noch etwas Gutes tun." Knapp 21 Minuten dauerte seine Runde - die von Marc Marquez beim Rundenrekord am Samstag 1:20,195 Minuten. "Jetzt weiß ich, was die Fahrer hier leisten müssen", sagt Kresnicka. Dank der 250 Teilnehmer am Lauf gehen nun 5500 Euro an Spenden an ein SOS-Kinderdorf.

Tausende Helfer hinter den Kulissen waren wieder am Erfolgsrezept Sachsenring beteiligt. Allein der Ankerberg ist ein logistischer Kraftakt. Auf dem 60 Hektar großen Areal hatten sich bis zum Samstagmittag schon 3350 Camper, 150 mehr als im Vorjahr, eingefunden. "Damit ist unsere Kapazität fast erschöpft", resümierte Enrico Matthes von Polster Catering. Der Caterer, der seit Jahren die Versorgung der Rennfans auf der Partymeile des Ankerbergs und auf dem Gelände der Rennstrecke übernimmt, war mit rund 1200 Helfern, 40 Ausschankwagen und 200 Speisenständen am Start. Auf dem Ankerberg sorgten 15 Stromaggregate und sechs Kilometer Kabel dafür, dass den Campern und den Schaustellern auf der Partymeile am Ankerberg nicht das Licht ausgeht. Täglich bis 4 Uhr morgens lief die Party. Unterdessen pilgerten Tausende zu den Bühnen an der Goldbachstraße, zum Gelände an der Karthalle oder feierten zur Race-Party auf dem Altmarkt.

Einen Riesenaufwand bewältigte der AMC Sachsenring. Rund 420 Helfer in zehn Bereichen waren zu koordinieren. Davon allein 327 in der Streckensicherung. 25 Helfer gehören zum Technik-Team, 14 zum Start-Ziel-Team, zehn zur Boxen-Truppe. Acht Rennkommissare stellt der AMC, je 16 Helfer für Rennleitung und Fahrerlager, zwei für den Funk sowie vier für die Siegerehrung. Über zu wenig Arbeit konnte sich auch der medizinische Dienst nicht beklagen. "Vor allem bei Kreislaufversagen wegen der Hitze und kleineren Verletzungen mussten die 40 Sanitäter in der Zuschauerbetreuung eingreifen", sagt Gerd Gräfe, Vorsitzender des DRK Hohenstein-Ernstthal. Am Ring arbeitete er in der DRK-Einsatzleitung für die Rennstrecke mit, leitete dort die Arbeit von 87 Einsatzkräften an. Zehn Rettungswagen, sieben Medical Cars und ein Helikopter stehen zum Rennen in Bereitschaft.

Die Hitzewelle versetzte die Einsatzkräfte am Sachsenring in höchste Alarmbereitschaft. Nach den Feldbränden am Gersdorfer Hofgraben machten den Männern vor allem die staubtrockenen Getreidefelder am Ankerberg Sorgen. "Wir haben versucht, das Verbot von offenen Feuern mit Ausnahme von kleinen Grillfeuern strikt durchzusetzen", sagt Enrico Matthes. Jetzt wird nach vorn geschaut: "Nach dem Ankerberg ist vor dem Ankerberg."

Rund 1500 Beamte und Beschäftigte der Polizei sicherten seit Donnerstag die Veranstaltung ab. Polizeisprecher Christian Schünemann zog eine positive Bilanz: "41 Straftaten, 2018 waren es bei weniger Besuchern 56 Straftaten. Meist ging es um Diebstähle, Sachbeschädigungen und kleinere Körperverletzungen."

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