Stadträte uneins: Wer soll Stadion künftig betreiben?

Nach der CFC-Insolvenz will die Stadt den Pachtvertrag mit dem Verein kündigen. Darüber herrscht parteiübergreifend Konsens. Die Rathaus-Idee, die Geschäfte der GGG zu übertragen, sehen die Räte skeptisch. Sie haben andere Vorschläge.

Kurz nachdem er die Bücher des Fußballclubs geöffnet hatte, signalisierte Insolvenzverwalter Klaus Siemon: Der CFC wird seiner Verpflichtung, 180.000 Euro an die Stadtkasse zu überweisen, nicht nachkommen können. So hoch wäre die jährliche Stadion-Pacht, die der Club auch als Viertligist laut Vereinbarung zahlen müsste. Deshalb schlägt die Verwaltung dem Stadtrat in der Sitzung am Mittwoch die Kündigung des Pachtvertrages vor.

Die meisten Fraktionen signalisierten Zustimmung, um dem CFC eine wirtschaftliche Chance zu geben, heißt es. "Wir können den Verein nicht verhungern lassen", sagt zum Beispiel CDU-Fraktionschef Tino Fritzsche. Fraktionskollege Ralph Burghart spricht vom wirtschaftlichen Todesstoß, der dem CFC bei weiterlaufendem Pachtvertrag versetzt werden würde. Einzig die AfD sieht nicht die Stadt, sondern den Verein am Zug. Der Insolvenzverwalter müsste die Kündigung schreiben, wenn er den Vertrag nicht mehr erfüllen kann. Jetzt hingegen verzichte die Stadt freiwillig auf Einnahmen, sagt Falk Müller.

Das Minus würde sich auf 150.000 Euro belaufen: Auf Vorschlag der Verwaltung soll ein neuer Pachtvertrag mit der stadteigenen Wohnungsgesellschaft GGG geschlossen werden. Jährlicher Pachtzins: 30.000 Euro. Die GGG könnte das Stadion an jeden Verein oder anderweitigen Nutzer, zum Beispiel Konzertveranstalter, vermieten.

Ob dieser Vorschlag eine Mehrheit findet, ist fraglich. Von den Grünen wird es keine Zustimmung geben, kündigt Petra Zais an. Sie stand dem 27-Millionen-Euro-Stadion von Beginn an skeptisch gegenüber und sagt jetzt: "Die Risiken der Betreibung auf die GGG zu übertragen, wäre unverantwortlich." Zais schlägt vor, dass die Stadt selbst - mit Sportamt oder Gebäudemanagement - die Vermietung der Fußballarena übernehmen sollte.

Das wird nicht klappen, entgegnet CDU-Mann Fritzsche. Vielmehr müssten Vermarktungs-Profis die Vermietung übernehmen - ebenfalls ein Plädoyer gegen die Übernahme durch die GGG. Fritzsche schlägt stattdessen die Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft vor, in der Experten hinzugezogen werden. Maximal als Übergangsvariante für eine Saison könne die GGG dienen, so Fritzsche. Weil der Pachtvertrag mit dem CFC schon zum Monatsende gekündigt werden soll, braucht es per 1. Juli einen Nachfolger. So schnell wäre keine neue Gesellschaft gegründet.

Die Links-Fraktion wird dem Verwaltungsvorschlag hingegen zustimmen, erklärt Fraktions-Vize Dietmar Berger. Er sieht keine Alternative, auch wenn die Stadt dadurch weniger Einnahmen zu verzeichnen habe. Berger: "Unter allen schlechten Lösungen ist diese noch die beste." Den Vorschlag von SPD-Fraktionschef Detlef Müller bewertet er als "reinen Populismus" und nicht mehrheitsfähig. Müller hatte empfohlen, die Arena für alle Chemnitzer zu öffnen - "auch kostenfrei", wie er betont. Das Wichtigste sei aus seiner Sicht, dass auch künftig im Stadion Fußball gespielt wird, nicht nur vom CFC, sondern auch von anderen Vereinen oder von Nachwuchsteams. "Hauptsache ist doch, dass in dem Stadion Leben ist."

Nicht mitdebattieren wird diesmal Susanne Schaper, Vorsitzende der Links-Fraktion. Sie will vorsorglich ihre Befangenheit erklären, "um den Beschluss nicht zu gefährden", kündigt sie an. Hintergrund: Ihr Mann wird den CFC in der kommenden Saison wahrscheinlich als Mannschafsarzt betreuen. Wegen dieser Konstellation werde verwaltungsintern geprüft, ob Schaper - als Frau des künftigen CFC-Arztes - in der Abstimmung über die Stadionbetreibung befangen sein könnte.

Indes bekräftigt der Präsident von BSC Rapid, Christian Scharf, dass sein Angebot, der CFC könne auf dem Platz in Kappel spielen, durchaus ernst gemeint war. Die Miete pro Spiel sei in jedem Fall niedriger als im Stadion an der Gellertstraße. Künftig soll sich der CFC dort tageweise einmieten können. Von 4000 bis 6000 Euro pro Spieltag ist die Rede. "Sollte es im neuen Stadion aus welchen Gründen auch immer nicht gehen, steht unsere Anlage als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung", so Scharf. CFC-Vorstand Andreas Georgi war fest davon ausgegangen, dass es sich um einen ironischen Vorschlag gehandelt hat.

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2Kommentare
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  • 2
    0
    Zeitungss
    19.06.2018

    Der größte Pluspunkt, der Wecker zum AUFWACHEN ist endlich einmal gestellt, man muß ihn nur noch hören.

  • 10
    1
    HHCL
    19.06.2018

    "Wir können den Verein nicht verhungern lassen" - Warum schließt man dann Verträge, die einem Viertligisten Zahlungen auferlegen, die er gar nicht stemmen kann? Hat man wirklich geglaubt, dass der CFC nach dem Stadionneubau nie wieder absteigt? Die ganzen Überlegungen, die jetzt angestellt werden, hätte man anstellen müssen, bevor man einen Stadionneubau in zweistelliger Millionenhöhe angeht. Die ganze Rathausspitze kommt mir vor wie eine Kindergartengruppe, der ein Malheur passiert ist und nun ahnungslos und aufgeregt versucht das ganze zu lösen.

    Wenn ich hier außerdem lese, das man jetzt, wo das Kind schon im Brunnen liegt, anfängt Vermarktungsprofis zu Rate zu ziehen, fällt mir nichts mehr ein. Sowas macht man auch vorher! Es wäre wohl auch für den CFC besser gewesen, wenn er in der Dritten Liga von Profis gemanagt worden wäre und nicht wie ein Kleingartenverein.



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