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Seit einigen Wochen weht direkt an der Bundesstraße eine US-Fahne als stiller Protest.

Foto: Sebastian PaulBild 1 / 2

Warum an der Bundesstraße in Schönfeld eine US-Fahne weht

Ein Bäckermeister wünscht sich mehr Zusammenhalt. Sein Vorbild: die USA. Das Land würdigt er schon mit der zweiten Fahne.

Von Sarah Hofmann
erschienen am 14.06.2018

Schönfeld. Direkt an der B 95 weht sie im Wind, eine US-Fahne. Vor vier Wochen brachte der Bäckermeister Jens Völker erstmals ein Exemplar des Sternenbanners vor seiner Bäckerei an. "Eigentlich ist sie ein stiller Protest für mich, gegen die Bundesregierung", sagt der 41-Jährige.

Er sei mit den aktuellen Verhältnissen in Deutschland nicht einverstanden. Daher habe er sich entschieden, keine deutsche Fahne zu hissen, sondern die der Vereinigten Staaten von Amerika. "Da wird man nämlich nicht gleich in die rechte Ecke gedrängt", so der Schönfelder. Und doch wünscht er sich mehr Patriotismus in seinem Land. "Das hat für mich nichts mit Nationalismus zu tun, eher mit einem Zusammengehörigkeitsgefühl", erklärt der Bäcker. Eben dieses Gefühl konnte er schon mehrfach in den USA erleben. Dort fliegt er nämlich seit sechs Jahren regelmäßig hin, erstmals zur internationalen Bäckermesse in Los Angeles. Voriges Jahr reiste er nach Miami im Bundesstaat Florida - mitten in der damaligen Wirbelsturmphase. Als Jens Völker ankam, war die letzte Verheerung in der Stadt erst eine Woche her. Da er vorab Katastrophenbilder in den Nachrichten sah, bereitete er sich auf chaotische Zustände vor. Doch in Miami angekommen erwartete ihn eine Überraschung: Von Unwetterschäden war kaum noch etwas zu sehen. "Die Leute dort packen gemeinsam an, räumen das Zeug weg und fertig ist der Lack. Die Deutschen jammern erstmal", so Völker. Das sei auch der Bürokratie in Deutschland geschuldet, in Amerika seien viele Dinge weniger reglementiert. Das bewundert er, ebenso die Tatsache, dass die meisten Amerikaner mit Patriotismus ihre Nationalfahne vor dem Haus hängen haben - für ihn ebenfalls ein Zeichen dieser Zugehörigkeit.

"Ich weiß, dass das Gefühl in den nächsten WM-Wochen auch in Deutschland wieder auftritt, oder auch, wenn die nächste Hochwasserkatastrophe kommt. Aber generell fehlt es", so Völker. Daher erinnert ihn seine Fahne täglich, wenn er aus seinem Haus tritt, daran, dass es auch anders laufen kann. Auch wenn ihm klar ist, "dass nicht alles Gold ist, was glänzt" - auch in den USA nicht. Aber auch der vielkritisierte Präsident Donald Trump macht nach Jens Völkers Ansicht vieles richtig, er sei eben Geschäftsmann. Hausieren geht Jens Völker mit seinen Ansichten nicht. Wie er erzählt, antworte er aber, sobald er auf die Fahne vor seinem Haus angesprochen wird. Das sei in den letzten Tagen häufig passiert, auch die Besucher der Bäckerei zeigen sich neugierig. Das gefällt wohl nicht jedem. Am Montag flatterte das Sternenbanner nämlich nicht mehr an der Bundesstraße. "Die haben sie mir direkt gestohlen am Wochenende", sagt Völker. Einen Verdacht habe er bislang nicht.

Durch den Fahnenklau fühle er sich aber erst recht in seiner Meinung bestätigt. "Wenn die neue Fahne wieder geklaut wird, hänge ich eben eine noch größere auf", sagt er. Während die erste Fahne noch 1.50 Meter mal 90 Zentimeter groß war, ist schon die zweite Version mit 1.50 mal 2.50 Metern angewachsen. Selbst zur Nadel greift Jens Völker übrigens nicht, er greift bei der Fahnenbeschaffung auf das Internet zurück.

 
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Kommentare
1
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  • 14.06.2018
    17:14 Uhr

    ralf66: Ob man mit hissen der US-Fahne den Patriotismus und ein besseres Zusammengehörigkeitsgefühl in Deutschland fördern und stärken kann bezweifele ich ganz stark. Man ist auch kein Rechter, wenn man sich zum Nationalismus bekennt, ein gesunder Nationalismus tut keinem was, alle Länder um Deutschland herum pflegen sehr stark ihren Nationalismus!
    Im Nachbarland Tschechien, wehen vielerorts ständig auf Grundstücken Fahnen, aber keine US-Fahnen oder gar deutsche, sondern die Fahne der tschechischen Republik!

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