"Dorfgemeinschaft"-Autor Helmut Brückner erhält Landespreis für Heimatforschung

Den Sächsischen Landespreis für Heimatforschung hat in diesem Jahr Helmut Brückner erhalten - für sein Buchprojekt "Dorfgemeinschaft". Für den Chronisten aber kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Geyersdorf.

"Es ist eine schöne Anerkennung und ich bin schon ein bisschen stolz darauf." Helmut Brückner, engagierter Ortschronist von Geyersdorf, gibt sich bescheiden. Denn wenn er forscht und in alten Akten stöbert, dann bestimmt nicht um eine Auszeichnung dafür zu bekommen. Jetzt ist dem 67-Jährigen im Stadtmuseum Dresden trotzdem eine ganz besondere Ehrung zuteil geworden: Er wurde mit dem diesjährigen Sächsischen Preis für Heimatforschung geehrt. Am gestrigen Donnerstag folgte die öffentliche Ehrung im Rathaus der Stadt Annaberg-Buchholz. Dabei würdigte Oberbürgermeister Rolf Schmidt die fundierte wissenschaftliche Arbeit des Chronisten. Die Dokumentation "Dorfgemeinschaft", für welche Helmut Brückner die Auszeichnung verliehen wurde, sei ein "echter Schatz für die Stadt". Stadtsprecher Matthias Förster vermutet sogar, dass ein solch akribisches Kompendium dörflicher Geschichte wohl weltweit "fast einzigartig" ist.

"Sicherlich hatte ich mit irgendetwas gerechnet, aber dass es dieser Preis werden würde, hat mich schon überrascht", sagt der gebürtige Königswalder und langjährige Geyersdorfer. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr zum zwölften Mal vergeben worden. Neben dem Preis für die Heimatforschung werden dabei ein Jugendförderpreis und ein Schülerpreis vergeben. Insgesamt hatte es dafür in diesem Jahr 104 Bewerbungen gegeben. Die Ehrung hat Helmut Brückner für sein Mammutwerk "Dorfgemeinschaft" erhalten - eine Rekonstruktion der Gesamtbevölkerung in der "merkwürdigen Ortschaft" Geyersdorf. "Merkwürdig deshalb, weil der Ort lange Zeit einen Status zwischen Dorf und Stadt besessen hat", so der Chronist. Selbst Wissenschaftler interessieren sich brennend für sein umfangreiches Projekt. In ganz Deutschland hat das Werk schließlich ein Alleinstellungsmerkmal: Es gibt in deutschen Gefilden keine vergleichbare Arbeit, in der Geschichte und Details über ein Dorf über einen solch langen Zeitraum lückenlos aufgearbeitet worden sind, erläutert der Chronist. "Das ist auch so etwas wie ein wissenschaftlicher Ritterschlag", kommentiert der ehemalige Theatermaler und Massefigurenhersteller.

Helmut Brückner, der sich schon seit seiner Kindheit für geschichtliche Dinge interessiert, gibt zu, dass man für derartige akribische Forschungen durchaus geboren sein muss. Für die "Dorfgemeinschaft" hat der Geschichtsexperte die gesamte Bevölkerung von Geyersdorf von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts recherchiert. Rund 9000 Arbeitsstunden hat der Chronist innerhalb von fünf Jahren in dieses Projekt gesteckt. Denn begonnen hat die Arbeit an der "Dorfgemeinschaft" im Jahr 2014 nach einer lexikalischen und kompletten Aufarbeitung der Geyersdorfer Kirchenbücher. Herausgekommen sind nach fünf Jahren sechs Bände mit einem Umfang von jeweils 320 Seiten.

Helmut Brückner ist Ortschronist mit Leib und Seele und befindet sich schon allein deshalb im ständigen Unruhestand. Und sein Forscherdrang ist ungebremst. Aktuell arbeitet er an einem Buch anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Annaberger Kät. Der erste Teil seiner neuesten Forschungsarbeit ist fast fertig. Fünf Teile - aus verschiedenen Zeitepochen - sollen es werden. Bei seiner Arbeit bleibt Bodenständigkeit für den Geschichtsexperten des A und O. Und einen Grundsatz verdeutlicht der Chronist immer wieder: "Wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft".

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