Angst unbegründet: Trinkwasser ist sauber

Eine Untersuchung des Abwassers der Kläranlage Schönfeld hat viele Bürger beunruhigt. Sie glauben, dass Bestandteile von Drogen und Medikamenten über das Grundwasser ins Trinkwasser gelangen.

Annaberg-Buchholz.

In der Kreisstadt wird pro Einwohner und Tag mehr Crystal eingenommen als in so mancher bundesdeutschen Großstadt. Dieses Ergebnis, das aus einer Untersuchung des Abwassers der Kläranlage in Schönfeld resultiert, hat viele Bürger geschockt. Sie vermuten nun, dass über das Grundwasser Rückstände der Droge oder auch von Medikamenten irgendwie, irgendwo wieder im Trinkwasser landen könnten. Was ist dran an dieser Theorie?

Sicherlich finden sich im geklärten Abwasser, das die Anlage in Richtung des Flusses Zschopau verlässt, geringe Spuren von Crystal, sagt Jörg Walther. Er ist der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes (AZV) "Oberes Zschopau- und Sehmatal". Diese Rückstände seien aber in keiner Weise gefährlich, weil die Konzentration einfach viel zu gering sei. Dass diese Mengen im Mikro- oder gar Nanogrammbereich überhaupt nachweisbar sind, liege an den immer sensibler gewordenen Messgeräten. "Mit der Technik vor 20 Jahren beispielsweise hätte man dahingehend überhaupt nichts feststellen können", sagt Walther.


Auch Medikamenten-Rückstände im Abwasser seien vor ein paar Jahren noch kein Thema gewesen. Inzwischen aber gebe es darüber einige Studien, die etwa aussagen, welche Arzneimittel in einer Kläranlage gut und welche schlecht bzw. gar nicht abgebaut werden können. Das Schmerzmittel Ibuprofen etwa lasse sich gut abbauen, das Mittel Diatrizoat hingegen, das als Röntgenkontrastmittel dient, so gut wie gar nicht.

Das Problem: Das behandelte Abwasser, das die Kläranlage verlässt, muss den Richtlinien entsprechen, die die Abwasserverordnung vorgibt. Darin spiele in der aktuellen Fassung aber das Thema Medikamente noch keine Rolle, erklärt Walther. Laut jener Verordnung muss das behandelte Abwasser so unter anderem auf den chemischen Sauerstoffbedarf, auf Stickstoff- oder Phosphorgehalt geprüft werden. "Dennoch kann ich guten Gewissens sagen, dass die Kläranlage keine gesundheitsgefährdenden Stoffe verlassen", so Walther.

Was ihn ärgert, ist die Tatsache, dass die Pharmakonzerne nicht verpflichtet werden, ungenutzte Medikamente zurückzunehmen und zu entsorgen. Dadurch würde immer mehr Arznei durchs Klo gespült und so den Kläranlagen zugeführt.

Auch die Erzgebirge Trinkwasser GmbH (ETW) als regionaler Versorger beruhigt die Bürger. "Unser Trinkwasser ist sauber", sagt Jörg Roscher, Produktionsleiter bei der ETW. Speziell das Trinkwasser für den Annaberger Raum komme zu einem Teil aus der Talsperre Cranzahl und zum anderen Teil aus eigenen Gewinnungsanlagen. Alle diese Quellen lägen in Trinkwasserschutzgebieten, sodass etwa Einträge von Drogen oder Medikamenten keine Rolle spielten. Hinzu kämen regelmäßige Kontrollen - eigene sowie durch das Gesundheitsamt des Kreises. Dabei gehe es unter anderem auch um Einträge von Pflanzenschutzmitteln sowie Bakterien.

Rückendeckung bekommt der ETW-Mann von Steffen Meichßner, Leiter Betrieb bei der Südsachsen Wasser GmbH. Er betont: "Das Rohwasser der Trinkwassertalsperren, so auch der Talsperre Cranzahl, wird regelmäßig durch die landeseigene Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft untersucht. In den Talsperren wurden bisher keine Rückstände von chemischen Drogen nachgewiesen. Entsprechend sind im Trinkwasser, das in einem mehrstufigen Arbeitsprozess daraus gewonnen wird, keinerlei Rückstände aus Drogen oder Arzneimitteln zu finden." Trinkwasser könne also bedenkenlos überall aus dem Hahn getrunken werden. Es gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland, betont Meichßner.

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