Nahrung für Insekten: Chemnitz erhält Blühstreifen

Damit Bienen Nektar sammeln können, und zur Freude der Städter, haben zwei Gruppen an verschiedenen Orten Wildblumen gesät. Ganz zufällig.

Grüner Rasen gut und schön. Die Anwohner des Reitbahnviertels haben sich wieder bunte Blumen am Annenplatz gewünscht. Zum einen, um sich daran zu erfreuen, zum anderen, um Insekten Nahrung zu bieten, erklärt Stadtteilmanagerin Katrin Günther. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Reitbahnviertel wollten die Angelegenheit auch gern selbst in die Hand nehmen.

Günther erklärt, dass es Absprachen mit der Stadt und dem Grünflächenamt gab. Am Samstag konnte die Arbeit beginnen. Von 8.30 Uhr bis 13 Uhr haben rund 20 Personen, neben Mitgliedern der Bürgerinitiative auch Freiwillige aus dem Grünflächenamt und Vertreter des Naturkundemuseums, den Blühstreifen angelegt. Das schwerste dabei war, die Grasnarbe zu entfernen, so Günther. Danach wurde Sand unter die Erde gemischt und schließlich Samen ausgesät. Günther hofft, dass die Wildblumen zum Stadtteilfest Anfang Juli ein schönes Bild abgeben. Pflegen, vor allem gießen, werden die Mitglieder der Bürgerinitiative den Streifen. Das Naturkundemuseum beteiligte sich an der Aktion, weil dort ein Bienenvolk zu Hause ist, das dann auch auf dem Blühstreifen Nektar und Pollen finden soll, erklärt Günther. Die Samen für die Aktion stammen aus dem Saatgutgarten, ein Projekt, das versucht, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu geben. Aus insektenfreundlichen Wildblumen werden dort Samen gewonnen.


Ebenfalls vom Saatgutgarten hat die Arbeitsgemeinschaft (AG) "Schlossgrün" ihre Samen bezogen. Die Gruppe setzt sich aus Anwohnern des Schlossviertels zusammen, die sich für Umweltthemen engagieren. Manche von ihnen sind Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen, so wie Christin Furtenbacher, die im Stadtrat sitzt. Rund 30 Personen aus der AG und andere Interessierte haben am Samstag ebenfalls einen Blühstreifen angelegt, im Konkordiapark. Die Beteiligten hatten es ein bisschen leichter: Das Grünflächenamt hatte die Grasnarbe bereits entfernt. Gesät wurden 70 Prozent Wildblumen und 30 Prozent Kulturpflanzen, erklärt Furtenbacher. Die AG werde den Streifen in Zukunft pflegen. Bei der Aktion sei "natürlich viel Symbolik" dabei, räumt sie ein. Es gehe darum, auch in der Stadt mehr wilde Natur zuzulassen und für Offenheit dafür zu werben. Dass zwei Gruppen ähnliche Aktionen am selben Tag planen, sei reiner Zufall gewesen, so Furtenbacher. Aber je mehr Blühstreifen es in der Stadt gebe, desto besser sei das.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    cn3boj00
    08.04.2019

    Eine tolle Sache, es ist gut dass sich Menschen noch dafür engagieren, denn das Problem des Artensterbens (Wildkräuter - Insekten - Vögel - ...) interessiert die breite Masse hier ja nicht wirklich, die hat andere vermeintliche Probleme.
    Doch das sind die Tropfen auf den heißen Stein, in der Stadt ist das Artensterben ja inzwischen viel weniger ausgeprägt als im ländlichen Raum, wo Großagrarier ganze Landschaften zerstören und es keine Umwelt-AGs gibt.



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