30 Jahre nach dem Mauerfall: Ein Laden voller DDR-Produkte

Wo bis vor Kurzem noch Unterwäsche angeboten wurde, stehen nun Seifen, Tempo-Bohnen, Knusperflocken und Huhn-Eierbecher zum Verkauf. Ein Stück (N)Ostalgie mitten in der Annaberger Innenstadt. Und das Geschäft könnte noch aus einem anderen Grund zum Anlaufpunkt werden.

Annaberg-Buchholz.

Als die Mauer am 9. November 1989 fiel, war Matthias Hock noch nicht geboren. Doch mit dem 9. November verbindet auch er einen besonderen Tag. Denn genau ein Jahr später, so erzählt der Annaberg-Buchholzer, wurde er geboren. Da gab es die DDR nicht mehr. Trotzdem ist Hock nun derjenige, der zumindest die Produkte, die damals im Alltag der Menschen eine Rolle spielten, zurück ins innerstädtische Verkaufsregal bringt. In dieser Woche hat er am Markt in der Kreisstadt sein Geschäft "Ostalgie - Laden am Markt" eröffnet. Die Idee kommt nicht von ungefähr. In Oberwiesenthal führt der Händler seit April ebenfalls ein solches Geschäft. Mithilfe von Google analysierte er, woher die Gäste des Kurortes kommen. Dabei stellte sich heraus, dass viele aus den Ostbundesländer sind - vor allem Sachsen, Brandenburg, Berlin und Thüringen, erzählt der 28-Jährige. Seine Idee war, eine Art Souvenirgeschäft zu eröffnen. Der Markt für Erzgebirgische Volkskunst ist dabei aber schon gut gefüllt. Das gilt auch für Annaberg-Buchholz. So kam Matthias Hock auf die Idee mit der Ostalgie. "Der DDR-Kult ist da", sagt Hock.

In dem Annaberger Geschäft am Markt haben nun Unterwäsche und Bikinis mit den Ostprodukten gewechselt. Tassen, T-Shirts, Spielzeug, Haushaltswaren, Kosmetik und vor allem Lebensmittel will Matthias Hock anbieten. Ein Teil des Ladens dient als Verkaufsfläche. Die Nebenräume werden als Lager genutzt. Denn Hock hat neben seinen beiden Ostmärkten auch einen Versandhandel für die Produkte aufgebaut.

"Wir verkaufen nicht nur Produkte, sondern auch Erinnerungen." Und tatsächlich: Da sind zum Beispiel die bekannten Huhn-Eierbecher der Marke Sonja-Plastic. Klappbare Becher, Eierträger, Einkaufsnetze und Seifensäckchen erinnern an die Ausstattung früherer Haushalte. Auch der kleine Tiefseetaucher darf da nicht fehlen. Kosmetikartikel wie Nautik-Seife oder Badusan sowie jede Menge anderer Souvenirs gibt es ebenfalls. In den kommenden Wochen will Matthias Hock zudem das Sortiment bei den Lebensmitteln vergrößern. Da er nun zwei Geschäfte bestücken und auch noch den Onlinehandel vorantreiben möchte, kann er mittlerweile bei den Großhändlern größere Mengen bestellen, was sich positiv auf den Preis niederschlägt. Tempo-Bohnen, Süßigkeiten wie Knusperflocken, DDR-Tomatensoße mit Jagdwurst aus der Dose - auch geschmacklich werden Erinnerungen wach.

Und der 28-Jährige plant noch mehr. So möchte er in dem Geschäft am Markt auch einen DHL-Paketshop integrieren. Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt, erzählt der Ladeninhaber. Das gleiche Konzept setzt Hock auch in Oberwiesenthal um.

Zum Onlinehandel.

11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    6
    Interessierte
    27.09.2019

    Ich gehe gelegentlich mal zu Aldi , wenn ich vorbei laufe , da kaufe ich auch vieles nicht , weil das Papier nicht so schön glänzt und ich bekomme somit keinen Appetit drauf ...

  • 16
    0
    Echo1
    27.09.2019

    Soll er es machen, der nach der DDR-Geborene. Dieser Jahrgang sollte aber wissen, was die DDR war. Mit all seinen verschiedenen Menschen, unterschiedlichen Lebensläufen, Träumen, Zielen, Freuden, Enttäuschungen.
    DDR war nicht nur Stasi und SED. Aber die Aufarbeitung und Aufklärung sollte weiter
    gehen. Und dann mal fragen, wo stehen wir
    jetzt, 30 Jahre danach. Und alles betrachten!

  • 10
    0
    Hinterfragt
    27.09.2019

    "...Kann man sich nicht einfach mal ein bisschen freuen..."
    Gute Frage @MalyKrtek.
    Aber es war doch alles Sch... in der DDR, da geht das natürlich gar nicht.
    Ich finde es Super, dass es Leute gibt, welch die "alten" Marken" wieder meht in s Gespräch und den Verkauf bringen.
    Denn auch das sichert Arbeitsplätze im Osten.
    Also viel Erfolg an den Betreiber.

