Wie Bauern mit den Folgen der Dürre umgehen

Das extreme Wetter der vergangenen Monate stellt Landwirte vor Herausforderungen. Von einer prekären Lage ist die Rede, aber nicht in jedem Betrieb. Ein Bauer fordert etwas von der Politik - aber kein Geld.

Limbach-Oberfrohna.

Monatelang kaum Regen, zudem eine Hitzewelle mit Temperaturen weit über 30Grad: Bauern hatten in diesem Sommer mit extremem Wetter zu kämpfen. Die Bundesregierung hat finanzielle Hilfe für jene Landwirte zugesagt, die besonders gravierende Ernteausfälle verzeichnen. Sind auch Limbach-Oberfrohnaer Bauern auf das Geld angewiesen? Die "Freie Presse" hat drei Betriebe befragt.

WKU Agrarhof Wolkenburg: Der Landwirtschaftsbetrieb mit Sitz in Kaufungen verdient sein Geld vor allem mit der Pflanzenproduktion. In Limbach-Oberfrohna und Umgebung bewirtschaftet die Firma mit drei Mitarbeitern 850 Hektar Land. Nach Angaben von Daniel Stassen, einem von drei Geschäftsführern, hat das extreme Wetter die Ernteerträge unterschiedlich stark beeinträchtigt. Am größten sind die Verluste bei den Kartoffeln, die voraussichtlich noch bis Oktober aus dem Boden geholt werden. Der Ertrag werde etwa 40 Prozent unter dem des Vorjahres liegen, wagt Stassen eine Prognose. "Wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen, ist das Stress für die Pflanzen", erklärt der Landwirt. Die Hitze habe sich mit Blick auf die Ernte deswegen noch gravierender ausgewirkt als die Trockenheit. Zum Teil sind die Kartoffeln kleiner als sonst, zum Teil gibt es einfach weniger von ihnen. "Das kommt auch auf die Sorte an", stellt Stassen fest.

Geringer sind die Verluste nach seinen Angaben bei Winterweizen und Wintergerste. Das im Sommer geerntete Getreide war bereits im Boden, bevor die Dürre begann. Der Geschäftsführer schätzt die Verluste im Vergleich zum Vorjahr auf 20 bis 30 Prozent. Auf die Finanzhilfen des Bundes schielt Stassen trotz der schwierigen Situation nicht. "Eine echte Hilfe für uns wäre, wenn die Bürokratie abgebaut wird. Dann hätten wir mehr Zeit, um unsere Arbeit zu machen - und umso besser geht es auch den Pflanzen", sagt der Landwirt. Derzeit konfrontiere die Politik die Bauern mit zu vielen Auflagen. Förderprogramme seien zu kompliziert gestaltet, sagt Stassen.

Bretschneider Bräunsdorf: Das Ehepaar Kerstin und Dirk Bret- schneider betreibt in Bräunsdorf einen Stall mit 75 Milchkühen. Zudem bewirtschaftet es 58 Hektar Land, um genug Futter für die Tiere zu haben. Doch der Ertrag der Wiesen war in diesem Jahr nur etwa halb so groß wie sonst. "Statt vier Schnitte hatten wir nur zwei. Die Wiesen sind regelrecht verbrannt", stellt Kerstin Bretschneider fest. Die Qualität des Maises, der als Futter angebaut wird, sei zudem schlechter als gewöhnlich. Noch verfügen die Bretschneiders über Vorräte - aber für den Winter reichen die wohl nicht, befürchtet die Landwirtin. "Die Lage ist prekär. Wenn's nicht mehr geht, müssen wir Tiere verkaufen und schlachten lassen." Da es vielen Bauern so gehe, werde der Preis für Schlachtvieh wohl fallen, sagt Kerstin Bretschneider voraus.

Freudenstürme hat die Nachricht von der Nothilfe des Bundes in dem Betrieb nicht ausgelöst. "Es ist noch gar nicht klar, unter welchen Bedingungen und in welcher Form das Geld ausgegeben wird", so die Bräunsdorferin. Zinsgünstige Kredite, wie sie bei früheren Notlagen gewährt worden seien, müssten von einigen Landwirten noch immer abbezahlt werden. Und selbst wenn das Ehepaar sofort Geld erhalte, stelle sich das nächste Problem: "Grünfutter kann ich damit nicht kaufen, weil es auf dem Markt praktisch nichts gibt", erklärt Kerstin Bret- schneider. "Ich kann ja meine Kühe schlecht mit Fünf-Euro-Scheinen füttern."

Wirtschaftshof Sachsenland: Die Genossenschaft gehört mit 130 Mitarbeitern zu den größten Landwirtschaftsbetrieben der Region. Zum Unternehmen mit Sitz in Röhrsdorf gehören unter anderem eine Milchviehanlage in Bräunsdorf und ein Stall mit Mastschweinen und -bullen in Pleißa. Zudem bestellt der Wirtschaftshof zahlreiche Felder, unter anderem in Limbach-Oberfrohna und Niederfrohna, und betreibt mehrere Fleischerei-Verkaufsstellen. Diese Größe mit mehreren Betriebszweigen helfe dabei, die aktuelle Situation abzufedern, sagt Vorstands-Chef Jens Hoffmann. "Wenn's in einem Bereich mal schlecht läuft, kann man das mit den anderen abpuffern."

Zwar konnte nach seinen Angaben in diesem Jahr etwa ein Fünftel weniger Grünfutter für die Tiere produziert werden als sonst. "Aber wir haben noch Bestände aus dem Vorjahr. Für dieses Jahr reichen sie noch", berichtet Hoffmann. Deshalb müsse kein Tier Hunger leiden. Bei Weizen, Gerste und Raps sei die Ernte 2018 nicht schlechter gewesen als in den Vorjahren. Dass der Wirtschaftshof offensichtlich die Folgen der Wetterextreme gut meistert, führt der Vorstands-Chef auch auf den Einsatz des umstrittenen Herbizids Glyphosat zurück. Weil man auf diese Weise Unkraut vernichte, könne man auf das Pflügen des Bodens als alternative Methode verzichten. "So bleibt der Boden locker und kann mehr Wasser aufnehmen", erklärt Hoffmann.

Er sieht demzufolge auch keinen Grund, Finanzhilfen von der Politik zu fordern. "Wenn man Vorsorge trifft, kann man witterungsbedingte Schwankungen aushalten", sagt Hoffmann.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    1206652
    04.09.2018

    Zwei Fragen tun sich mir bei diesam Beitrag auf. Bei der ersten Firma wird geschrieben, dass sie mit drei Mitarbeitern 850 Hektar bewirtschaftet. Das erscheint mir kaum möglich. Außerdem wird im nächsten Satz geschrieben, dass es drei Geschäftsführer gibt?

    Im letzten Absatz sagt der Vorstandschef zur Glyphosat-Verteidigung, dass man dadurch weniger ackern müssen. Das mag ja sein, aber warum der Boden lockerer bleiben sollen und mehr Wassser aufnimmt, wenn nicht geackert wird, erschließt sich mir nicht.



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