Bergbrüder oder Bergkameraden? Bezeichnung sorgt für Debatte

Einigkeit herrscht bei den Mitstreitern der Brüderschaften, dass die Vereine untereinander einen kameradschaftlichen Umgang pflegen. Nicht ganz so einfach ist das mit den Begrifflichkeiten. Ein Beispiel dafür birgt das "Bergglöckchen".

Annaberg-Buchholz.

Sind Bergbrüder und Bergschwestern auch Bergkameraden und Bergkameradinnen? Was wie Wortklauberei klingt, ist im Kreise von Bergleuten durchaus ein strittiges Thema. Denn Bergkameradinnen und Bergkameraden bekommen Mitglieder der erzgebirgischen Knapp- und Brüderschaften seit einigen Jahren immer öfters zu hören oder zu lesen. So bei ihren Hauptquartalen, also ihren Jahreshauptversammlungen, bei Veranstaltungen des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten und Knappenvereine und im "Bergglöckchen", der Zeitschrift des Sächsischen Landesverbandes. So schrieb Vorsitzender Ray Lätzsch in der aktuellen Ausgabe davon, dass "letztendlich zwei Bergkameraden" für den Vorstand gewonnen werden konnten.

Nicht wenige Mitglieder in den Vereinen, die sich die Bewahrung des bergmännischen Brauchtums auf die Fahnen geschrieben haben, wundern sich über diese Bezeichnungen, auch wenn sie nichts Schlimmes daran finden. Aber gehören Bergkameraden und die Bergkameradinnen dann eben auch nicht in die Rubrik der Bergsteiger und Bergwanderer? Die einschlägige Literatur weißt in jedem Fall darauf hin. Wortklauberei will hier freilich niemand betreiben. Aber es bestehe durchaus Klärungsbedarf, ist aus den Reihen der Brüder- und Knappschaften zu hören.


"Am Anfang habe ich gar nicht so darüber nachgedacht, wenn von Bergkameraden die Rede war. Aber ich denke, es gibt nur Bergbrüder und Bergschwestern bei uns, jede andere Bezeichnung ist wahrscheinlich falsch", betont Volker Hahnel, langjähriges Mitglied der Bergbrüderschaft Thum. Jürgen Bochmann, ebenfalls Mitstreiter bei den Thumern meint, dass Bergkameraden doch eigentlich Bergsteiger sind. "Wir sind Bergbrüder", stellte der Gäste- und Wanderführer klar. Jürgen Fröhlich feiert im April seine 50-jährige Mitgliedschaft in der Berggrabebrüderschaft Ehrenfriedersdorf. Er verwehrt sich nicht unbedingt gegen die Bezeichnung Bergkamerad: "Aber Bergbruder kommt von Brüderschaft und bei uns zählt eigentlich nur die Bezeichnung Bergbruder", so der Ehrenfriedersdorfer. Rene Fröhlich ist seit 35 Jahren Mitglied in der Ehrenfriedersdorfer Vereinigung. "Der Begriff Bergkameradinnen und Bergkameraden ist sicherlich dehnbar. Traditionell sind wir aber Bergschwestern und Bergbrüder, ein anderer Begriff ist nach meinem Kenntnisstand im Erzgebirge nicht so gängig", so Fröhlich. Peter Haustein ist seit 2005 Vorsitzender der Berg-, Knapp- und Brüderschaft Jöhstadt. Sein Kommentar zum Thema ist kurz und bündig: "Bei uns gibt es nur Bergschwestern und Bergbrüder im Verein, mehr nicht".

Johannes Langer, Vorsitzender der Bergknapp- und Brüderschaft Oberscheibe/Scheibenberg, lehnt die Bezeichnung Bergkamerad oder Bergkameradin strikt ab. "Die ist meiner Meinung nach falsch, denn dabei handelt es sich um Seilschaften im Sinne des Bergsteigens", so Johannes Langer.

Einigkeit herrscht bei den Mitstreitern der Brüderschaften freilich dahingehend, dass die Vereine untereinander einen kameradschaftlichen Umgang pflegen und auch innerhalb der Gemeinschaften Kameradschaft groß geschrieben wird. Das bestätigt auch Heino Neuber, 2. Vorsitzender des Sächsischen Landesverbandes der Bergmann-, Hütten- und Knappenvereine. Gleichzeitig räumte er ein, dass die unterschiedlichen Bezeichnungen für die Mitstreiter in den Vereinen zur bergmännischen Traditionspflege mitunter verwaschen worden sind. "Die Bezeichnungen Bergbrüder und Bergkameraden können durchaus nebeneinander verwendet werden", so der Sprecher des Landesverbandes und Experte in Sachen bergbaulicher Traditionspflege. Mit Blick auf die Historie machte Neuber deutlich, dass die Bezeichnung Bergkameraden schon früher in Bezug auf den Bergbau, so unter anderem im hiesigen Steinkohlenbergbau, gebraucht wurde und recht alt ist. Der Ausdruck Bergschwestern und Bergbrüder sei sehr kirchlich geprägt, so Neuber. Außerdem verweist der 2. Vorsitzende und Sprecher des Landesverbandes darauf, dass der Begriff Bergkameraden nicht zuletzt auch vom aktiven Bergbau herrührt.

Alte Aufzeichnungen und Schriften bestätigen dies. So unter anderem Unterlagen über das schwere Grubenunglück im August 1938 in der Ehrenfriedersdorfer Zinngrube mit vier Todesopfern. In den Aufzeichnungen wird von geretteten Berufskameraden und eingeschlossenen Kameraden berichtet. Auch Frank Roch, Vorsitzender der Berg-, Knapp- und Brüderschaft "Glück Auf" zu Frohnau, findet die kameradschaftliche Bezeichnung nicht ungebräuchlich. "Kameraden mussten und müssen sich immer aufeinander verlassen können, das war und ist im Bergbau lebenswichtig." Dass die Bezeichnung Bergkameraden gebraucht wird, ist für ihn nicht unbedingt ein Problem. "Allerdings ist Bergbrüder oder Bergschwestern der gebräuchlichste Ausdruck im gläubigen Erzgebirge, während Bergkamerad oder Kameradin wohl eher mehr die weltliche Bezeichnung ist", so Roch.

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