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Amrei Franke ist auf den Rollstuhl angewiesen. Sie hofft, ihren Alltag mit einem Assistenzhund noch besser bewältigen zu können.

Foto: Andreas Seidel

Junge Frau sucht vierbeinigen Gefährten

Eine Chemnitzerin, die im Rollstuhl sitzt, hat eine Spendenaktion in eigener Sache gestartet. Was sie möchte, ist mehr als nur eine praktische Hilfe.

Von Jana Peters
erschienen am 22.03.2018

Ein strahlendes Lächeln, ein fester Händedruck, ein offener Blick. Es sind die Attribute einer selbstbewussten Frau. Amrei Franke hat sie alle. Viele Chemnitzer könnten die 29-Jährige in nächster Zeit kennenlernen. Aber nicht, weil sie in der Öffentlichkeit steht. Darum hat sich Franke diesen Schritt auch reiflich überlegt. Denn die Chemnitzerin sitzt im Rollstuhl und hat eine Spendenaktion in eigener Sache gestartet. Sie verteilt sehr persönliche Briefe, in denen sie ihr Anliegen erklärt. Sie sammelt Geld für einen Hund, einen sogenannten Assistenzhund, der ihr den Alltag erleichtern soll. Sie hofft, dass ihr der Vierbeiner auch eine mentale Hilfe sein wird. Denn nicht immer fühle sie sich so stark, wie sie wirkt.

Die 29-Jährige leidet unter einer Muskeldystrophie, einem Gendefekt, bei dem Muskeln nach und nach zerstört werden. Ihre Eltern tragen beide die Genmutation in sich, ohne etwas davon gewusst zu haben. Erst bei der Tochter trat die Krankheit auf, was in den ersten Lebensjahren jedoch unentdeckt blieb. Frankes Bruder, der ein Jahr älter ist als sie, ist ebenfalls betroffen. Erste Anzeichen für eine Krankheit seien aufgetreten, als sie zwölf Jahre alt war, berichtet die junge Frau. "Bis dahin waren wir unsportlich, aber sonst wie die anderen Kinder", sagt Franke. Sie habe oft Bauchweh gehabt, Tests wurden gemacht. Ihre Leberwerte gaben schließlich den entscheidenden Hinweis: Dort fand sich ein Abbauprodukt der Muskeln, die sich zersetzten. "Irgendwann konnte ich nicht mehr rennen", schildert sie. Heute nutze sie einen Rollstuhl, komme zu Hause aber noch mit Gehhilfen zurecht. "Beim Aufrichten brauche ich Hilfe, weil auch meine Bauch- und Rückenmuskulatur betroffen sind", schildert sie. Den Verlauf der Krankheit könne man nicht vorhersagen, "aber es wird dauerhaft auf den Rollstuhl hinauslaufen, später auf einen E-Rolli".

Trotz dieser Einschränkungen will Franke ihren Teil zur Gesellschaft beitragen, sagt sie. Nach dem Abitur studierte sie an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege Meißen und arbeitet heute am Amtsgericht. Franke lebt allein. Zwar habe sie viele Freunde und eine starke Familie, einsam sei sie trotzdem. "Mit der Krankheit bin ich allein, keiner kann das genau nachspüren." In den Momenten, wenn Sorgen und Ängste überhand nehmen, hoffe sie, der Hund werde ihr Kraft geben, "ein Gefühl der Sicherheit". Doch nicht nur mental kann das Tier helfen. Es kann Lichtschalter betätigen, beim An- und Ausziehen helfen, Sachen aus der Waschmaschine holen oder Vorhänge öffnen. "Neulich bin ich gestürzt und musste quer durch die Wohnung zum Telefon robben", beschreibt Franke. Der Hund könnte ihr in solchen Notsituationen das Telefon bringen.

Schon vor Jahren sei Franke auf die Idee mit dem Hund gekommen. Allerdings werden die Tiere nicht wie Blindenbegleithunde von der Krankenkasse bezahlt. Die Kosten belaufen sich auf rund 26.000 Euro. Zunächst habe sie sich nicht getraut, mit einer Spendenaktion an die Öffentlichkeit zu gehen. Bis jetzt.

"Ich habe sie darin bestärkt, sich um einen Assistenzhund zu kümmern", sagt Nicole Hähle. Sie ist nicht nur Frankes Physiotherapeutin, sondern auch ihre Freundin. "Ich bin zutiefst beeindruckt von ihr", sagt Hähle. "Sie hat die Gewissheit, irgendwann nicht mehr ohne fremde Hilfe auszukommen, und schafft es trotzdem, Freude in mein Leben zu bringen." Doch es gebe auch Momente, in denen Amrei Franke zweifle und mutlos sei. Die Spendenaktion zu starten, habe sie viel Kraft gekostet, erläutert Hähle.

Ausgebildet wird der Hund beim Verein Patronus-Assistenzhunde in Mecklenburg-Vorpommern. Dorthin gehen auch die Spenden. Thomas Gross vom Verein erklärt, wie die hohen Kosten für einen Assistenzhund entstehen: Nach dem Ankauf erhalte das Tier - für Franke vielleicht ein Labrador oder Golden Retriever - eine Grundausbildung, die zwei Jahre dauere. Ein weiteres halbes Jahr werde es nach den Bedürfnissen des zukünftigen Herrchens trainiert. "So ein Hund verändert das Leben", sagt Gross. Er schaffe mehr Unabhängigkeit, "und er ist ein Türöffner ins soziale Leben".

Spenden an: Patronus-Assistenzhunde e.V., Postbank, IBAN: DE64 1001 0010 0908 5271 05, BIC: PBNKDEFF, Stichwort: Amrei

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
2
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 22.03.2018
    19:33 Uhr

    thteubert: habe 100? gespendet, ich weiss wie wichtig ein Hund sein kann

    0 3
     
  • 22.03.2018
    16:51 Uhr

    cn3boj00: Gerne habe ich mich mit einer Spende beteiligt und wünsche viel Glück!

    0 5
     

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