Warum das Erzgebirge ein Goldgebirge ist

Im Erzgebirgskreis werden die meisten erfolgreichen Olympiastarter geboren. Dass dies so bleibt, darauf lässt sich sogar wetten.

Annaberg-Buchholz.

Hans Mehlhorn? Olympiabronze 1932? Einer aus dem Erzgebirge? Im Fünferbob? Es stimmt. Der vor 118 Jahren in Aue geborene Sportler steht als Erster in der Reihe erfolgreicher Erzgebirger. Und die sind Spitze, zumindest bezogen auf die Ausbeute bei Olympischen Spielen. "Der Erzgebirgskreis ist die Heimat von Deutschlands erfolgreichsten Olympioniken. Im Wettstreit der Landkreise ist er unangefochtener Spitzenreiter. Der einwohnerreichste Kreis Sachsens hat mit 21Gold-, 17Silber- und 12Bronzemedaillen das Edelmetall quasi für sich gepachtet", versichert René Itrich von der Firma Wis Ltd. Die sitzt zwar im warmen Malta, befasst sich aber mit dem Portal sportwettenvergleich.net auch mit Wintersport.

Als eine "Speerspitze der deutschen Wintersporttradition" wird darin Oberwiesenthal bezeichnet. Das Leistungszentrum, das bereits in der DDR bestand, ist maßgeblich daran beteiligt, dass der Erzgebirgskreis in der Statistik vor dem Berchtesgadener Land und anderen Hochgebirgsregionen liegt, auch nach den Spielen 2018 in Pyeongchang.

Wer hinter die Kulissen schaut, entdeckt wie bei jeder Statistik Fallstricke. Denn in jener, die hier mit einem Augenzwinkern "zerlegt" wird, jedoch auf nachvollziehbaren Hintergründen beruht, geht es ausschließlich um die Geburtsorte der Athleten. Das führt zu "leichten" Verschiebungen um Gold- und andere Medaillen. Zum Beispiel werden die Plaketten des Sven Hannawald (1 Gold, 2 Silber, 0 Bronze) dem Erzgebirgskreis zugerechnet. Zwar ist Hannawald wie Jens Weißflog und Richard Freitag in Erlabrunn geboren, hat aber das Skispringen im Vogtland erlernt und ist dann für den SC Hinterzarten gestartet. Auch Ricco Groß (4/3/1), ein gebürtiger Schlemaer, wirft eine Menge Olympiamedaillen in die Erzgebirgsschale, obwohl er sich diese in Zinnwald und später in Ruhpolding erarbeitet hat. Und dann taucht da noch Andreas Kirchner (1/0/1) auf, der in Erlbach-Kirchberg das Licht der Welt erblickte, und im Bob des Oberhofers Wolfgang Hoppe siegreich durch den Eiskanal raste.

Sind also 6Gold-, 5 Silber- und 2Bronzemedaillen "geklaut"? Mitnichten! Denn auf der anderen Seite gehen dem Erzgebirgskreis sogar satte 8 Goldplaketten "verloren", im Rodeln und in der Nordischen Kombination. Denn die wurden allesamt am Fichtelberg, der "Speerspitze der deutschen Wintersporttradition", durch hartes Trainieren erarbeitet, zählen aber für andere. Bitter, dass die Rennschlittenpiloten Ortrun Enderlein in Trünzig, Thomas Köhler in Zwickau, Sylke Otto in Chemnitz und Kombinierer Ulrich Wehling in Halle/Saale ihre ersten Schreie abgegeben haben, sonst wäre das Erzgebirge längst in Goldgebirge umbenannt worden.

Doch fairerweise - hier geht es ja um sauberen Sport - muss gesagt werden, dass sportwettenvergleich.net auch Erzgebirgsverfolger Berchtesgadener Land "betrügt". Der hat zwar beispielsweise Felix Loch in den Westen gelotst, muss aber dessen 3 Goldmedaillen dem thüringischen Sonneberg abtreten. Und Berlin, das in der Kreisstatistik der Winterspiele auf Rang 3 liegt, profitiert großteils von "Renn-Omi" Claudia Pechstein. Sie hat allein 5der 15Olympiasiege für die Hauptstädter vom Eis geholt.

Und warum werden im Erzgebirge die meisten Wintersportmedaillenkinder geboren? Mehr Schnee als in den Alpen liegt hier ja nicht, Eis- und selbst Rennrodelbahnen gibt es keine, entgegen manchen Gerüchten werden Babys nicht direkt aus dem Kreißsaal in Sportkinderkrippen verfrachtet, auf Teufel komm' raus keine Geburtskliniken gebaut - auch früher nicht. Niemand weiß also genau, woran das liegt.

Den Menschen im Erzgebirgskreis darf die Antwort - bislang zumindest - Wurst sein. Sie haben größten Anteil daran, dass Sachsen Dritter in der deutschen Länderwertung ist. Im Klassement der erfolgreichsten Geburtsorte hat Annaberg-Buchholz (4/3/4, Platz 14) Erlabrunn (5/7/1, Platz 10) übrigens fast eingeholt. Eric Frenzel sei Dank. Der trägt nun mit Kumpel Richard Freitag das Erzgebirgs-Klinik-Duell in Peking 2022 aus. Wetten?


Oberwiesenthals Goldige

Olympiasieger, die am Fichtelberg trainier(t)en:

1964:Ortrun Enderlein Rennschlitten

Thomas Köhler Rennschlitten

1968:Thomas Köhler/Klaus-Michael Bonsack Rennschlitten, Doppels.

1972:Ulrich Wehling Nord. Kombin.

Anna-Maria Müller Rennschlitten

1976:Ulrich Wehling Nord. Kombin.

Dettlef Günther Rennschlitten

1980:Ulrich Wehling Nord. Kombin.

Barbara PetzoldLanglauf, 10 km

Barbara PetzoldLanglauf, Staffel

1984:Jens Weißflog Skispringen

Steffi Martin Rennschlitten

1988:Steffi Martin Rennschlitten

1994:Jens Weißflog Skispringen, Einzel

Jens Weißflog Skispringen, Team

2002:Viola Bauer Langlauf, Staffel

Claudia Künzel/Nystad Langlauf, Staffel

Sylke Otto Rennschlitten

2006:Sylke Otto Rennschlitten

2010:Tatjana Hüfner Rennschlitten

Claudia Künzel/Nystad Langlauf, Team

2014:Eric Frenzel Nordische Kombina- tion, Einzel

2018:Eric Frenzel Nordische Kombina-tion, Einzel und Team

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