Bäumchen pflanzen für die Städtefreundschaft

Regelmäßig fliegen die Hebammen, Eltern und Freunde des Geburtshauses "Glühwürmchen" nach Israel, um Olivenbäume für Babys zu pflanzen. Die jüngste Reise hatte aber noch ein anderes Anliegen.

Annaberg-Buchholz.

50 Weinstöcke und 30 Olivenbäume haben Erzgebirger vor Kurzem in Israel gepflanzt. Mittlerweile wachsen die Pflanzen für die neugeborenen Babys des Geburtshauses "Glühwürmchen" in Annaberg-Buchholz bereits an drei verschiedenen Orten des Landes. Dieses Mal waren Hebamme und Geburtshausgründerin Tamar Küchler und ihre Mitstreiter in Maale Yosef. Doch warum gerade Israel? Zum einen aus Liebe zu dem Land, wie Tamar Küchler vor der ersten Pflanzaktion 2013 sagte. Auch ihr christlicher Glaube spielt eine Rolle. Zudem steckt natürlich ein Erinnern und Versöhnen hinter der Aktion. So waren bei der ersten Pflanzaktion 2013 auch Überlebende des Holocausts dabei.

Hintergrund für den jetzigen Ortswechsel - zuvor wurden die Olivenbäume in Jerusalem und Maale Adumim gepflanzt - sind Bemühungen, mit Maale Yosef eine Städtefreundschaft zu leben. Entstanden war diese Idee im vergangen Jahr. Sally Ido lebt in Maale Yosef, setzt sich für Austausch und Aussöhnung ein. Über eine Bekannte wurde sie auf Annaberg-Buchholz aufmerksam. Sie wandte sich an Ulrike Bernhardt, die sich seit Langem gegen das Vergessen und für das Gedenken an den Holocaust einsetzt. Im Herbst 2016 trafen sich im Geburtshaus Interessierte, die sich eine Städtefreundschaft mit dem israelischen Ort vorstellen können. Dabei wiederum kam auch die Idee auf, die "Glühwürmchen"-Pflanzaktionen auf Maale Yosef auszuweiten.

"Es war das erste Treffen zwischen unseren Städten in Isreal", so Tamar Küchler. Die Annaberger trafen unter anderem den Bürgermeister, eine Rede des Annaberger Oberbürgermeisters wurde verlesen. Die Erzgebirger überbrachten zudem eine Einladung zu den Klöppeltagen. Während des Besuches fand auch ein Treffen mit Jugendlichen aus sozial schwachen Familien statt. "Sie werden sich um unsere Bäumchen kümmern", sagt Küchler. Sie freute sich sehr darüber, dass an dem neuen Olivenhain für die "Glühwürmchen"-Kinder sogar eine Tafel errichtet wurde. "Es war sehr bewegend", bestätigt Ulrike Bernhardt. Sie findet es toll, dass durch das Bäumchenprojekt die Städtefreundschaft nun konkret wird. Ein Stück Annaberg in Maale Yosef.

Einer der Olivenbäume wurde für die kleine Sophia gepflanzt. Sie ist die Tochter von Michaela und Sepp Hunger und kam im vergangenen September im Geburtshaus auf die Welt. "Ich kannte die Aktion schon vorher, fand die Idee dahinter gut", erklärt Mutter Michaela. Natürlich könnte man auch im heimischen Garten ein Bäumchen für den neuen Erdenbürger pflanzen. Es aber gerade in Israel zu tun, sei ein Zeichen der Verständigung und Versöhnung. "Wir wollten dieses Zeichen bewusst setzen." Zudem sei ein Baum ein starkes Symbol. Schließlich muss er über Jahre wachsen, er braucht Pflege und Zeit.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...