  • 19
    2
    MalyKrtek
    26.09.2019

    Kann man sich nicht einfach mal ein bisschen freuen, dass man jetzt ein paar bekannte und beliebte Dinge von früher fast um die Ecke wieder zu kaufen bekommt? Muss man daraus gleich wieder eine dieser unsäglichen politischen Diskussionen werden? Interessiert doch sowieso kaum noch jemanden.

  • 15
    4
    Freigeist14
    26.09.2019

    acals@ natürlich müsste der ambitionierte Herr bei einem authentischen DDR-Laden vieles aus dem Sortiment nehmen und sagen "Hammr nich " . Ihr Verweis auf geöffnete Post aus dem NSW : Auch der Westen pflegte im kalten Krieg es mit dem Postgeheimnis nicht so genau zu nehmen . Natürlich nicht wegen Konsumwaren , sondern als Operativer Vorgang , Nachrichten aus der DDR zu erfassen . Natürlich im Sinne der Freiheit .

  • 14
    6
    KTreppil
    26.09.2019

    Da kann man wirklich geteilter Meinung sein, ob man diese Produkte so vermarkten soll.
    Aber,@Distelblüte Was ist denn nun? Die Lößnitzer im Erzgebirge sind alles Rechte wegen der Glocken, die Annaberger dann wohl ihres letzten Satzes im Kommentar zufolge alles Linke...passt ihnen wohl auch nicht? Man muss sich schon mal entscheiden in welche Ecke man die Region stellt?

  • 6
    7
    Interessierte
    26.09.2019

    Ich weiß aber , dass die Westler auch in einer (N)Westalgie schweben , die erinnern sich nämlich auch sehr gern an die Zeit vor der Wende , als es denen noch viel besser ging und alles viel sozialer war - mit Mauer ....

  • 6
    9
    Interessierte
    26.09.2019

    Ein Stück (N)Ostalgie ...
    ( wie schreibt man denn das beim Westen , die haben doch auch eine Vergangenheit und Retroprodukte ?

  • 3
    19
    acals
    26.09.2019

    Herr Freigeist, natürlich haben Sie Recht - DDR Produkte gibt es noch im Antiquariat. In Chemnitz zB bei SBS - mag ich sehr, obwohl ich kein zB ATA brauche.

    Warum will man heute keine Neuauflage der DDR Produkte kaufen? Hmm, also die Weihnachtsbäckerei geht ja zB wieder los. In Orangat und Zitronat sollte auch drin sein was der Name hergibt, und nicht Möhren bzw. Tomate. Es wäre auch zielführend wenn in Schokolade Kakao drin (gewesen) wäre und weder Luft noch "Ziegelstaub", Autos crash-test sicher sind, Quark nicht auf Butterbrotpapier ausgegeben wird, Kartoffelschälmaschinen nicht mannshoch und -breit wären usw usf

    Aber der junge Herr will ja auch einen Paketladen aufmachen. Da braucht er aber den zuständigen Geheimdienst dazu, wenn Briefe/Pakete aus dem NSW ankommen. Geld und gedruckte Hetze (also alles auf Papier) fliegen sowieso gleich raus - Gegenstände mit denen sabotiert bzw. spioniert werden kann (und die der Bestechung von Personal dienen könnten) haben auch keine Chance mehr.
    Im Zweifelsfall also alles ...
    Das Öffnen und Durchsuchen macht der junge Mann dann gleich in Anwesenheit des Kunden ... damit " die Angelegenheit" auch gründlich aus der Welt gebracht ist.

  • 18
    9
    Freigeist14
    26.09.2019

    Da es sich hier um Produkte oder Nachbauten aus Ostdeutschland handelt ist es verzerrend , hier von DDR-Produkten zu schreiben . Denn die finde ich im Antiquariat oder auf dem Trödelmarkt . Aber Grund genug für Distelblüte ,seine Kaufgewohnheiten für Produkte aus Bayern ,NRW ...ect. zu erklären .

  • 12
    32
    Distelblüte
    26.09.2019

    Herr Hock ist zu jung, um zu wissen, wie sich Leben in der DDR, einer Diktatur, wirklich angefühlt hat. Mit dem Verkauf typischer DDR-Produkte bedient er eine emotionale Schiene des ostdeutschen Zeitgeistes. Das mag aufgrund der Altersstruktur eine ganze Weile erfolgreich sein, für mich ist es nichts. Ich weine diesem Staat keine Träne nach.
    Das T-shirt mit Emblem zu tragen ist nicht verboten. Aber geschmacklos. Passt aber in die Region und wird sicher wohlwollend aufgenommen.



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