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Tim Zitzkat vom "Landhaus" in Annaberg-Buchholz hat Mobiliar und Gegenstände aus dem ehemaligen Spielwarengeschäft am Markt aufgekauft.

Foto: ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Wie geht es nach der Schließung des Traditionsgeschäfts weiter?

Der Spielwarenladen Julius Schreiber gehörte mehr als eineinhalb Jahrhunderte zu Annaberg-Buchholz. Ende 2017 schloss der Laden. Das Mobiliar erhält ein zweites Leben. Und auch in den Geschäftsräumen tut sich was.

Von Elke Schäf
erschienen am 08.02.2018

Annaberg-Buchholz. Am 31. Dezember gingen im Spielzeugladen Julius Schreiber am Annaberger Markt die Lichter für immer aus. Die Wochen und Tage zuvor waren für Doris und Burkhard Liebrenz sehr emotional, wie sie nun mit etwas Abstand resümieren. Aufgrund der Berichterstattung hätten die Erzgebirger begriffen, dass die Fundgrube der großen und kleinen Kinderträume bald nicht mehr sein würde. Eine Vielzahl Leute strömte in den Laden, um Abschied zu nehmen und noch das eine oder andere Spielzeug oder Puppenstubenmöbel zu erwerben. Selbst aus Berlin, Thüringen und von der Ostsee kamen Spielzeugliebhaber, um neben dem Weihnachtsmarkt auch den nostalgischen Laden mit eigenen Augen zu sehen und Weihnachtsgeschenke zu finden. "Wir konnten etwa 98 Prozent unserer Waren verkaufen, ohne etwas verschleudern zu müssen", sagt Burkhard Liebrenz.

Seine Frau erinnert sich an eine besonders rührende Episode: "Eine Dame, die vorher eingekauft hatte, stand mit einem großen Strauß Rosen im Laden und winkte mich heran. Sie umarmte mich und wünschte mir Glück für die Zukunft. Obwohl das Geschäft voller Kunden war, musste ich weinen." Es kamen viele, um dem Ehepaar zum wohlverdienten Ruhestand zu gratulieren. Sie wird im Stadtbild fehlen, die kleine Spielzeugoase mit dem besonderen Ambiente.

Nun steht der Laden leer. Alles ist ausgebaut. Nur die herrlichen Fußbodenfliesen und die schmiedeeiserne Galerie, die wohl um 1850 verlegt beziehungsweisen eingebaut wurden, erinnern an die einstige Geschäftigkeit. Doch nicht nur das. Im Kleinen geht es auch weiterhin weiter. So wird es Puppenstubenmöbel in absehbarer Zeit in der Kunstgalerie Buchheim auf der Großen Kirchgasse zu kaufen geben. Hierfür wird Burkhard Liebrenz, ein gelernter Schreiner, ein großes Puppenhaus fertigen, in dem die Waren ausgestellt werden sollen. Doris will mit ihren Erfahrungen und Kontakten anfangs der Inhaberin zur Seite stehen.

Und auch andere Einrichtungsgegenstände des nostalgischen Ladens bekommen ein zweites Leben. Tim Zitzkat ist der Inhaber der Gaststätte "Landhaus" in Annaberg-Buchholz. Er ist ambitionierter Spielzeug- und Antiquitätenliebhaber. Bereits jetzt sind in seinem Gastraum unter anderem ein Puppenhaus, ein Kaufmannsladen und eine Registrierkasse aus dem Hause Julius Schreiber zu finden. Er hat das übrige Mobiliar erworben und will damit eine ganz besondere Idee verwirklichen. "Mein Hobby ist das Backen. Ich will einen Verkaufsstand in Gestalt einer alten Scheune bauen, mit dem ich auf regionalen und überregionalen Märkten verschiedenes Backwerk, wie Brot, Brötchen, Brezeln, Kuchen etc. anbieten und verkaufen kann. Der Stand soll ein ganz besonderes Flair haben", erläutert Tim Zitzkat.

Der Erzgebirger hat konkrete Vorstellungen. Eine Größe von fünf mal zweieinhalb Meter soll die Scheune haben. Die Vitrinen aus dem Spielzeugladen werden restauriert und dann in der Scheune fest eingebaut. Das Gleiche gilt für die Schubkästen, in denen sich vorher Spielwaren befanden. Dann werden es Backwaren sein. Einen Namen hat der fahrbare Bäckerladen auch schon: "Backstub für de Gutgusch'n". Wahrscheinlich wird dieser urige Shop auf nächsten Kät zu besichtigen sein.

Eine letzte Frage bleibt: Gibt es einen Nachmieter für den Spielzeugladen? Nach dem sich mehrere Interessenten vorgestellt hatten, entschieden sich die Eigentümer, zu denen auch das Ehepaar Liebrenz gehört, für einen Unterwäsche-Händler, der in dem Geschäft eine Filiale eröffnen möchte. Auf Nachfrage wollte die Firma das allerdings noch nicht bestätigen. Man befinde sich noch in Verhandlungen, hieß es. Umbauarbeiten im Geschäft haben aber bereits begonnen. Julius Schreiber, der das Annaberger Geschäft 1854 gründete, wäre aber bestimmt zufrieden mit dieser möglichen Entwicklung. War doch der Handel mit Galanteriewaren, also textilen Waren, auch ein Standbein seines Geschäfts.

 
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