Alles auf Vinyl: Musikexperte eröffnet Plattenladen in Annaberg

Das neue Album von Bob Dylan ist schon da und unzählige weitere Schallplatten ebenso. Am heutigen Dienstag eröffnet an der Buchholzer Straße ein neues Geschäft. Inhaber Jens Roscher betritt damit Neuland, auf dem er sich aber bestens auskennt.

Annaberg-Buchholz.

Mit 14 Jahren hat Jens Roscher seine erste Platte bekommen. Der Beginn einer Leidenschaft für Vinyl und für Musik. Er blieb bei diesem Medium, auch in den Zeiten, als nur noch wenige Bands ihre Musik auf Schallplatten pressten. Doch Gutes kommt eben immer wieder und eigentlich nie aus der Mode und so ist Vinyl heute nicht mehr aus dem Musikgeschäft wegzudenken. 2019 wurden laut Statistik des Bundesverbands Musikindustrie 3,4 Millionen Vinyl-LPs in Deutschland verkauft. 2010 waren es lediglich 0,6 Millionen.

Roscher holte über Jahre und Jahrzehnte als Booker und Kulturmanager der "Alten Brauerei" Bands aus Dutzenden Ländern ins Erzgebirge. Er gründete zudem die deutsch-tschechische Konzertagentur "Grenzgänger". Im vergangenen Jahr verließ er die "Brauerei". Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits einen Online-Handel für Schallplatten gegründet. Nun geht Roscher einen Schritt weiter. Tillophon, so heißt der Laden, soll zum einen die "Grenzgänger"-Agentur weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und zum anderen Anlaufpunkt für Musikliebhaber werden. Für den Standort - Buchholzer Straße 32 A - habe er sich sehr früh entschieden. Das lag auch daran, dass gleich nebenan eine Gaststätte geplant ist. Bei einer Kooperation könnten so Musikabende, Kleinkunst und vieles mehr dort stattfinden.

Lohnt sich im Erzgebirge überhaupt ein Plattenladen? Jens Roscher und sein Mitstreiter René Keil, der in der "Alten Brauerei" quasi Roschers Nachfolger ist, glauben daran. Zum einen ist der nächste Plattenladen erst in Chemnitz zu finden. Und Musik wird nicht nur in großen Städten gehört. Zudem verfügt das Erzgebirge über eine große Musikszene mit vielen Bands und Musikern. Und bei Platten allein soll es auch nicht bleiben. Roscher will mit Aufenthaltsqualität punkten. Sitzgelegenheiten, der Verkauf von Kaffee, Bier und Limo in Kombination mit der Möglichkeit, in neue Alben reinzuhören, sollen die Kunden anlocken. Denn der stationäre Handel kann einen Wunsch erfüllen, den Online-Shops nicht bieten können: "Die Leute kommen, um zu plaudern." Und über Musik lässt sich vortrefflich schwatzen.

Auf bestimmte Genres will sich der 54-Jährige nicht festlegen. Dennoch glaubt er, dass anfangs vor allem Metal-Platten über den Ladentisch gehen werden. Auch vom neuen Album von Bob Dylan hat sich Roscher einige Exemplare gesichert. Generell sei aber alles möglich und der Kundenwunsch entscheidet. "Ich habe auch schon eine Heino-Platte da." Und sollte sich herausstellen, dass jeder dritte Kunde Schlager verlangt, dann gebe es auch Schlager im Tillophon. Doch eine Besonderheit lässt sich Jens Roscher dann doch nicht nehmen. Wer durch die Plattenregale stöbert, wird die Kategorie "Osteuropa" finden. Darunter auch Schätze auf Vinyl wie von der Band Leningrad.

Am heutigen Dienstag werden sich die Türen des Plattenladens ab 12 Uhr zum ersten Mal öffnen - ohne Fest, es geht einfach los. Geöffnet ist dann immer von dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr. Samstags können Kunden von 10 bis 14 Uhr stöbern und kaufen. www.tillophon.de

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