Student meistert Rekord-Gipfel

Der Chemnitzer Student und Extrembergsteiger Jost Kobusch hat die Carstensz-Pyramide, die höchste Erhebung Ozeaniens, auf der Insel Neuguinea über eine neue Route bezwungen. Dabei hatte der 26-Jährige mit widrigen Bedingungen zu kämpfen.

Chemnitz.

Im Vorjahr hatte er Geschichte geschrieben: Als erster Mensch bezwang Jost Kobusch den schwer zugänglichen, knapp 7300 Meter hohen Nangpai Gossum II im Himalaya. Die Extremtour meisterte er ganz allein. Der 26-Jährige ist Profi-Bergsteiger und studiert an der Technischen Universität Chemnitz Sports Engineering. "Der Reiz lag für mich schon immer darin, persönliche Grenzen zu überschreiten. Ich wollte an den Dingen arbeiten, die ich am schlechtesten kann", hatte Kobusch nach seiner Rückkehr aus dem Himalaya im Gespräch mit der "Freien Presse" erklärt. Unglaublich, aber wahr: Als Junge hatte er Höhenangst, konnte im Freibad nicht mal vom Dreimeterbrett springen.

Umso höher ging es später mit ihm hinaus. Und vor wenigen Tagen ist Kobusch von einer weiteren, spektakulären Expedition zurückgekehrt: Der TU-Student hat die Carstensz-Pyramide in Papua/West-neuguinea bestiegen. Dieser Berg ist mit 4884 Metern Höhe die höchste Erhebung Ozeaniens (Pazifik) und weltweit der höchste Berg auf einer Insel. Benannt ist sie nach dem niederländischen Seefahrer Jan Carstensz, der im 17. Jahrhundert den Berg erstmals beschrieb. Die Carstensz-Pyramide gilt als einer der technisch anspruchsvollsten "Seven Summits" - damit werden die jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente bezeichnet. Den Gipfel erreichte Kobusch als Höhepunkt einer mehrmonatigen Expedition durch den indonesischen Dschungel. Der 26-Jährige war von Ende Juli bis Mitte Oktober unterwegs. In dieser Zeit gelangen Kobusch insgesamt sechs Besteigungen der Carstensz-Pyramide, darunter eine von ihm erstbegangene Route, die er am Berg völlig durchnässt und mit nur noch einer Scheibe Toastbrot als Proviant startete: "Das war der schwierigste Zustieg, den ich jemals erlebt habe", sagte der 26-jährige TU-Student.

Die Expedition sei aus verschiedenen Gründen außergewöhnlich gewesen, fügte Jost Kobusch hinzu. Schon der Zustieg auf den Berg sei für ihn durch die enorme Nässe in der Region extrem gewesen: "Das Problem war, dass es wirklich jeden Tag geregnet hat. Bei knietiefem Matsch bin ich fast 100 Kilometer durch wilde Natur gelaufen", berichtete Kobusch. Begleitet wurde er von Trägern, die zugleich "die aktivsten Rebellen der Region sind." Die Region Sulawesi gelte als politisch instabil und umkämpft. "Vor diesem Hintergrund ist die Expedition nicht nur sportlich, sondern auch mental eine Herausforderung gewesen", sagte der junge Mann. Letztlich zog Kobusch jedoch ein positives Fazit seines jüngsten Abenteuers: Nicht nur, dass er die Carstensz-Pyramide solo bestiegen und eine neue Route gefunden habe - er sei zudem besonders umweltbewusst unterwegs gewesen: "Ich wollte auf Helikopter verzichten und zeigen, dass man so eine Expedition auch unter geringem Ressourceneinsatz gestalten kann. Das habe ich geschafft", unterstreicht der in der Nähe von Bielefeld aufgewachsene Extremsportler.

Kobusch gibt unumwunden zu, dass er sich im Verlauf seiner bisherigen Touren schon mehrfach in Lebensgefahr befand. Die prekärste Situation erlebte er im April 2015 bei einem Lawinenabgang in Nepal. Kobusch hielt sich gerade im Basislager des Mount Everest auf, als die Eismassen in die Tiefe donnerten - und über ihn hinwegrauschten. Wie durch ein Wunder überlebte Kobusch, kam mit dem Schrecken davon. Sein jüngster Trip nach Papua/Westneuguinea wird garantiert nicht sein letzter gewesen sein.

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