Bergbaumotive erinnern an eigenes Leben

Lüftlmalerei ziert die Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute: von Familie Ziller in Schlettau.

SCHLETTAU.

28 Jahre lang war Jürgen Ziller Bergmann. Der Schlettauer hat bei der SDAG Wismut gearbeitet, übte in Alberoda unter anderem die Tätigkeit eines Hauers aus. Zuletzt hat war er in Pöhla Steiger. Er hat später das Besucherbergwerk "Markus Röhling" in Frohnau mit aufgebaut und war von 2005 bis 2011 Leiter des Schaubergwerkes in Waschleithe. "Mein Gedanke war, nach Ende der Berufsära bei der Wismut eine dauerhafte Erinnerung an diese bewegte Zeit an der Hausfassade zu schaffen." Einmal Bergmann, immer Bergmann. 2001 hat Matthias Nestler aus Geyer mit Akribie das Haus in der Neugasse mit einer wunderschönen Malerei verziert, auf die Jürgen Ziller und seine Familie richtig stolz sind. "Es ist einfach wunderschön geworden", sind seine Ehefrau und er einer Meinung.

Auf den Künstler aus der Bingestadt war der 68-Jährige durch einen Arbeitskollegen aufmerksam geworden. "Ich habe meine Vorstellungen geäußert und nach Vorlage und einigen Absprachen zum Entwurf hat Matthias Nestler losgelegt", erinnert sich der Bergbaudiplomingenieur im Ruhestand. Das Motiv ist mit Blick auf seine berufliche Laufbahn sozusagen hausgemacht, Details sind wohlüberlegt. "Ich wollte unbedingt auch einen Bergmann in Arbeitskleidung - einen Hauer, so wie er eingefahren ist, mit auf dem Gemälde haben. Denn meist werden immer nur Paradeuniformen favorisiert", so der gelernte Gruben-Elektroschlosser.

Der weitaus höher gestellte Bergbeamte fehlt aber dann doch nicht an der Fassade. Und auch den hat Jürgen Ziller nicht rein zufällig ausgewählt. "Es ist ein Schichtmeister. Das war einst die höchste Dienststellung im Schlettauer Bergbau", erklärt der Experte auf diesem Gebiet. Zum Bild erläutert er, dass nur Bergbeamte einen Säbel tragen durften. Und er stellt deutlich klar, dass es sich beim Habit um eine Uniform und keineswegs um eine Tracht handelt. Das gesamte Bild spiegelt die Zeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert wieder. An eine Bergbaulandschaft aus dieser Zeit erinnert das mittlere große Gemälde. Ein- und ausfahrende Bergmänner, ein Stollnmundloch, ein Pferdegöpel, Wald und viel Natur, in der Ferne der Blick auf Schlettau. Ebenso grüßt der Scheibenberg. "Der mittlere Teil spiegelt die einstige Bergbaulandschaft des Erzgebirges wider", so Ziller. Die ganze malerische Schönheit hat an der Wand zur Terrasse und zum Hauseingang ihren Platz gefunden. Hier passt sie zudem am besten zum benachbarten malerischen Garten. Und Jürgen Ziller hatte nach einigen Überlegungen einen guten Grund, warum ausgerechnet dort das Kunstwerk von Matthias Nestler seinen Platz gefunden hat. An so manchem lauen Sommerabenden sitzt er davor und schwelgt in Erinnerungen. Dann denkt er oft an seine eigene bewegte Bergmannszeit zurück. "Außerdem erinnert das Gemälde an die schwere Arbeit der Bergleute und an die Bergbaulandschaft, die unser Erzgebirge einst prägte", so der Schlettauer. Und wenn er dann zum Erzählen kommt, gerät er regelrecht ins Schwärmen.

Wer kennt oder hat selbst ein solch tolles Bild an seiner Hausfassade? Kontakt: Ruf 03733 14113141 oder red.annaberg@ freiepresse.de

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